Rund 1000 Sängerinnen und Sänger werden in Thusis erwartet
Thusis. – Am Bezirksgesangsfest der Gesangsbezirke Hinterrhein-Moesa und Alvra erwarten die Teilnehmenden und Zuhörenden in Thusis viele Neuerungen. Vierzehn Chöre aus dem Sängerbezirk Alvra, elf Chöre aus dem Sängerbezirk Hinterrhein-Moesa sowie vier Gastchöre aus dem romanischen und dem italienischen Sprachgebiet sind zu hören. Und dazu ganz neu werden vier Kinder- respektive Jugendchöre auftreten. Zusammen sind das rund 1000 Sängerinnen und Sänger. Das Motto des diesjährigen Bezirksgesangsfestes, es ist das elfte in Thusis seit der Gründung des hinterrheintalischen Sängerverbandes im Jahre 1846, heisst denn auch «Thusis singt».
Vor 33 Jahren das letzte Mal in Thusis
Seit dem ersten Sängerfest in den Hinterrheintälern sind 163 Jahre vergangen. In dieser langen Zeit war das Dorf Thusis neun Mal Austragungsort eines Bezirkgesangsfestes. Nun hat sich der Männerchor Thusis ein weiteres Mal entschlossen ein Bezirksgesangsfest zu organisieren. Dabei stand von allem Anfang an fest, bei der Organisation einen etwas anderen Weg einzuschlagen. Beim Studium des sauber gestalteten Festführers fallen vor allem drei Neuerungen auf. Erstens: Das 10. Bezirksgesangsfest in Thusis findet nicht wie bisher an einem Sonntag, sondern am Samstag mit Beginn am Tag zuvor statt. Die Überlegung war, dass die allermeisten Sängerinnen und Sänger, aber auch ein grosser Teil der Festbesucher seit Jahren den freien Samstag kennen. Was lag also näher, als am Samstag das Fest durchzuführen, wobei der Samstagabend für ein geselliges, kameradschaftliches Zusammensein sich direkt anbietet. Niemand muss nach Abschluss des offiziellen Teils sofort den Festort verlassen. Damit auch im Festzelt beim inoffiziellen Teil gesungen werden kann, ist ein entsprechendes Liederbüchlein mit den bekanntesten Chorliedern geschaffen worden.
Pflege des Nachwuchses
Zweitens beginnt das heurige Bezirksgesangsfest bereits am Nachmittag des Vortages und zwar mit Liedervorträgen von Schülerinnen und Schülern. Die Resonanz auf diese Idee war erfreulich gross, sodass sich nicht weniger als sieben Schulen zur Teilnahme anmeldeten. Die beiden Thusner Lehrer Hansueli Berger und Claudio Giger haben das Schülertreffen organisiert und werden auch die Vorträge des Schüler-Gesamtchors leiten. Aber auch am eigentlichen Gesangsfest am Samstag werden vier Kinderchöre zu hören sein.Diese Kinderchöre werden wie die übrigen Chöre in den beiden Kirchen und auf den öffentlichen Plätzen zu hören sein. Und drittens werden die Auftritte der einzelnen Chöre von Radio Rumantsch aufgezeichnet und an drei verschiedenen Sonntagen (14. Juni./21.Juni./6.September) jeweils von 14 bis 15 Uhr ausgestrahlt. Und als Überraschung erhält jeder Chor von seinem Vortrag einen Tonträger.
Das ganze Dorf eine «Festhütte»
In den vergangenen Jahren fanden die Gesangsfeste meist am Rand eines Dorfes oder in den jeweiligen Schulanlagen statt. Diesmal wird das Fest in die Mitte des Dorf verlegt. Die beiden Kirchen am nördlichen (Guthirt Kirche) und am südlichen (Marienkirche) Dorfende dienen als Schweigezonen, wobei in ersterer die beiden Expertenteams die Liedervorträge vier Beurteilungskriterien unterziehen. In der Marienkirche finden konzertante Liedervorträge aller Chöre statt. Aber auch auf den Vorplätzen bei den Grossverteilern an beiden Enden der Neudorfstrasse treten die Chöre auf. Und schliesslich steht das Festzelt, im dem für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt ist, mitten im Dorf auf der Neudorfstrasse. Hier kann auch bei jeder Gelegenheit gesungen werden. «Thusis singt» ist nicht nur eine leere Worthülse.
Viel einheimisches Liedgut
Alles was an früheren Bezirksgesangsfesten gang und gäbe war und sich bewährte, haben die Organisatoren natürlich nicht über Bord geworfen. Bewährtes wurde beibehalten und einiges dem Wandel der Zeit angepasst. Beibehalten wurden die sogenannten „Allgemeinen Lieder“. Damit sind Liedervorträge aller Chöre zusammen angesagt. Diese Vorträge mit hunderten von Mitwirkenden sind jeweils Höhepunkte des Gesangsfestes. Und dieses Jahr stehen mit einer Ausnahme ausschliesslich Lieder von einheimischen Komponisten auf dem Programm der «Allgemeinen Chöre», nämlich vom kürzlich verstorbenen Hans Lanicca und von Benedetg Dolf. Aber auch die einzelnen Chöre pflegen das Liedgut bündnerischer Komponisten. So finden wir unter den vielen Liedern solche von Gion Duno Simeon, Alvin Muoth, Carli Scherrer, Gion Giusep Derungs, Curò Mani und Robert Cantieni.
Keine Gold- und Silberkränze
Erstmals beurteilen vier Experten die Liedvorträge. Das hat seinen besonderen Grund darin, dass die Sängerinnen und Sänger die Beurteilung der Experten bereits eine halbe Stunde nach ihrem Vortrag hören werden. Das lange Warten auf die Beurteilung gehört somit der Vergangenheit an. Aber ein kleiner Wermutstropfen hat diese Neuerung doch. Ein gut gelungener und ebenso beurteilter Liedvortrag wird nicht mehr mit Prädikaten und Gold- und Silberkränzen benotet. Eine „bekränzte“ Rückkehr vom Fest ins heimatliche Dorf gibt es nicht mehr. Dafür gibt die Beurteilung dem Chor und dem Chorleiter für die zukünftige Arbeit wichtige Hinweise und Empfehlungen. (so)









