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Vals – Aus für viele Existenzen?

Loretz Markus, Buttwil

Gemäss Aussagen der Sportbahnen Vals AG wird ein wichtiger Zweig des Wintertourismus zu einem Problemfall in Vals. Wie steht es um den „Patienten“?

Schneesicherheit ist eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg des Skitourismus. Schneemangel infolge Trockenheit oder hoher Temperaturen stellen die Wintertourismusdestinationen und vor allem die Bergbahnunternehmen vor grosse Herausforderungen. Nicht zu vergessen ist auch der starke Franken, der ebenfalls dazu beiträgt, dass die Wintertouristen aus dem EU-Raum ihre Präferenz bei der Wahl ihrer Feriendestination nicht auf die Schweiz setzen. Obwohl sich die Rahmenbedingungen für den Schweizer Tourismus seit den 80er Jahren verschlechtert haben, hat sich der Tourismus in Vals, wenn auch mit Schwankungen, halten können. Die Valser konnten sich mit Tourismus, Gastronomie, Bauwesen, Handwerk, Gewerbe, den Valser Quellen und der Landwirtschaft ihre Existenzen zu einem grossen Teil im Dorfe sichern.

Bis zur Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative hat der Bau von Ferienimmobilien das Tourismusgeschäft in Vals positiv beeinflusst. Dies zeigt, dass Familien oder auch Sport- und Naturliebhaber sehr gerne ihre Ferien in Vals verbracht haben.

Natürliche Ressourcen, wie Wasser und Stein haben in der Vergangenheit Erträge in Form von Zinsen und Steuern an die Gemeinde Vals abgeworfen. Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation in Europa hat die Stromnachfrage aber abgenommen. Gleichzeitig setzen immer mehr Private auf eigene Stromgewinnung mit Solarpanel auf ihren Hausdächern. Die Produktionskosten der Schweizer Wasser- und Kernkraftwerke können da nicht mithalten. Wenn an der internationalen Strombörse die Preise in den Keller fallen, kann dies in Vals Folgen haben. Es wird bereits davon gesprochen, dass die Wasserzinsen aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Stromindustrie auch im Kanton Graubünden gestrichen werden müssen.

Nicht nur die Tourismuswirtschaft in Vals ist gefordert, sondern die Gemeinde als gesamtes muss bestrebt sein, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass eine Existenz für möglichst viele Bewohner des Dorfes nachhaltig aufgebaut und erhalten werden kann. Die Entwicklung in Vals in konkrete und schnell umsetzbare tourismusfördernde Massnahmen hat in den vergangenen 3-4 Jahren ein etwas düsteres, umstrittenes und von aussen betrachtet ein nicht sehr transparentes Bild hinterlassen.

Innovation und Vision sind grundlegend wichtige Voraussetzungen um Neues und Unkonventionelles zu schaffen. In diesem Sinne haben sich vielleicht viele Valser bei der Abstimmung 2012 motivieren lassen dem Protagonisten und Investor der 7132 Hotel und Therme und dessen Verbündetem den Vorzug für den Kauf der Therme zu geben. Die Befürworter müssen sich die Worte des Investors verinnerlicht haben „Wir müssen etwas machen, wo wir vor den Anderen sind. Dann ist es spannend und man kann vielleicht einen grossen, interessierten Gästestrom für die nächsten 10-20 Jahre abfangen, wenn dies im Trend ist“. Viele Einwohner in Vals wollten nun endlich jemanden, der etwas bewegt die „Revolution von Oben“ wie es die deutsche Zeitung „Zeit“ betitelt. Das Power-Couple hat verkündet, dass ein Stein-Park des Stararchitekten Ando der erste Schritt dazu ist, wohlweislich, dass der Steinbruchbesitzer dabei selber die Steine dafür liefern darf und damit wieder Steuersubstrat in die Gemeine fliesst, da kann man doch nicht nein sagen. In den geistigen Visionsspielen erschien dann auch noch der 381m hohe Hotelturm. Unermüdlich erklärt der 7132 Hotel Besitzer hierzu, dass die Massentourismus-Strategien in den Schweizer Alpen letztlich in den wirtschaftlichen Abgrund führten und das Turm-Projekt als qualitativ hochstehendes Nischenprodukt neue Wege aufzeige.

Das „Luftschloss“ wird wohl eine schöne Vision bleiben. Nur alleine wegen der geologischen Sensibilität des Standortes wird der Multi Coca-Cola kaum ein Risiko durch einen solchen Bau zulassen, da sonst die Valserwasser Quellen gefährdet werden könnten. Weiter bedürfen Vorhaben mit „gewichtigen Auswirkungen auf Raum und Umwelt“ gemäss eidgenössischem Raumplanungsgesetz (RPG) auch einer Grundlage im kantonalen Richtplan. So wird die Zeit vergehen und nichts wird geschehen. Ist das ganze allenfalls ein publicityträchtiger taktischer Zug, um den Valsern glaubhaft zu machen, dass man Ihnen damit DIE Chance für ihre Zukunft eröffnet? Wird nichts von all dem Versprochenen realisiert hat, man plausible und gute Gründe zur Hand.

Zusammenfassend kann man über diese letzten 4 Jahre behaupten, ausser Luftschlössern ist für die meisten Einwohner von Vals bis jetzt nicht viel im „Honigtopf“ hängen geblieben. Die Übernachtungen im 7132 Hotel sind sogar überdurchschnittlich zurückgegangen. Ist der Gast heute wirklich bereit, für ein Design Hotelzimmer, welches die Handschrift eines weltbekannten Architekten trägt, in einem aus den 60er Jahren erbauten, sanierungsbedürften Komplex, für eine Nacht bis zu CHF 2'500 zu bezahlen? Die Zahlen beweisen das Gegenteil. Da kann auch ein Sternekoch und ein Turnaround Manager als Hotel Direktor nur einen bescheidenen Beitrag zu einem Aufschwung beitragen. Es ist zu bezweifeln, dass die Ausdauer gross genug ist für den Investor der 7132 Hotel eine Nische im globalisierten Tourismus Marktplatz zu finden um damit seinen gesuchten „Return on Investment“ innert vernünftiger Frist realisieren zu können.

