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Sprung aus 5200 Höhenmeter in den Engadiner Himmel

Seit dem 11. und noch bis zum 25. März findet im Oberengadin ein Fallschirmevent der besonderen Art statt. Engadin Sky führt während dieser Zeitspanne täglich Tandem-Sprünge aus dem Flugzeug durch. Gebucht werden diese vor allem von Einheimischen.

Das gibt es nur zwei Wochen im Jahr - Tandemsprünge über dem Engadin. Bild ZVG

von Fadrina Hofmann

Gerhard strahlt über das ganze Gesicht. «Kurz vor dem freien Fall ist mir das Herz in die Hose gerutscht», sagt er lachend. Danach sei sein erster Fallschirmsprung einfach nur «Eins A» gewesen. Während der Deutsche im «Containerbüro» von Engadin Sky auf dem Engadin Airport von seinem Erlebnis in luftiger Höhe erzählt, spitzen drei Personen besonders die Ohren. Sie haben ihren freien Fall noch vor sich. 

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Was für ein Anblick! Bild ZVG

Der 19-Jährige Livio arbeitet bei Heli Bernina und hat den Fallschirmsprung geschenkt bekommen. «Ich wollte das schon lange mal machen», sagt er. Auch für die 42-jährige Lucrezia - Mutter und Coiffeursalon-Betreiberin - aus der Val Müstair ist der Fallschirmsprung aus 5200 Meter über Meer ein Geschenk gewesen. «Angst habe ich keine», sagt sie eine Stunde bevor es losgeht.

Nina hingegen ist schon fast ein alter Hase. In der Wüste von Arizona hat sie vor 40 Jahren den aussergewöhnlichen Sport betrieben. Doch erst in den Wintersportferien in den Alpen ist sie wieder auf den Geschmack gekommen. Sie fliegt an diesem Donnerstagabend bereits zum dritten Mal mit Engadin Sky. «Mein Ziel wäre, nicht mehr Tandem, sondern allein zu springen», sagt Nina und ergänzt schmunzelnd: «Tandem ist etwas für alte Leute». 

Alle Instruktoren sind Profis

Christian Schrepfer ist im Engadin Sky-Team für den administrativen Teil zuständig. Jeder Passagier muss seine Personalien angeben, ein Notfallblatt ausfüllen und die Allgemeinen Geschäftsbestimmungen durchlesen und unterzeichnen. «Es ist wichtig, dass dir  bewusst ist,  dass bei dieser Sportart auch etwas passieren könnte», sagt er zu Livio. Der junge Mann nickt.

Michel  Remund ist für die Technik zuständig. Er und die Instruktoren sind im Nebenraum damit beschäftigt, die soeben benutzten Fallschirme für den nächsten Flug zusammenzupacken. «Mit Ausnahme von Einem, sind all unsere  Tandem-Instruktoren auch Fallschirmaufklärer beim Militär», erklärt Schrepfer. Und noch eine Voraussetzungen müssen die Instruktoren bei Engadin Sky erfüllen: Sie müssen mindestens 1000 Sprünge vorweisen können.

Im Team von Engadin Sky sind alle Instruktoren in ihrer Freizeit engagiert. «Das sind für uns Ferien», erklärt Schrepfer. Während den zwei Wochen im März, in denen sie im Engadin sind, mieten die Männer jeweils eine Wohnung. Morgens geht es auf die Skipiste, am Nachmittag in die Luft. Das Flugzeug - eine PAC 750 XL - und das  Material mieten sie vom Paraclub Beromünster. 

Der höchste Sprungplatz Europas

Während die drei Passagiere und ihre  Instruktoren sich Fallschirmgurte und Helme anziehen, erklärt Schrepfer, was das Besondere am Fallschirmspringen im Oberengadin ist. «Es ist der höchste Sprungplatz Europas», sagt er. Engadin Airport ist mit 1707 Metern über Meer der höchste Flughafen. Das Flugzeug steigt danach noch bis auf 5200 Meter über Meer. «Die Sicht ist hier so gut und das Panorama ist unvergleichlich», schwärmt  Schrepfer, der seit 1999 selber Fallschirmspringer ist und auch als Pilot für Engadin Sky fliegt. 

Es ist das fünfte Mal, dass dieser Fallschirmevent in Samedan durchgeführt wird. Jedes Mal ist das Team von Engadin Sky nur während zwei Wochen vor Ort. Auf die Frage, welche  Leute eigentlich die Sprünge buchen, antwortet Schrepfer: «80 bis 90 Prozent sind Einheimische». Just in diesem Moment wird er vom Klingeln des Mobiltelefons unterbrochen. Ein 78-Jähriger Mann aus dem Tal möchte am nächsten Tag Fallschirmspringen - das fehle noch auf seiner Liste. 

Mit 200 km/h unterwegs

Mittlerweile sind auch Livio, Lucrezia und Nina bereit. Sie haben wertvolle Tipps erhalten: vor dem Sprung einmal tief durchschnaufen, beim Sprung in eine «Bananen-Position» verharren, danach geniessen. «Versucht nicht, gegen die Luft anzukämpfen. Die Luft ist unser Freund, nicht unser Feind», schärft Instruktor Fäbu den Anfängern ein. Dann ist es soweit.

Nacheinander klettern die Passagiere mit ihren Instruktoren in das Flugzeug. Schrepfer startet die Maschine und im Nu ist diese in der Luft. Der Himmel ist wolkenlos, die Temperatur fällt vom Boden bis zum Abspringpunkt von 12 Grad auf -9 Grad. Plötzlich geht alles schnell. Die Luke wird geöffnet und lautlos gleitet ein Tandem-Pärchen nach dem anderen aus dem Flugzeug. Der Freifall dauert 45 Sekunden, die Fallschirmspringer sind mit 200 Kilometern pro Stunde unterwegs. Auf 3200 Meter - etwa der Höhe des Piz Nair - geht der Schirm auf. Danach kommt ein etwa fünfminütiges gleiten bis zum Boden. Nach 17 Minuten inklusive Flug ist der ganze Zauber vorbei. Zurück bleiben strahlende Gesichter. «Ich würde das sofort wieder tun», meint Lucrezia. Und dann wird sie von Ehemann und Söhnchen in die Arme genommen. 

Und so sieht ein Fallschirmsprung über dem Engadin aus. Quelle: Facebook Engadin Sky

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