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Miini Sunntigschuä

Das Zusammenleben der Sprachen und Kulturen in Graubünden: Das ist das Thema der Kolumne «Convivenza», die wöchentlich in der «Südostschweiz» und der romanischen Tageszeitung «La Quotidiana» publiziert wird. Heute erzählt Anita Engi auf Walserdeutsch, was ein «Schuechter» in ihrer Kindheit so alles machte.

Anita Engi blickt zurück auf ihre Kindheit.

D Mammä hed nid gueti Luunä hüt. Irä schwarzä Augä funklend, wa sch mer mini Sunntigschuä härä würft. «Etz hescht diä au schon chrumm trättä, äs hed kein Gattig mit dier. Wärum tuescht au albig äso schläärggä und de no mit dä Sunntigschuä? Lärn doch entli ämal aaschtendig laufä, wiä s schi für ä Meitjä ghört. Du geischt sofort uuf zu Schuechter Gabriel, är söll dr Iiseli druf tuen!», schnerzt sch mi an. «Iiseli uf mini Sunntigschuä, das will i nid!», hani täubelendi wellä zur Mammä sägä, aber irä Augä händ kein Widerred duldet.

Uuf zun Gabriel ischt mer gwüss no än Trooscht i mim Iiselielend. Zun imm gaan i gärä. Är ischt für mi äs Wäsä, vollä Gheimnis us dä Gschichtä, wa mer di Bäsi Fridä ärzellt. Dür ä schtockduuchlä Gang muescht der Wäg zur Wärchschtatt findä, muescht eifach nu dem Gschmack naa. Wiä s in Gabrielsch Wärchschtatt schmeggt, äso schmeggt s niänä sus. Ii chlopfä, dinnä äswas än Ruef: «Inner!» Der Tür muescht albig ä Schparz gän, dass sch offä geid. Dert äm Fänschter hocket s, ds Wäsä us miir Meerliwäld, und brummled äswas wiä: «Nu, nu, nid äso ruuch! Was witt?» – «Iiseli uf d Schuä, uf miini Sunntigschuä, hed d Mammä gseid!»

Us ämä Gsicht vollä Rümpf wiä ämä Gretzähuufä – säb seid der Päppä albig, wenn är väm Gsicht vä schiim Vetter Jaaggi redt – luegend mi zwei fründlechi Augä an. Är zücht d Nasä uuf, preziis äso wiä d Mammä meint, i müessti gwüss äs Schnuuztuech nän. «Gib här», seid är, und schiinä Schnuuz gwagglet. Är nümmt miini Sunntigschuä, schtülpt schi über äso än käriosä Holzprügel, griift in än Holztrückä und zücht Iiseli füri, derä wa uusgsiend wiä der Mond, wa d äppä ämal am Himmel gsiescht, leid schi uf dä Wärchbank vor schi härä. Us ärä anderä Trückä nümmt är Negel. Nei gwüss au! Diä nümmt är alli in ds Muul, äso dass sch nu no äs bits usser luegend. «Gib mer der Hammer, dert am Bodä liid är!», tönt s us dem eintä Muulwiichel usser, wa kein Nagel z hebä hed. Ein Nagel na äm anderä nümmt är füri, passet einä na äm anderä hübscheli in ds Loch väm Iiseli und – pengg – schlaad är mit dem Hammer druuf. Mis Härz tued ä Juck, und noch ämal einä, bi jedem Schlag uf dä Nagel, wa i mini Sunntigschuä faart.

«Da hescht diini Schuä, zallä muescht nüüd.» Schuechter Gabriel schteid uuf, chlopfed uf dä Tschooppä und d Hosä, faart mit schinä brandschwarzä Fingerä dür ds Haar. Äs git än usinnegi Schtaubwolkä, är zücht d Nasä uuf, und i muess ärniessä. Är seid: «Gang du etz hein, i muess gä lüütä.» Gabriel ischt nid nu der Schuechter, är lüüted au albig d Chilchägloggä. Äm ölfi z Mittaag, z Fiirabäd, wemmer alli underi müessend, am Sunntig z Chilcha, wenn äs Hochziit ischt oder ä Värgrebnischt, oder was weiss i sus no. I gaan hinder mä uus zur Tür vä schir Wärchschtatt. Diä bschlüüsst är, zweimal. Uus gaa mer dür dä duuchel Gang, ii mid miinä frisch giiseletä Sunntigschuä, under jedem Arm einä. Är seid no zuä mer: «Gang du etz, dass denn däheimet bischt, wenn s ölfi lüütet.»

Anita Engi ist in Tschiertschen geboren und aufgewachsen. Beruflich war sie kaufmännisch tätig, später betreute sie während sechs Jahren die Zapporthütte am Ursprung des Hinterrheins. Seit vielen Jahren schreibt sie in ihrer angestammten Tschiertscher Mundart. Sie lebt heute in Fürstenau.

 

Wörterliste

Sunntigschuä – Sonntagsschuhe

schläärggä – schlurfen, die Beine nachziehen

Meitjä – Mädchen

Schuechter – Schuhmacher

Iiseli –    sichelförmige Eisen zum Schutz der Schuhsohlen

schnerze – unfreundlich anfahren

täubelä –  zornig sein

Bäsi – Tante

Meerliwäld – Märchenwelt

ruuch –  grob

Gretzähuufä – Reisighaufen

Schnuuztuech  – Taschentuch

Trückä –   Kiste

Juck – Satz, Sprung

Tschooppä – Männerjacke

Värgrebnischt – Beerdigung

frisch giiselet – frisch beschlagen

Unterstützt von der Walservereinigung Graubünden

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