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Ersatzlösung für Erasmus+ gefunden

Schweizer Studierende können trotz Annahme der Zuwanderungs-Initiative im europäischen Ausland studieren. Der Bundesrat hat die vorübergehende Ersatzlösung für das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ verabschiedet.

Südostschweiz
16.04.14 - 18:33 Uhr

Bern. – Faktisch gilt damit das Regime wie vor 2011: Personen und Projekte werden nicht via EU, sondern direkt von der Schweiz unterstützt. Die Finanzierung wird mit jenen Mitteln sichergestellt, die für die Programmbeiträge an die EU vorgesehen waren. Für das Jahr 2014 sind das 22,7 Millionen Franken, wie der Bundesrat in einer Mitteilung schreibt.

Damit sollen auch jene Kosten gedeckt werden, die im Rahmen des Austauschprogramms für ausländische Studierende in der Schweiz anfallen. Diese Stipendien waren bisher aus dem EU-Fördertopf bezahlt worden. Weil dadurch zusätzliche Kosten auf die Schweiz zukommen, steht insgesamt weniger Geld zur Verfügung.

Immer weniger Gesuche

Zusätzlich verschärft wird die Situation dadurch, dass das Interesse an einem Erasmus-Austausch trotzt Annahme der SVP-Initiative ungebrochen ist: Gemäss aktuellen Zahlen der ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit haben sich rund 3000 Studierende für einen Austausch im nächsten Studienjahr angemeldet. 2005/2006 waren es noch gut 2000 gewesen, seither wuchs die Zahl der Gesuche mit jedem Jahr.

Mit der Übergangslösung setzt der Bundesrat jedoch einen klaren Schwerpunkt bei der Mobilität: Dafür sollen fast 90 Prozent der Mittel zur Verfügung stehen. Einschränkungen gibt es dagegen bei der Projektfinanzierung.

Der Bundesrat will sich daher auf «exzellente Projekte», beschränken, wie es in der Mitteilung heisst. Die Erasmus-Projekte waren in die Kritik geraten, als bekannt wurde, dass an diese kaum Mindestanforderungen gestellt wurden. Welche Projekte in Zukunft gefördert werden, ist noch nicht bekannt.

Assoziierung als Ziel

Die Übergangslösung hatte das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im Auftrag des Bundesrats erarbeitet. Dieser hofft, mit einer lückenlosen Weiterführung des Mobilitätsprogramms nicht zuletzt die vollständige Assoziierung an Erasmus+ zu erleichtern. Wie beim Förderprogramm Horizon 2020 bleibt dies das erklärte Ziel des Bundesrats.

Vorerst steht aber noch das Kroatien-Dossier im Weg. Die EU hatte die Verhandlungen über Erasmus+ sistiert, nachdem die Schweiz in der Folge der Abstimmung vom 9. Februar erklärt hatte, das Protokoll zur Erweiterung der Personenfreizügigkeit nicht unterzeichnen zu können. Eine Teilnahme als Drittland bleibt für die Schweiz aber möglich.

Lösung «in Griffnähe»

Über die Kroatien-Frage wird derzeit in Brüssel verhandelt. In den letzten Tagen zeichnete sich eine Lösung ab, die auf einer Anwendung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien ohne Unterzeichnung des Protokolls beruhen würde. Diese scheint nun in Griffnähe zu sein.

Elmar Brok, der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments zeigte sich bei einem Besuch in Bern zuversichtlich. Ein grundsätzliches Problem gebe es nicht. Offenbar pochte Grossbritannien darauf, das Dossier noch seinem zuständigen Minister zu unterbreiten.

Die nächste Sitzung der EU-Unterhändler findet am 29. April statt. Bereits am Dienstag hatten Diplomaten verlauten lassen, es sei vorgesehen, das Dossier dann zu verabschieden. Brok hat sich nun ebenfalls zuversichtlich gezeigt.

Forschung und Kultur betroffen

Betroffen sind auch weitere Bereiche der Zusammenarbeit mit der EU, darunter die Assoziierung ans EU-Förderprogramm Horizon 2020. Das SBFI erarbeitet auch dafür eine Übergangslösung. Es zeichnet sich jedoch ab, dass für die Forschung ebenfalls weniger Mittel zur Verfügung stehen, da in den letzten Jahren mehr Geld aus dem EU-Fördertopf an Forschende in der Schweiz geflossen ist, als die Schweiz eingezahlt hatte.

Bereits im März hat der Bundesrat einer Übergangslösung für die Filmförderung zugestimmt. Damit sollen die wegfallenden 5 Millionen Franken aus dem MEDIA-Abkommen kompensiert werden, um laufende Projekte fortführen zu können und den allfälligen Wiedereinstieg der Schweiz zu sichern. Ein Verhandlungsmandat hatte der Bundesrat schon letzten September verabschiedet.

Das Verhandlungsmandat über die Teilnahme am EU-Programm Kultur 2014-2020 genehmigte der Bundesrat. Über das Programm mit einem Budget von 453 Millionen Euro für die gesamte Periode werden die grenzüberschreitende Mobilität von Kulturschaffenden oder die Verbreitung künstlerischer Werke gefördert. Die Verhandlungen sollen aufgenommen werden, sobald die Dossiers von der EU deblockiert werden, wie der Bundesrat schreibt. (sda)

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