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Schweinegrippe, Klimawandel und Überschwemmungen – mit solchen Risiken befasst sich Walter Ammann tagtäglich. Der St. Galler gründete vor vier Jahren das Global Risk Forum in Davos. Im Gespräch mit Radio Grischa gibt Ammann einen Überblick über die derzeit grössten Gefahren.
Chur. – Nicht Lawinen und auch nicht Überschwemmungen seien die grössten Risiken in der Schweiz, sagt Walter Ammann. Vielmehr müsse man nach Wegen suchen, um mit der Überalterung der Gesellschaft und den damit verbundenen Konsequenzen fertig zu werden. Was die weltweiten Risiken angeht, erachtet Ammann Phänomene wie die Schweinegrippe und EHEC-Viren zwar als Gefahr. Ungleich grössere Risiken sieht er allerdings im Klimawandel und den damit verbundenen Dürren in Afrika.
Seit Jahren beschäftigt sich Ammann mit globalen Risiken und Katastrophen. Angefangen hat alles in Davos, wo der gelernte Ingenieur im Jahr 1992 die Leitung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung übernahm.
Risiken und Lösungsansätze
Vor vier Jahren gründete der 63-Jährige schliesslich das Global Risk Forum, um in Davos alle zwei Jahre einen grossen Kongress durchzuführen. Mehr als 1000 Fachleute diskutierten zuletzt Ende August im Davoser Kongresszentrum über aktuelle und künftige Risiken und Katastrophen.
Im Gespräch mit Grischa-Redaktionsleiter Roger Aebli gibt Ammann in der Sendung «Grischalog» am Sonntag von 10 bis 11 Uhr und in der Wiederholung am Montag von 19 bis 20 Uhr einen Überblick über die grössten Risiken und beschreibt mögliche Lösungsansätze. (so)
Frühere «Grischalog»-Sendungen finden Sie hier.
01.09.2012 13:44 Uhr
"Ungleich grössere Gefahren sieht er allerdings im Klimawandel"
Der Risiko-Spezialist und frühere Leiter des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos, Walter Ammann, sieht es richtig: Die grösste Gefahr für die Menschheit geht vom Klimawandel aus und ist hausgemacht. Nicht die natürlichen Risiken wie Lawinen oder Überschwemmungen bedrohen uns, sondern die Menschen-Fluten, die sich wegen dem Steigen der Meeres-Spiegel in Küstengebieten oder wegen Dürren und Hungersnöten weltweit auf den Weg machen, wenn der CO2-Anstieg in der Atmosphäre nicht schnellstens gebremst wird. Dabei ist der durch den Menschen verursachte Anteil des Klimawandels, der übermässige Verbrauch der fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Gas seit Jahren mit wissenschaftlicher Genauigkeit identifiziert. Die technischen Lösungen, den Energie-Verbrauch und CO2-Ausstoss zu minimieren, ebenfalls: Ersatz fossiler Energie-Nutzung (Kohle- und Gaskraftwerke, Motorfahrzeuge) durch erneuerbare Energie-Träger (Wasser, Solar, Wind, Holz, Biomasse, Erdwärme), Gebäude-Isolation, Steigerung der Energie-Effizienz und generelle Energiesparmassnahmen. (Ebenfalls grosse Wirkung würde die Reduktion unseres Fleischkonsums entfachen.) Dass gerade eine im Kanton Graubünden heimische Firma wie keine zweite in der Schweiz den Klimawandel vorantreiben will, ist langsam nur noch peinlich. Ebenso peinlich wenn nicht verantwortungslos ist, dass weder Bündner Regierung als Hauptaktionärin und damit wichtigstem Aufsichtsorgan der Firma noch der Grosse Rat bisher sichtbare Anstalten zeigten, die Firma zu einer strategische Neu-Ausrichtung zu drängen. Eine realitätsferne, zukunftsverachtende und zum Scheitern verurteilte Kohle-Strategie gefährdet nämlich Repower, die ihr Image eines innovativen ökologischen Vorzeigeunternehmens gerade ihretwegen längst zerstört hat, und ihre 500 wertvollen Arbeitsplätze im Kanton. Dass sie mit dem geplanten Bau eines Kohlekraftwerkes in Saline Joniche aus vermeintlicher Aussicht auf Profit rücksichtslos den Ausstoss von 7.6 Millionen (!) Tonnen des klimaschädlichen CO2 (das 7- bis 8fache des Bündner CO2-Ausstosses) in Kauf nimmt und damit 15 mal mehr schmutzigen Kohle-Strom (9000 Gigawattstunden) als Strom aus Wasserkraft (600 GWh) produzieren würde, kann und darf der Bündner Regierung nicht länger gleichgültig sein. Noch kann das unsinnige Kohle-Projekt gestoppt werden: entweder durch (späte) Einsicht der Repower, eine Unterstützung der Volksinitiative "Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft" durch Regierung und Grossen Rat, durch die italienischen Gerichte oder ein eindrückliches Umwelt-Votum der Bündnerinnen und Bündner, wenn sie in wenigen Monaten über die Volksinitiative "Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft" abstimmen werden. Um ohne einen Rappen Aufwand den ungleich grösseren Gefahren des Klimawandels zu begegnen.