Walter Villiger: «Bei Wunschtransfers musste ich oft auf den Tisch klopfen»

Walter Villiger tritt an der Generalversammlung vom kommenden Donnerstag als Präsident der Lakers Sport AG zurück. Der 68-Jährige blickt auf eine vierjährige Präsidialzeit und insgesamt zehn Jahre Vorstandstätigkeit zurück.

Walter Villiger tritt als Präsident der Lakers Sport AG zurück.

Bild: Ruedi Gubser

Mit Walter Villiger sprach Ruedi Gubser

Haben Sie den Final der Fussball-EM am Sonntagabend auch am TV verfolgt?
Walter Villiger: Nur die letzte halbe Stunde. Bis 22 Uhr hatten wir noch Besuch.

Dann sahen Sie wenigstens noch die zwei letzten Tore, die Jubelszenen der Spanier und die Pokalübergabe. Solcher Jubel blieb Ihnen bei den Lakers verwehrt.
(Lacht laut) Das stimmt. Das Gefühl, einen Pokal gewonnen zu haben, konnte ich nie geniessen. Mit dem erstmaligen Einzug der Lakers in die Play-off-Halbfinals 2006 kam ich diesem Gefühl aber nahe.

Das war aber vor Ihrer Präsidialzeit. Seit Sie den Klub führen, spielten die Lakers stets in den Play-outs. Ärgert es Sie, dass Sie als der Lakers-Präsident, der nie in die Play-offs kam, zurücktreten müssen.
Ärgern ist nicht das richtige Wort. Natürlich wären in den letzten vier Jahren vermehrte sportliche Erfolge schöner gewesen. Aber ich blicke ganzheitlich auf meine Tätigkeit bei den Lakers zurück, die 2002 als Finanzchef begann. Und da gibt es durchaus positive Erlebnisse. Rückblickend überwiegt das Positive. Dazu gehört bestimmt die Realisierung der neuen Eishalle, die im Klub eine Aufbruchstimmung auslöste. Es ist für einen Kleinklub wie uns nicht selbstverständlich, eine solche Halle zu haben. Dafür bin ich der Stadt dankbar.

Aber sportlich erlitten die Lakers mit der «Vorwärtsstrategie» Schiffbruch. Nach der Verpflichtung von Michel Riesen und Daniel Manzato sagten Sie 2009, Mittelmass genüge nicht mehr, nun müssten die Lakers vorne mitspielen. Das Gegenteil war der Fall. Am Ende der folgenden Meisterschaften gabs nur noch Play-out-Kost. Da haben Sie sich wohl getäuscht?
Wenn man alles früher wüsste. Nachdem wir 2005 bis 2008 im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten gut gespielt und jeweils die Play-offs erreicht hatten, wollten wir einen Schritt nach vorne tun. Dabei unterliefen uns gewisse Fehler bei der Auswahl von Spielern und Trainern. Weiters sorgten personelle Wechsel in der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat, für Unruhe. In den letzten vier Jahren durchlebten wir schwierige Phasen.

Die sich auch finanziell niederschlugen. Aus der Saison 2011/12 droht ein Verlust von zwei Millionen Franken.
Wir hatten mit einem deutlichen Verlust gerechnet. Der kommt nicht überraschend. Für die Zukunft braucht es auf allen Ebenen Mehreinnahmen. Bei der Unterstützung der Lakers hoffe ich auf die gesamte Region. Es ist doch ein gutes und starkes Zeichen, dass unsere Region überhaupt einen NLA-Klub hat. Verluste von einer halben Million jährlich können von den Verwaltungsratsmitgliedern und den Donatoren noch aufgefangen werden. Überschreiten die Defizite aber ständig die Millionengrenze, ist das auf Dauer nicht finanzierbar. Deshalb wollen wir den Klub auf breiterer Basis abstützen. Die Umsetzung ist keine einfache Aufgabe. Dafür brauchen wir sportliche Erfolge, und wir brauchen die Unterstützung der Region.

Das tönt nach Hilferuf. Müssen wir uns um die Lakers Sorgen machen?
Jetzt nicht mehr. Vor einem Jahr sah es nicht so gut aus. Verschiedene Massnahmen haben die Situation aber entschärft, und ich bin zuversichtlich, dass die Lakers auf dem richtigen Weg sind. Die Lage ist nun so, dass ich mit gutem Gewissen zurücktreten kann. Vor einem Jahr wäre das nicht möglich gewesen.

