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Berlusconi überlegt sich Parteineugründung

Nach der schmerzhaften Niederlage bei den Bürgermeister-Stichwahlen stürzt die Mitte-Rechts-Partei des ehemaligen italienischen Premiers Silvio Berlusconi in die Krise. Parteikoordinator Sandro Bondi reichte seinen Rücktritt ein, Berlusconi lehnte diesen jedoch ab.

Silvio Berlusconis Partei ist in einer Krise (Archiv).
Silvio Berlusconis Partei ist in einer Krise (Archiv).

Rom. – Berlusconis Gruppierung «Volk der Freiheit» (PdL/Popolo della liberta) musste bei den Wahlen am Sonntag und Montag in vielen am Urnengang beteiligten Gemeinden schwere Stimmenverluste hinnehmen. Der 75-jährige Berlusconi überlege jetzt die Neugründung der Partei mit einem neuen Namen, hiess es in PdL-Kreisen.

Sein Ziel sei, einen zentrumsorientierten Block aufzubauen, der bei den Parlamentswahlen im kommenden Jahr gegen die Linke antrete, berichtete die römische Tageszeitung «La Repubblica». Noch unklar ist, ob Berlusconi als Premier kandidieren will.

Seine PdL habe einen hohen Preis für den Bruch der Allianz mit der rechtspopulistischen Lega Nord gezahlt, betonte Berlusconi. PdL und Lega hatten sich nach dem Sturz der Regierung Berlusconi im November getrennt.

Der Medienzar will sich für eine Reform des Wahlgesetzes einsetzen. Zugleich will er in Italien eine Verfassungsreform mit der Einführung eines Präsidentschaftssystems nach französischem Muster einsetzen.

Berlusconi muss mit Konkurrenz rechnen. Der Chef des Sportwagenherstellers Ferrari, Luca Cordero di Montezemolo, hat konkrete Projekte für seinen Einstieg in die Politik. Seine reformorientierte Bewegung «Italia Futura» könnte an den Parlamentswahlen 2013 teilnehmen.

Ziel sei, eine tiefgreifende Erneuerung im Land zu fördern. «Wir sind nicht an Allianzen zum Erhalt alter Systeme interessiert», schrieb Montezemolo in einem Brief an die Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera».

Montezemolo hat die Stiftung «Italia Futura» 2010 zusammen mit dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Gianfranco Fini, gegründet. Schon über Jahre hinweg wird über mögliche Ambitionen des Grossunternehmers spekuliert.

Konkret wurden die Gerüchte im vergangenen Jahr, als er «Italia Futura» ins Leben rief und sich damit erstmals gesellschaftspolitisch engagierte. Er kündigte an, die Stiftung in eine Partei umzuwandeln. Montezemolo wirkt als Wählermagnet und könnte mit seiner Initiative starkes Interesse im orientierungslosen Mitte-Rechts-Lager wecken. (sda)

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