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Rapperswil - ein Teil von Olympia 2026?

Olympia im Jahr 2026 im Linthgebiet. Die Tourismusorganisation von Rapperswil ist begeistert. Der Stadtpräsident und die Parteien sind es auch – bis auf eine.

Wo das Olympische Feuer 2026 brennen wird ist noch unklar. Bild Keystone

Gäste aus aller Welt, internationale Presse und berühmte Sportler – 2026 könnte die knapp 30 000 Einwohner zählende Stadt  Rapperswil-Jona in den Ausnahmezustand versetzt werden. Gestern hat die Bündner Regierung das komplette Dossier für die angestrebte Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2026 vorgestellt. Als eine Alternative zum Austragungsort Zürich wird dort das «Cluster Obersee» ins Gespräch gebracht. In dessen Zentrum stehe Rapperswil-Jona, heisst es in dem Papier.

Die Initiative dazu kam aus Rapperwil-Jona selber. Der Stadtrat hatte am 1. Dezember 2016 an die Bündner geschrieben und mitgeteilt, dass er sich gut vorstellen könnte, mit der Eishalle Lido Teil der Kandidatur zu werden. Diese Idee findet auch die neue Stadtspitze gut, die seit Anfang Jahr im Amt ist. «Geplant ist aber noch gar nichts. Wir haben relativ unverbindlich unser Interesse bekundet», sagt Stadtpräsident Martin Stöckling. «Es wäre schön, wenn es klappt.» Es sei aber noch ein weiter Weg.

Welche Veranstaltungen genau in Rapperswil-Jona stattfinden könnten, ist noch offen. Im Bewerbungsdossier heisst es, dort könnten Siegeszeremonien in allen Sportarten abgehalten werden. Und weiter: «Eine attraktive ‘Medal Plaza’ kann im alten Stadtteil gestaltet werden.»

Das sei noch Zukunftsmusik, kommentiert Stöckling. Der Stadtrat habe allein Spiele in der stadteigenen Eishockeyarena angeboten. «Weil die Infrastruktur ohnehin vorhanden ist.» Stöckling geht nicht davon aus, dass das Eisstadion, welches 6100 Zuschauer fasst, ausgebaut werden müsste. Grössere Bauten oder Infrastruktur für die Athleten seien nicht angedacht. «Da keine grossen Investitionen geplant sind, besteht auch kein grosses Risiko», sagt Stöckling. Die Bürger müssten den Olympiaplänen daher wohl nicht zustimmen.

Stadtpräsident Stöckling geht davon aus, dass allenfalls Sicherheitskosten auf die Stadt zukämen. Deren Höhe hänge von der Zahl der Spiele ab. «Demgegenüber würden aber auch mögliche Gewinne stehen», unterstreicht er. Olympia sei eine attraktive Veranstaltung, die eine breite Öffentlichkeit anziehe.

Eine solche Grossveranstaltung würde erwartungsgemäss viel Verkehr in die Rosenstadt bringen, wie Rapperswil-Jona auch genannt wird. «Unser Verkehrsproblem müssen wir unabhängig davon ohnehin lösen», kommentiert Stöckling. Fraglich ist auch, wo potenzielle Gäste unterkommen könnten. «Im Moment ist die Hotelsituation angespannt, etwa wegen der Schliessung des ‘Schwanen’. Bis 2026 kann sich das aber ändern», sagt der Stadtpräsident.

Überrascht von den Olympiaplänen in Rapperswil-Jona sind die Parteipräsidenten: «Von dieser Idee hatte ich bisher keine Ahnung, ich bin ziemlich verblüfft», sagt etwa SVP-Ortsparteipräsident und Neo-Stadtrat Kurt Kälin. Gerade hinsichtlich der finanziellen Rahmenbedingungen stellten sich bei einer solchen Partnerschaft aber gewisse Fragen: «Dass solche Grossevents für den Austragungsort extrem teuer sind, ist ja bekannt. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb Zürich die Partnerschaft voraussichtlich nicht eingehen wird», findet Kälin.

«Stadt wäre prädestiniert dafür»

Der SVP-Präsident sagt weiter, die Stadt hätte durchaus das Potenzial, Teil eines solchen Grossevents zu sein: «Mit den Sportstätten und der malerischen Kulisse wäre Rapperswil-Jona dafür prädestiniert.» Auch der Tourismus würde sicherlich profitieren. Dennoch: Probleme wie Mehrverkehr und die Frage, ob der Altstadt diese Belastung zuzumuten wäre, seien erst kritisch zu beleuchten.

CVP-Ortsparteipräsident Thomas Hofstetter hält die Idee für «prüfenswert». Er sieht positive Faktoren, zum Beispiel, dass Investitionen getätigt würden. Doch auch er sagt: «Wir haben bereits jetzt ein Verkehrsproblem. Es ist fraglich, ob es Sinn macht, die öffentliche Infrastruktur mit solchen Anlässen noch mehr zu belasten.»

Allerdings seien die positiven Auswirkungen einer solchen Partnerschaft nicht zu unterschätzen – «auch wenn man sie nicht direkt messen kann». Oft sähen die Leute nur die unmittelbaren Kosten, nicht aber die längerfristigen Vorteile, welche ein solcher Grossanlass mit sich bringe.

Begeisterung, aber auch Skepsis

Wie in Graubünden ist auch am Obersee die Skepsis bei der SP am grössten. Rapperswil-Jona sei zwar durchaus eine «Sportstadt», daher würde der Event passen, meint SP-Co-Präsident Robert Hegi. Er sei aber nicht davon überzeugt, dass der positive Effekt für die Stadt tatsächlich nachhaltig wäre. «Ob die hohen Anfangskosten tatsächlich aufgewogen werden können, scheint fraglich», sagt Hegi.  

Ein «enormes Wertschöpfungspotenzial» sieht dagegen Rapperswil Zürichsee Tourismus in einem solchen Anlass: «Davon würden alle profitieren», ist Corinna Pagani, Marketing und Communication Manager, überzeugt.

 

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