Französische Armee rückt in Mali weiter vor

Die internationalen Streitkräfte kommen bei ihrer Offensive gegen Dschihadisten in Nordmali schneller voran als erwartet. Am Samstag nahmen französische und malische Soldaten die Regionalhauptstadt Gao ein. Weitere Verbände stehen vor den Toren Timbuktus.

Ein zerstörter Jeep in Konna.

Bild: Keystone

Bamako/Paris. – Die Soldaten stünden an der Stadtgrenze, sagte ein malischer Militärangehöriger am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters; die Islamisten hätten bisher keine Gegenwehr geleistet. Die internationalen Truppen würden nun die Einnahme der Stadt planen.

Diese dürfte sich schwierig gestalten. Die Oasenstadt Timbuktu ist ein Labyrinth aus antiken Moscheen, Monumenten und Lehmziegelhäusern. Im vergangenen Jahr hatten die Islamisten einen Grossteil der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden antiken Mausoleen zerstört.

Nach Darstellung von Historikern traf dies wichtige Stätten, die zur Geschichte des Islams in Afrika gehören. Die Zerstörung löste weltweite Proteste aus.

Im Nordwesten des Landes eroberten die französisch-malischen Truppen die strategisch wichtige Stadt Gao. Nach Angaben des französischen Militärsprechers Thierry Burkhard starben bei der Einnahme von Gao ein Dutzend Islamisten, während es auf Seiten der internationalen Streitkräfte keine Toten gab.

Soldaten aus Niger und dem Tschad sollten nun die Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt übernehmen, erklärte das französische Verteidigungsministerium. Erste nigrische und tschadische Soldaten kamen auf dem Luftweg nach Gao. Es gab Berichte über Plünderungen in der Stadt, die Telefonverbindungen waren unterbrochen.

Die französische Luftwaffe bombardierte zudem Stellungen der Dschihadisten in der Region Kidal im Nordosten Malis. Dabei sei das Haus des Chefs der islamistischen Gruppe Ansar Dine, Iyad Ag Ghaly, zerstört worden, teilten malische Sicherheitskräfte am Sonntag mit. Ghaly soll jedoch geflohen sein.

Derweil wird die Unterstützung westlicher und afrikanischer Länder für den Militäreinsatz in Nordmali immer konkreter. Die Länder der Westeuropäischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) beschlossen, ihr Kontingent von 4000 auf rund 5700 Soldaten auszuweiten; der Tschad sprach zusätzliche 2000 Soldaten zu.

Die Krise in Mali ist auch ein Hauptthema bei einer Konferenz der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Der AU-Sicherheitsrat teilte am Sonntag mit, die afrikanische Eingreiftruppe für Mali solle bald einsatzfähig sein.

Der Rat versicherte dem malischen Präsidenten Dioncounda Traoré seine Unterstützung. Gleichzeitig forderte das Gremium ihn aber auch auf, rasch einen Plan für freie und faire Wahlen vorzulegen.

Die USA verstärken ebenfalls ihre Unterstützung der französischen Truppen in Mali. Tankflugzeuge werden französische Kampfflieger mit Treibstoff beliefern, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, George Little. Bislang hatte sich das US-Engagement weitgehend darauf beschränkt, Frankreich mit Geheimdienstinformationen zu versorgen.

Die Europäische Union schliesslich beginnt Mitte Februar mit der Entsendung von Militärausbildern nach Mali, wie ein Sprecher der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel sagte. Die EU hatte Mitte Januar beschlossen, 200 bis 250 Experten nach Bamako zu schicken. Doch will sich die EU nicht mit Kampftruppen am französisch-afrikanischen Militäreinsatz beteiligen. (sda)

  • Quelle: sda
  • Datum: 27.01.2013, 19:55 Uhr
  • Webcode: 2773027
 
 

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