Geehrt wider Willen: Heinrich Heine in der Ruhmeshalle
Donaustauf. – Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) enthüllte die Marmorbüste Heines in der Walhalla in Donaustauf bei Regensburg am Mittwoch. Zu Lebzeiten hatte der Schriftsteller für die Verehrungskultur des bayerischen Königs Ludwig I. in der 1842 eröffneten Ruhmeshalle nur Hohn parat.
«Marmorne Schädelstätte», nannte er das tempelartige Bauwerk. Der Heine-Freundeskreis aus Düsseldorf, der Geburtsstadt des Schriftstellers, hatte sich dennoch ein Jahrzehnt lang für das Denkmal eingesetzt. Zu der Aufstellung waren 100 Heine-Anhänger aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt angereist.
Der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Dieter Borchmeyer, hat sich ebenfalls lange für die Heine-Büste stark gemacht. «Heine braucht nicht die Walhalla, aber die Walhalla braucht ihn», sagte der Heidelberger Germanistik-Professor.
Schon allein die Vorgaben von Ludwig I., der den Ruhmestempel für «bedeutende Persönlichkeiten teutscher Zunge» bauen liess, sind für Borchmeyer Beleg für die Notwendigkeit des Denkmals: «Wer aber hätte diese «teutsche Zunge» virtuoser beherrscht als Heine?»
Der Akademie-Präsident denkt, dass der Geehrte sein eigenes Denkmal angesichts seines damaligen Walhalla-Spotts «für einen Treppenwitz der Geschichte» halten würde. Das sieht der Vorsitzende des Heine-Freundeskreises, Karl-Heinz Theisen, ähnlich: «Er hätte eine diebische Freude gehabt.»
Mit Heine (1797-1856) wird die Riege der bedeutendsten Dichter in der Walhalla tatsächlich um eine wichtige Marmorbüste ergänzt. Heine wurde von vielen Literaturfreunden schmerzlich vermisst. (sda)









