Die Katastrophenbilder aus Japan schockieren. Doch was wäre, wenn es Graubünden träfe? Um die Staumauern hier zum Einstürzen zu bringen, sind sehr starke Erdbeben nötig. Unklar ist allerdings, wie häufig solche Erdbeben überhaupt auftreten.
Chur. – Ereignet sich in Graubünden ein schweres Erdbeben, besteht die Gefahr, dass Staumauern einstürzen und es dadurch zu schweren Überschwemmungen kommt. Würden sämtliche grösseren Stauseen in der Surselva beschädigt, stünde Chur innert weniger Stunden bis zur Ringstrasse im Wasser, rechnet Hans Gasser, Chef des Bündner Amtes für Militär und Zivilschutz, vor. Das sei aber nicht realistisch.
Die Zervreila-Staumauer oberhalb Vals muss ein Erdbeben überstehen, welches statistisch betrachtet alle 10 000 Jahre auftritt, sagen Fachleute des Bundesamtes für Energie. Das entspreche im Fall von Vals einem Beben der Intensität VIII, bei welchem Personen ihr Gleichgewicht verlören und kleinere Häuser teilweise einstürzten.
Alle 10 000 Jahre - oder alle 500 Jahre?
Dass Beben dieser Stärke in Graubünden aber nur alle 10 000 Jahre auftreten, bezweifeln Geologen. Der Churer Erdbebenspezialist Markus Weidmann rechnet vielmehr damit, dass es in Graubünden alle 500 bis 1000 Jahre zu einem solchen Beben der Intensität kommt, wie er sagt. Er beruft sich dabei auf eine Untersuchung historischer Erdbeben in Graubünden.
Das letzte solcher Beben fand 1295 in der Region Churwalden statt. Verheere ein solches Beben Graubünden heute, entstünde ein Gesamtschaden von über zwölf Milliarden Franken. Die Zervreila-Staumauer dürfte dieses nächste Grossbeben in Graubünden überstehen. Allerdings könne sich in der Schweiz auch ein stärkeres Beben «mit anderer Auftretenswahrheit» ereignen, so Weidmann – mit entsprechenden Folgen. (rf)
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