Unterdrückung in muslimischer Ehe als häusliche Gewalt

Die St. Galler Justiz muss vertieft abklären, ob eine Kosovarin in der Ehe mit ihrem muslimischen Gatten wie eine «Sklavin» gehalten worden ist. Laut Bundesgericht wurde der Frau die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung nach der Trennung vorschnell verwehrt.

Das Bundesgericht in Lausanne (Archiv).

Bild: Keystone

Lausanne. – Ausländische Ehegatten von in der Schweiz niedergelassenen Personen haben Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung. Scheitert die Ehe vor Ablauf von drei Jahren, müssen sie die Schweiz in der Regel wieder verlassen. Ein weiterer Aufenthalt kann ausnahmsweise bewilligt werden, wenn «wichtige persönliche Gründe» vorliegen.

Ein solcher Härtefall liegt etwa dann vor, wenn eine Frau Opfer ehelicher Gewalt in physischer oder psychischer Form geworden ist. Das Bundesgericht hat in einem aktuellen Grundsatzurteil nun einer Frau aus dem Kosovo Recht gegeben, die 2008 einen in der Schweiz niedergelassenen Serben muslimischen Glaubens geheiratet hatte.

Rund eineinhalb Jahre nach ihrem Umzug in die Schweiz trennte sich das Paar. Die St. Galler Behörden verweigerten der Frau die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Sie hatte geltend gemacht, Opfer häuslicher Gewalt geworden zu sein. Die Ehe sei traditionell islamisch in streng patriarchalischen Mustern gelebt worden.

Sie sei dabei wie ein «Hausmädchen» oder eine «Sklavin» gehalten worden und habe weder Sprach- oder Integrationskurse besuchen, noch einer Arbeit ausser Haus nachgehen dürfen. Zum Telefonieren habe sie ihren Mann um Erlaubnis bitten müssen und die Wohnung habe sie nur unter Aufsicht der Schwiegermutter verlassen dürfen.

Die St. Galler Justiz hielt ihr entgegen, dass sich der Mann nicht strafbar gemacht und seine Frau nie eingesperrt, geschlagen oder gewaltsam zurückgehalten habe. Die Beeinträchtigungen würden dem Üblichen in einer traditionell islamisch geführten Ehe entsprechen und die Frau habe sich der möglichen Probleme bewusst sein müssen.

Das Bundesgericht hat ihre Beschwerde nun gutgeheissen und die Sache zur Neubeurteilung an die St. Galler Justiz zurückgeschickt. Laut Gericht kann psychische Gewalt auch dann vorliegen, wenn beim Mann kein strafbares Verhalten festgestellt worden ist.

Die St. Galler Behörden müssen nun vertieft abklären, ob die Frau gegen ihren Willen dauernd in ein von ihr abgelehntes, erniedrigendes patriarchalisches Rollenverständnis «als Sklavin» gezwungen worden ist und ihr Widerstand zum Scheitern der Ehe geführt hat.

Weiter sei genauer zu untersuchen, ob ihr als geschiedene Frau eine Rückkehr in ihre Heimat verwehrt sei. Falls dies zutrifft, muss ihre Aufenthaltsbewilligung laut Gericht verlängert werden. (Urteil 2C_821/2011 vom 22.6.2012) (sda)

  • Quelle: sda
  • Datum: 12.07.2012, 11:02 Uhr
  • Webcode: 2454811
 
 

Gastbeitrag
The content of this field is kept private and will not be shown publicly.

  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Allowed HTML tags: <p> <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Lines and paragraphs break automatically.
  • Each email address will be obfuscated in a human readable fashion or (if JavaScript is enabled) replaced with a spamproof clickable link.

More information about formatting options

Code:*
CAPTCHA
Enter your dog's name:
Speichern Vorschau
Sie erklären sich damit einverstanden, unseren Service weder für illegale Zwecke, noch zur Übermittlung von gesetzeswidrigen, belästigenden, beleidigenden, die Privatsphäre anderer verletzenden, missbräuchlichen, bedrohlichen, schädlichen, vulgären, obszönen, verleumderischen, zu beanstandenden oder anderweitig verwerflichen Inhalten oder von Material, welches das geistige Eigentum oder andere Rechte einer Person verletzt oder verletzen könnte, zu benützen. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Was halten Sie von diesem Artikel? Schreiben Sie in einem Kommentar Ihre Meinung dazu!

neuen Kommentar schreiben...
 

Heute, 18:41 Uhr | 0 Kommentare

Papst Franziskus hat zum Auftakt seines Türkei-Besuches angesichts des Vormarschs der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zum Dialog der Glaubensgemeinschaften aufgerufen. Zugleich rief er nach seinem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu Religionsfreiheit auf.

mehr...

Freitag, 26.09.2014 09:44 Uhr | 0 Kommentare

Der Regierungsrat hat Basilius Scheidegger zum Vorsteher des neu geschaffenen Amtes für Finanzen gewählt. Scheidegger ist zurzeit Sektionsleiter Finanzpolitik und Beteiligungen im Kanton Aargau und Stellvertreter des Abteilungsleiters Finanzen.

mehr...

Heute, 18:30 Uhr | 0 Kommentare

Bei einem Bombenanschlag auf eine Moschee in der nigerianischen Grossstadt Kano sind mindestens 64 Menschen getötet und 126 weitere verletzt worden. Zwei Sprengsätze waren während des Freitagsgebets in der Grossen Moschee von Kano explodiert.

mehr...

Heute, 18:16 Uhr | 0 Kommentare

2030 sollen mehr Züge fahren und das Schienennetz soll bis dahin ausgebaut sein. Das hat das Volk am 9. Februar beschlossen mit seinem Ja zu FABI und zum Bahninfrastrukturfonds. Was, wo und wann gebaut wird, ist offen. Nun ringen sechs Regionen um Mittel, deren Höhe noch gar nicht bekannt ist.

mehr...

Heute, 17:51 Uhr | 0 Kommentare

Nächstes Jahr können Schweizer Unternehmen weniger Fachkräfte aus Ländern ausserhalb der EU und EFTA rekrutieren als im laufenden Jahr. Der Bundesrat hat am Freitag entschieden, die Höchstzahlen für 2015 gegenüber dem Niveau von 2014 deutlich zu senken.

mehr...

Alle Artikel

Community

Multimedia

Top-Deals

Entspannen Sie sich im Weisslicht Solarium in Chur - 300 Minuten
CHF 140.-
CHF 280.-
mehr
Kommen Sie in Ihrem Leben weiter - Sie erhalten eine Erstberatung (60 Min.) in Chur mit Kurzanalyse Ihrer verschiedenen Lebensbereiche
CHF 60.-
CHF 130.-
mehr
Gemütliches Beisammensein bei einem Fondue mit dem Elektro Fondue-Set von crazystuff.ch inkl. Lieferung
CHF 31.-
CHF 63.-
mehr
Somedia Production