Die Finanzen sind im Eishockey wie im Fussball immer ein Thema. Hätten Sie nicht viel Geld sparen können, wenn Sie 2007 Bill Gilligan weiterverpflichtet und ihm seine Spielerwünsche erfüllt hätten. Mit dem Erfolg, der den US-Trainer begleitet, wären die alljährlichen Defizite bestimmt kleiner ausgefallen?
Vielleicht. Das Problem war, dass sich Bill Gilligan nie über seine Zukunftsabsichten äusserte. Hätte er einmal ein Bekenntnis abgegeben, die Zukunft womöglich mit den Lakers zu bestreiten, wäre die Ausgangslage für uns eine andere gewesen. Durch sein beharrliches Schweigen standen wir im luftleeren Raum und mussten stets damit rechnen, dass er eine andere Herausforderung annimmt.

Mit Ihrem persönlichen finanziellen Hintergrund könnten Sie die Defizite der Lakers, sozusagen als teures Hobby, doch alleine decken?
Ich finde es schlecht, wenn der Sport nur vom Mäzenentum lebt. Deshalb war ich nie Mäzen und werde es auch nie sein. Als seinerzeit die Anfrage kam, bei den Lakers mitzuwirken, sagte ich zu, weil ich dem Klub einfach helfen wollte. Mir ist es im bisherigen Leben immer gut gegangen. Deshalb wollte ich etwas zurückgeben und etwas tun für die Öffentlichkeit und für die Jugend.

Bleiben wir beim Geld. Was sagen Sie zu den Kloten Flyers?
Für mich kam dieses finanzielle Debakel nicht überraschend. Schon vor zwei Jahren machte ich darauf aufmerksam, Kloten im Auge zu behalten, weil ich ahnte, dass diese Rechnung nicht aufgehen kann. Die Flyers waren mitverantwortlich, dass die Spielergehälter vor allem der Schweizer derart explodierten. Sie unterstützten uns auch nicht bei unserem Vorstoss bei der Liga, diese Lohnexzesse in den Griff zu bekommen.

So etwas hätte den Lakers mit Ihnen als Finanzchef nicht passieren können?
Davon gehe ich aus. Ich weiss ja, wie es läuft. Sportchef und Trainer wünschen sich diesen oder jenen Spieler und erhoffen sich mit deren Verpflichtung den grossen Erfolg. In den letzten Jahren musste ich oft auf den Tisch klopfen und klar darlegen, dass wir uns diese Wunschspieler nicht leisten können. Ich war nie ein Angsthase. Es ist auch nicht so, dass wir nie etwas gewagt hätten. Aber es musste stets im Rahmen unserer Möglichkeiten bleiben. Nun hoffe ich, dass meine Nachfolger auch keine Abenteuer à la Kloten machen.

A propos Nachfolger. Wer wird neuer Präsident der Lakers Sport AG?
Das wird Lucas Schluep. Das ist eine gute Wahl. Er hat mit dem Strategiepapier «Mission Lakers» bereits ausgezeichnete Arbeit geleistet und wird den Klub erfolgreich führen. Da bin ich mir sicher.

Mit welchem Budget wird der neue Präsident die Saison 2012/13 bestreiten?
Das Budget wird nochmals um eine halbe Million Franken angehoben und etwa bei elf Millionen Franken liegen.

Das wird aber erneut rote Zahlen geben?
Wie bereits gesagt, haben wir Massnahmen getroffen, um weitere Einnahmen zu generieren. Schwarze Zahlen werden wir wohl nie schreiben können. Wäre das so, würde das Geld doch gleich für teurere Spieler ausgegeben. Das habe ich in den letzten zehn Jahren gelernt.

Was nehmen Sie weiter mit aus Ihrer Tätigkeit bei den Lakers?
Insgesamt war es eine gute Erfahrung und eine schöne Zeit. Zu sehen, wie es im Profigeschäft abgeht, war äusserst interessant und spannend.

Was werden Sie mit der gewonnenen Zeit nach dem Rücktritt machen?
Mir wird bestimmt nicht langweilig. Ich habe weiterhin meine Verwaltungsratsmandate und Finanzdossiers zu betreuen. Dazu spiele ich wöchentlich Golf und Tennis.

In Ihrem Herzen wird sicher noch Platz sein für die Lakers?
Auf jeden Fall. Ich werde weiterhin im Stadion anzutreffen sein und beim 100er-Club mitmachen.
Und helfen, die Defizite zu decken?
Nein. Meine Verantwortung für den Klub endet an der GV am Donnerstag.

  • Quelle: suedostschweiz.ch
  • Datum: 03.07.2012, 10:35 Uhr
  • Webcode: 2417288
 

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