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Wenn Schneewittchen online geht

Märchen gibt es auch im Internet. Einen besonderen Service bietet das von Beatrice Amberg betriebene Märchenblog. Dort kann man sich Märchen vorlesen lassen und downloaden.

Mit Beatrice Amberg sprach Sermîn Faki

Frau Amberg, was faszinert Sie am Thema Märchen?

Beatrice Amberg: Einen Teil der Faszination macht sicherlich der Gedanke aus, dass «das Gute gewinnt». In den meisten Märchen ist das Ende ja vorhersehbar – was beruhigt, weil es im Leben meistens nicht so ist. Ich glaube, dass Märchenliebhaber das Kind in sich bewahrt haben. Märchen bieten Raum für Wünsche, Träume und Hoffnungen, aber sie sind berechenbar und geben Sicherheit.

Wie lange gibt es das Märchenblog schon?

Amberg: Das Märchenblog hat am 18. Oktober 2006 seine Pforten geöffnet. Das erste Märchen darin war «Allerleirauh» der Brüder Grimm – allerdings zum Lesen und nicht als Podcast. Heute stehen eher die Märchen zum Hören im Vordergrund. Es sind inzwischen knapp 300. Im Monat habe ich bis zu 20 000 Besucher.

Was war Ihre Motivation, so viel Zeit und Arbeit für ein komplett kosten- loses Angebot zu investieren?

Amberg: Die Motivation ist die Freude am Vorlesen und der Gedanke des Netzwerkens. Ich freue mich immer auf Geschichten und Märchen von Autoren, aber auch über Vorlesende, die mir ihre MP3 schicken und so im Märchenblog mitarbeiten. Dass alles kostenlos ist, hängt damit zusammen, dass uns die Märchenerzähler und Autoren ihre Märchen ebenfalls kostenlos zur Verfügung stellen.

Wie viel Zeit investieren sie eigentlich pro Woche?

Amberg: Ehrlich, ich weiss es nicht. Meist ist es ein Märchenblog-Marathon-Tag. Ich suche Märchen aus, nehme sie auf, arbeite sie ins Blog ein. Dafür brauche aber ein «Heute ist mein Märchentag»-Gefühl. Nebenbei bin ich trotzdem täglich mit kleinen Arbeiten auf dem Märchenblog beschäftigt.

So etwas Altes wie Märchen und etwas Schnelles, Kurzlebiges wie das Internet – wie geht das zusammen?

Amberg: Das geht sehr gut zusammen. So wie im Bücherregal alte Bücher gut neben neuen Büchern stehen können. Es ist sehr interessant, die modernen technischen Möglichkeiten zu nutzen, um Altes weitergeben und Rituale in neuer moderner Form pflegen zu können.

Was für eine Sorte Mensch sind Märchenliebhaber?

Amberg: Schliesse ich mich mit ein, so dürfte man Märchenliebhabern zuschreiben, dass sie sich ein Eckchen hinübergerettete Kindheit bewahrt haben, die immer wieder hervorgeholt wird. Menschen mit Fantasie und Kreativität. Andererseits glaube ich, dass sich viele Menschen eines Märchens nicht erwehren können – es ist einfach schön, im Bett zu liegen und ein Märchen vorgelesen zu bekommen.

www.maerchenblog.de

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Die Südostschweiz
vom 31.7.2010

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