USA ziehen Botschaftspersonal aus Vertretungen ab

Nach den gewalttätigen Protesten gegen einen anti-islamischen Schmähfilm wappnen sich die USA für weitere Unruhen in der arabischen Welt. Bis auf eine Notbesetzung wird in Tunesien und dem Sudan alles Personal aus den dortigen Botschaften abgezogen.

Die USA ziehen wegen der Proteste Botschaftspersonal aus einigen arabischen Ländern ab.

Bild: Keystone

Die Regierungschefin von Bangladesch, Sheikh Hasina (Archiv).

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Dhaka/Kabul. – Auch Deutschland zog am Sonntag einen Teil seiner Mitarbeiter aus ihren Vertretungen im Sudan ab, wo in der Hauptstadt Khartum nach den Freitagsgebeten ein Mob die Botschaften der USA und Deutschlands gestürmt hatte. Bei Protesten vor der US-Botschaft in Tunis wurden am Freitag vier Demonstranten getötet und 49 verletzt.

Spekuliert wird seitdem darüber, ob der Angriff ein Racheakt dafür war, dass die rechtspopulistische Splitterpartei Pro Deutschland in Berlin vor drei muslimischen Gotteshäusern Mohammed-Karikaturen in die Höhe gehalten hat. Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, dass radikale Prediger in Khartum das zumindest thematisiert hatten.

Auch die radikalislamischen Taliban beriefen sich nach einem Angriff auf ein Militärlager in Afghanistan auf den Schmähfilm. Die Attacke auf das Camp, in dem zurzeit der englische Prinz Harry seinen Dienst tut, sei ein Vergeltungsakt gewesen. Zwei Soldaten starben.

Die Proteste gegen das Video, in dem der Prophet Mohammed als Kinderschänder, Schürzenjäger und Homosexueller verunglimpft wird, dauern seit einer Woche an. Am Dienstag waren am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi der amerikanische Botschafter und drei Mitarbeiter getötet worden.

Die Regierung von Bangladesch machte sich für das Verbot eines in den USA privat hergestellten antiislamischen Schmähvideos stark. Kein Muslim könne eine Verunglimpfung des Propheten Mohammed tolerieren, sagte Ministerpräsidentin Sheikh Hasina am Sonntag in der Hauptstadt Dhaka.

«Ich werde die Regierung der Vereinigten Staaten dazu anhalten, den umstrittenen Film zu verbieten und eine Bestrafung der Produzenten zu garantieren», sagte die Regierungschefin.

Bereits am Samstag hatte sie das Video scharf verurteilt und erklärt, die Anstachelung zum Hass könne nicht mit dem Recht auf Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden. Etwa 90 Prozent der 160 Millionen Einwohner von Bangladesch sind Muslime.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul protestierten am Sonntag hunderte junge Menschen gegen den Film. «Tod für Amerika», skandierten die Demonstranten, bei denen es sich nach Polizeiangaben vorwiegend um Studenten handelte.

In der Nähe der Universität blockierten sie demnach eine Strasse. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit einem Grossaufgebot von Beamten im Einsatz. Die Polizei gab die Zahl der Protestierenden mit 1500 an und sprach von einer «friedlichen Kundgebung». (sda)

  • Quelle: sda
  • Datum: 16.09.2012, 18:15 Uhr
  • Webcode: 2670918
 

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