Ex-Regierungschef nach Libyen ausgeliefert

Tunesien hat den letzten Regierungschef des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi an die neuen Machthaber in seiner Heimat ausgeliefert. Baghdadi Ali al-Mahmudi wurde in Tripolis umgehend inhaftiert.

Ex-Regierungschef Baghdadi Ali al-Mahmudi (Archiv).

Bild: Keystone

Tunis. – «Wir danken den tunesischen Behörden für ihre Zusammenarbeit», erklärte der Sprecher des Libyschen Übergangsrates NTC, Mohammed Harisi. Al-Mahmudi ist der erste frühere Minister des Regimes von Muammar al-Gaddafi, der an Tripolis ausgeliefert wurde. Sein Anwalt Mabruk Kurschid bezeichnete die Auslieferung als illegal.

Aktivisten in Tunesien behaupten, Libyen habe dem ärmeren Nachbarland für die Auslieferung Investitionen angeboten; die tunesische Regierung bestreitet das. Al-Mahmudi war von März 2006 bis zum Kollaps des Gaddafi-Regimes im August 2011 Ministerpräsident Libyens gewesen.

Im September war er auf der Flucht in Tunesien unter dem Vorwurf der illegalen Einreise festgenommen worden. Ein Gericht in Tunis gab im November grünes Licht für eine Auslieferung Al-Mahmudis.

Präsident Moncef Marzouki wollte eine Auslieferungsverfügung aber erst unterzeichnen, nachdem Libyen zugesichert hat, dass Al-Mahmudi nicht misshandelt werde. Marzouki habe seine Unterschrift bis zuletzt nicht gegeben, sagte Kurschid.

Ausserdem habe sein Mandant keine Gelegenheit erhalten, gegen die Entscheidung vor das höchste tunesische Gericht zu ziehen. «Das ist eine Rechtsverletzung», sagte Kurschid. Er als Anwalt habe von der Abschiebung erst nach ihrem Vollzug erfahren.

«Der Entscheid wird Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Präsidentschaft und Regierung haben», sagte ein Berater Marzoukis. Dies könne zu einer «schweren Krise» in Tunesien führen. Das Justizministerium vertritt die Ansicht, eine Auslieferung sei wegen einer Gesetzeslücke auch ohne Unterschrift des Präsidenten möglich.

Amnesty International hatte Tunis aufgefordert, Al-Mahmudi nicht an sein Heimatland auszuliefern, da er dort Folter zu befürchten habe. Al-Mahmudis Anwalt erklärte, sein Mandant fürchte in Libyen um sein Leben, da er seit dem Umsturz in Libyen und dem Tod Gaddafis der Einzige sei, der über Staatsgeheimnisse verfüge. (sda)

  • Quelle: sda
  • Datum: 24.06.2012, 19:35 Uhr
  • Webcode: 2386727
 

Gast
The content of this field is kept private and will not be shown publicly.

  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Allowed HTML tags: <p> <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Lines and paragraphs break automatically.
  • Each email address will be obfuscated in a human readable fashion or (if JavaScript is enabled) replaced with a spamproof clickable link.

More information about formatting options

Speichern Vorschau

Sie erklären sich damit einverstanden, unseren Service weder für illegale Zwecke, noch zur Übermittlung von gesetzeswidrigen, belästigenden, beleidigenden, die Privatsphäre anderer verletzenden, missbräuchlichen, bedrohlichen, schädlichen, vulgären, obszönen, verleumderischen, zu beanstandenden oder anderweitig verwerflichen Inhalten oder von Material, welches das geistige Eigentum oder andere Rechte einer Person verletzt oder verletzen könnte, zu benützen. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

suedostschweiz.ch entscheidet über die Veröffentlichung der Beiträge und führt darüber keine Korrespondenz.

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Was halten Sie von diesem Artikel? Schreiben Sie in einem Kommentar Ihre Meinung dazu!

neuen Kommentar schreiben...
 

Heute, 21:33 Uhr | 0 Kommentare

Als erster burmesischer Staatschef seit fast einem halben Jahrhundert ist Thein Sein in Washington empfangen worden. Sein traf am Montag zu Gesprächen mit US-Präsident Barack Obama im Weissen Haus ein.

mehr...

Heute, 21:07 Uhr | 0 Kommentare

Eine Serie von Anschlägen und Angriffen mit fast 90 Toten hat den Irak zu Wochenbeginn erschüttert. Bei Bombenanschlägen und Angriffen in mehreren Städten wurden am Montag mehr als 200 weitere Menschen verletzt, wie Polizisten und Rettungskräfte mitteilten.

mehr...

Heute, 19:03 Uhr | 0 Kommentare

Bei zwei Terroranschlägen innerhalb weniger Minuten sind im russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus mindestens vier Menschen getötet und etwa 45 verletzt worden. Zunächst eine Autobombe vor einem Justizgebäude in Machatschkala, der Hauptstadt der islamisch geprägten Teilrepublik Dagestan.

mehr...

Heute, 18:43 Uhr | 1 Kommentar

Zehn Jahre nach der Sars-Epidemie mit mehr als 800 Toten hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Risiken durch neue Viren gewarnt. Angesichts der Todesfälle durch das neue Coronavirus sei «ein hohes Mass an Wachsamkeit» erforderlich, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf.

mehr...

Heute, 17:00 Uhr | 0 Kommentare

Kurz vor dem Einsatz einer neuen UNO-Eingreiftruppe im Kongo sind im Osten des afrikanischen Krisenlandes erneut Kämpfe zwischen der Armee und den Rebellen entbrannt. Lokalen Radiostationen zufolge handelt es sich um die schwersten Gefechte seit dem vergangenen Jahr.

mehr...

Weitere Artikel

Community

Multimedia

Marktplätze

Top-Deals

Wertgutschein für eine Medizinische Massage, Manuelle Lymphdrainage, Therapeutische Behandlung oder Naturheilkundliche Therapie, Phytotherapie etc. (120 Minuten)
CHF 120.-
CHF 240.-
mehr
Das Hüpfvergnügen für Groß und Klein - Trampolin (426 cm Ø) mit Sicherheitsnetz inklusive Versand
CHF 459.-
CHF 929.-
mehr
Den ganzen Abend oder Nachmittag Billard spielen (max. 4 Personen) und dazu ein Getränk pro Person
CHF 33.-
CHF 82.-
mehr
Südostschweiz Newmedia AG - Die TYPO3 und Drupal Web-Agentur für Ihre professionelle Website