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«Wir greifen nach den Sternen»

Auch er selbst bezeichnet die Infrastruktur-Investitionen, die Remo Stoffel mit seiner 7132 AG in Vals plant, als «gigantisch». Aber es gebe gute Gründe dafür, so aufzurüsten, sagt Stoffels Verwaltungsratsdelegierter Pius Truffer.

Für Pius Truffer von der 7132 AG ist klar: Die gewählte Strategie ist für Vals der richtige Weg

Von Jano Felice Pajarola

Herr Truffer, Bescheidenheit scheint nicht eine Stärke der 7132 AG zu sein. Oder kann man ihre Pläne – ein Luxushotel im Höchstsegment, eine Parkanlage mit einem der renommiertesten Architekten weltweit – anders interpretieren?

Ich weiss, wir greifen nach den Sternen. Wir möchten eines der fünf besten Hotels auf der Welt bauen. Und mehr noch: Von diesem Hotel aus werden die Gäste die Schweiz besuchen. Dazu braucht es Zeit und Musse, Gäste, die auch zwei Wochen bleiben. Also keinen kurzfristigen Weekend-Rummeltourismus. Wir suchen uns auch kein Zielpublikum. Wir wissen, dass es viele Menschen gibt, die ein solches Angebot suchen. Noch stecken wir aber mitten im Architekturwettbewerb für das Hotel. Die Jury wird am 25. November entscheiden.

Weshalb will die 7132 AG denn ausgerechnet auf Luxustourismus setzen?

Weit mehr als die Hälfte der Restaurants in Graubünden sind in den roten Zahlen. Hotels wissen nicht, wie sie die Löhne bezahlen sollen. Bergbahnen hoffen auf Schnee – weitere Hoffnungen haben sie kaum noch. So weit sind wir mit unserem Tourismus in den Alpen gekommen, mit unseren auf Massen ausgelegten Konzepten. Wir Bergler haben uns selbst zu Markte getragen.

Auch in Vals?

Bei uns steht es keinen Deut besser. Wir zehren immer noch vom Image der Felsentherme, aber sonst ist kein Land in Sicht. Der Zauber des Besonderen ist verflogen, die Journalisten sind abgezogen, und mit ihnen auch viele Gäste. Zurück bleibt die Werktruppe der Gemeinde, die für ein paar Ausflügler die Wanderwege rot-weiss-rot markiert. Abgesehen von der Therme, der Valser Akropolis, sind wir heute ein Ort, wie es auch viele andere gibt im Kanton der 150 Täler. Es ist an der Zeit, sich wieder Gedanken zu machen über die touristische Zukunft.

Und diese Zukunft sehen Sie im Luxussegment, mit Nächtigungspreisen ab 1000 Franken?

1000 Einwohner, 1000 Schafe, 1000 Gäste. Sie kennen die Formel für die Valser Tourismuspolitik. Es ist eine Frage der Balance. Die Einwohner und die Schafe möchten wir bewahren – und die Gästebetten beschränken. Von diesem Leitbild aus haben wir die Vision 7132 entwickelt. Wir Bergler verkaufen die touristischen Ressourcen zu billig. Wir treiben uns gegenseitig in die roten Zahlen. Ferien in den Bergen müssen teurer werden. Und um höhere Preise verlangen zu können, müssen wir investieren. Basierend auf den tradierten Werten der Region und nicht auf den Wahrscheinlichkeitsberechnungen des Profits.

Vals macht sich allerdings ziemlich abhängig vom Goodwill eines einzigen Investors namens Remo Stoffel. Ein hässliches Wort, aber: Man sagt dem auch Klumpenrisiko.

Remo ist für mich ein Visionär und nicht ein Klumpenrisiko. Investitionen in dieser Grössenordnung müssen von der Privatwirtschaft getragen und abgewickelt werden – und das sind meistens einzelne Personen, Persönlichkeiten. Wir können nicht einfach Hilfe rufen und auf Beiträge des Kantons warten, wir müssen auch auf privater Basis bereit sein zu investieren. Die öffentliche Hand würde solche Risiken nicht eingehen.

Die 7132 AG hat sich bei den Investitionen für Luxushotel und Park eine Obergrenze von 200 Millionen Franken gesetzt. 30 bis 40 Millionen Franken davon sind für Tadao Andos Park im «Boda» vorgesehen. Wieso musste es gerade der Japaner Ando sein?

Wir haben ihn beauftragt, einen Ort der Begegnung und der Kontemplation zu schaffen. Anstelle der üblichen Marketing-Inputs – schönes Café, Shoppingmöglichkeiten, ein Auditorium – suchten wir eine poetische Interpretation dessen, was Vals und seine Einwohner ausmacht. Wir haben Ando angesprochen, weil er für diese Aufgabe der Beste ist.

Ando entwirft ein Parkprojekt, das eine 40 000 Quadratmeter grosse ebene Landwirtschaftsfläche belegt. Mit Säulen, Mauern, Gebäuden auf einem 350 Meter langen Areal. Wie kann seine urban anmutende «Piazza» zum Bergdorf Vals passen?

Natürlich, Natur haben wir hier ringsum, und imitierte Natur ist immer kleiner, bleibt eben Imitation. Die Frage des Passens stellt sich bei jedem Kunstwerk. Auch bei der Therme war das eine lange Diskussion. Aber ist es nicht gerade der Sinn der Kunst, zum Denken anzuregen? Mit Andos Park wird es sich wieder lohnen, nach Vals zu kommen, denn die Valser werden etwas ganz Spezielles gebaut haben. Diesmal nicht eine Therme, sondern einen öffentlichen Park, der eine Geschichte vom Tal und von seinen Einwohnern erzählt.

Das Land im «Boda» gehört allerdings nicht der 7132 AG allein. Schon jetzt sagen andere Landbesitzer, sie würden nie und nimmer verkaufen.

95 Prozent der Fläche im «Boda» haben wir schon erworben. Selbstverständlich braucht es noch weitere Gespräche. Wir setzen da auf den Dialog – und auf die Auseinandersetzung mit dem Parkprojekt. Das ist ein üblicher Prozess bei der Realisierung solcher Vorhaben. Und für Zweitwohnungen werden wir allen Behauptungen zum Trotz keinen Quadratzentimeter verkaufen. Solche Finanzierungsmodelle überlassen wir anderen Orten.

Und die Mehrzweckhalle, die Sie und Remo Stoffel den Valsern versprochen haben?

Der Ball liegt bei der Gemeinde. Wir sind bereit, auch wenn der Standort nicht im «Boda» sein wird. Unsere sechs Millionen Franken für das Projekt sind reserviert. Die Halle hat für uns absolute Priorität. Etwas versprechen und dann nicht halten – das machen wir nicht.

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