Schlechtere Versorgung Alter und chronisch Kranker befürchtet

Hausärzte, Spitex-Mitarbeiterinnen und Heimpersonal fürchten, alte und chronisch kranke Menschen könnten nach Einführung der Fallkostenpauschale schlechter versorgt werden als heute. Das hat eine Befragung ergeben, die in eineinhalb Jahren wiederholt werden soll.

Pflegepersonal und Ärzteschaft befürchten Einbussen in der Pflege durch die Fallkostenpauschale (Archiv).

Bild: Keystone

Zürich. – Wie das Forschungsinstitut gfs-zürich am Dienstag mitteilte, hat es vom 28. Juni bis zum 21. Juli in den Regionen Basel, Zürich und Bern 17 qualitative Befragungen von Hausärzten, Spitex- und Heimpersonal durchgeführt.

«Qualitativ» bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Befragten relativ viel Freiraum zur Beantwortung von Fragen zum Thema haben. Diese Antworten werden dann wissenschaftlich ausgewertet.

Die Befragung soll wiederholt werden, wenn das neue Spital-Abrechnungssystem nach Fallpauschalen in der Praxis umgesetzt ist. Damit soll festgestellt werden, ob die Erwartungen der Befragten eingetroffen sind.

Als «vulnerable Patienten» werden Menschen bezeichnet, die sich verbal oder körperlich nicht mehr selbst helfen können. Dazu zählen beispielsweise alte Menschen, Demente, Suchtkranke, psychisch und chronisch Kranke oder auch Behinderte.

Die Befragten zeigten sich besorgt darüber, dass solche Patientinnen und Patienten nach Einführung der Fallkostenpauschalen in den Spitälern künftig mehr Probleme bekommen könnten als bisher. Da das neue Finanzierungssystem die Spitäler nicht mehr nach Zeitaufwand sondern einheitlich nach der medizinischen Diagnose bezahlt.

Da aber Demente oder chronisch Kranke meist mehrere Krankheiten oder medizinische Probleme haben, braucht ihre Behandlung durchschnittlich doppelt bis drei Mal soviel Zeit, wie die Behandlung anderer, ausschliesslich somatisch Kranker. Genau diese Zeit könnte aber im neuen System fehlen, befürchteten die Befragten.

Die Hausärzte fürchten, auf sie könnte eine Lawine an Mehrarbeit zukommen, würden solche Patientinnen und Patienten nach kurzer Zeit wieder aus dem Spital entlassen. In den Heimen dagegen begrüsst man grundsätzlich die frühe Rückkehr der Bewohnerinnen und Bewohner.

Die Studie entstand im Auftrag der Stiftung Dialog Ethik, die sich als interdisziplinäres Institut mit Fragen des «bestmöglichen Handelns im Gesundheits- und Sozialwesen» beschäftigt. Die Stiftung erklärt im Studien-Vorwort, sie sei der Aufforderung der Nationalen Ethikkommission zur Begleitforschung zur Einführung der Fallkostenpauschalen gefolgt. (sda)

  • Quelle: sda
  • Datum: 01.11.2011, 18:05 Uhr
  • Webcode: 1289555

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