Die Gotthardregion – und damit Tujetsch und Disentis – prädestiniert für Unesco-Label
Bern. – Der Gotthardraum ist mehr als das Symbol einer überlasteten Nord-Süd-Transitachse. Er ist kulturell und ökologisch vielfältig und einzigartig genug, um eine gemeinsame nachhaltige Raumentwicklung anzustreben. Im Gotthardraum (derzeit ein weisser Fleck in der Karte der Naturparkkandidaten) finden sich derzeit zahlreiche Projektinitiativen, die allerdings aufgrund der territorialen Aufteilung auf vier Kantone nur wenig koordiniert sind, wie die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz heute in einer Mitteilung schreibt. So seien dort neben Resorts auch zahlreiche Wind- und Wasserkraftprojekte geplant, internationale Stromleitungen sollen ausgebaut werden und Erweiterungen touristischer Erschliessungen werden beabsichtigt. Daneben sind zahlreiche Landschafts- und Kulturprojekte im Gange. Zur Förderung der Zusammenarbeit und einer gemeinsamen Raumidentität wäre nach Ansicht der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz das Instrument der Unesco-Biosphäre geeignet. Im Gegensatz zu den Unesco-Welterbegebieten besteht für eine Biosphären-Kandidatur aus der Schweiz durchaus noch eine Chance (bislang Entlebuch und als Kandidat Val Müstair). Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz lancierte im Juni des vergangenen Jahres deshalb eine Grundsatzdiskussion über die Zukunft des Gotthardraums und Reflexionen über mögliche natur- und landschaftsverträgliche Entwicklungen. Sie möchte gemeinsam mit den regionalen und lokalen Partnern die Voraussetzungen zur Gründung eines Biosphärenreservats Gotthard abklären und erarbeitete ein erstes Konzept.
Biosphäre das richtige Prädikat für die Region Gotthard
Nun kann die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz eine erste Machbarkeitsbeurteilung und eine erste Sichtung von Wertschöpfungspotenzialen im Rahmen einer Bachelorarbeit von Marc Schlüssel an der Hochschule Luzern, Bereich Wirtschaft präsentieren. Der Autor kommt zum Schluss, dass die Biosphäre das richtige Prädikat für die Region Gotthard sei und die vorhandenen Wertschöpfungspotenziale gezielt fördern kann. Es darf aber kein Prestigeobjekt ohne Inhalt werden. Gemäss dem in dieser Bachelorarbeit festgelegten Perimeter schliesst die Biosphäre San Gottardo zehn Gemeinden ein: Wassen, Göschenen, Andermatt, Hospental, Realp, Obergoms, Tujetsch, Disentis/Muster, Airolo und Bedretto. Die Gesamtfläche beträgt 926 Quadratkilometer und
zählt rund 9000 Einwohner. Die Abgrenzung erfolgt mehrheitlich unter Berücksichtigung von bestehenden Objekten im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung, dem Unesco-Weltnaturerbe sowie National- und Naturparkprojekten und natürlichen Grenzen. Die Kerngebiete der Biosphäre enthalten grosse zusammenhängende Naturlandschaften. Selbstverständlich ist die Machbarkeit und namentlich die Akzeptanz und das gemeinsame Interesse in den vier Kantonen und der betroffenen Bevölkerung vertieft abzuklären. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz erhofft sich darum, dass die vier Kantone, die im «Progetto San Gottardo» vertreten sind, diesen Ball aufnehmen, wie es in der Mitteilung heisst. (so)