Paradoxerweise hat die Gemeinde erst vor kurzer Zeit beschlossen mit dem Geld aus dem Therme Verkauf eine Mehrzweckhalle zu bauen. Parallel dazu krankt aber der Tourismus an allen Ecken und Enden und das Geld fehlt, um künftige Defizite der Sportbahnen zu decken. Die Gemeinde ist nun gefordert, unabhängig von einzelnen Individuen, selber eine Entwicklung in Gang zu setzen, die schnell und pragmatisch für die Einwohner Perspektiven für die Zukunft aufzeigt, vor allem realistische Szenarien.
Es darf nicht geschehen, dass die Jugend von Vals abwandern muss und feststellt „der Winterbetrieb ist tot - vom Tourismus kann niemand mehr leben - unsere Existenzen sind hier nicht mehr gesichert - hochfliegende Träume und Visionen haben uns blind gemacht“.

M. F. Loretz

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Kommentare

008528- 533…

Di 26.04.2016 - 16:06

Wir waren viele Jahre Gäste im im schönen Hotel Therme bis es sich nicht mehr lohnte den Preis zu zahlen.

Aufrichtiger Valser

Do 07.04.2016 - 09:44

Der Honigverkäufer verleitet die Valser zu Honig im Kopf. Vals velor in den letzten Jahren nicht nur "a Hufa" Touristen sondern auch den Verstand und den Anstand vieler Bürger. Verleumdungen, Lästereien, Gehässigkeiten, anonyme Briefe ja sogar Morddrohungen, Vandalenakte, Vetternwirtschaft, Diffamierungen, Ausgrenzung und Beleidigungen gehört bei vielen Anhängern Stoffels zur Tagesordnung. Kein Wunder getrauen sich viele nicht mehr zu äussern. Die Meinungsfreiheit wurde ausgehebelt. Vals ist das beste Beispiel einer völlig misratenen Dorfpolitik und sollte allen anderen Dörfern im Kanton als Mahnmal dienen wie man es nicht tun sollte. Es hersche Krieg, hiess es noch in der letzten Gemeindeversammlung. Dem stimme ich zu. Der Preis den Vals bezahlen wird, ist sehr hoch. Was die Sportbahnen betrifft, sollte man Ruhe bewahren. Die Valser werden die Bahn niemals aufgeben wollen, auch wenn die Bahn seit drei Jahren nicht mehr rendiert. Ob das schlau ist, wag ich bezweifeln denn auf Dauer kann es sich die Gemeinde nicht leisten die Defizite zu tragen. Einige Valser begreifen es nicht das die Bahn ohne Touristen nicht wirtschaften kann. Man hat ein stark eingeschränktes Weltbild wo jeder nur für sich schaut. Lasset die Sportbahn für uns Einheimische wenigstens offen, heisst es vielerorts im Dorf. Das die Sportbahnen nur mit Einheimischen Skifahrern kein Brot verdienen kann, begreift man nicht. Es herscht Narrenfreiheit. Viele Verlierer wittern ihre Chance auf mehr Macht und Geld. Ettablierte gescheite Leute haben resigniert oder sind aus Vals abgewandert. Einige wollen nichts mehr mit Vals zu tun haben. Haben mit dem Dorf abgeschlossen. Vals ist im Wachkoma. Es bleibt zu hoffen, das sich Vals schnell aus dem Wachkoma erwacht, hinsichtlich der letzten Gemeindeabstimmung befürchte ich leider das Gegenteil.

Wolfgang Reuss

Do 07.04.2016 - 13:07

Wie ich bereits schrieb, dürfte es, falls es zum Turm-Ja kommt, eine "Flüchtlingswelle" weg von Vals geben, wobei nur die Stoffeljünger zurückbleiben. Eine ähnliche, schwächere Form desselben war bereits nach dem "Rauswurf" des für Vals höchst verdienstvollen Architekten Zumthor festzustellen.
Man sollte bloss irgendwie vorbeugen, damit nicht durch den Exodus allfällig verlassene Immobilien zu Dumpingpreisen von jemand namens S. "eingesackt" werden.

Wolfgang Reuss

Do 07.04.2016 - 01:03

Vals sollte gegen den Turm stimmen - diese Gästehochstapelei bis fast 400 Meter über Grund.
Es seien einige Gründe genannt:
1) Abhängigkeit von einem ausserordentlich dominanten Einzelplayer (King Remo).
2) Riesenbaustellen-Emissionen (während dem Bau) und nachher von Auto- und Helikopterverkehr. Merke: Superreiche reisen kaum ÖV.
Sie kennen doch die Beispiele aus der Konsumentenberatung: "Ich sah den schönen Reiseprospekt, aber als wir ankamen, hatten wir dort die ganzen 3 Wochen Baustelle" oder "Statt Ruhe/Erholung viel Lärm und Abgase/Verkehr", "wer gibt uns Schadenersatz"? Antwort: Die verlorene Lebenszeit und Gesundheit ist unersetzlich, deswegen ersetzt Ihnen das auch niemand.
3) Dass "die Schweiz nicht zu teuer, sondern zu billig" sei (Stoffel), mag für seine persönlichen Portemonnaie-Gewinnerwartungen zutreffen. Aber für Vals und die Skilifte wird da kaum viel herausschauen.
4) Vielmehr kann Vals nur sich erhalten bzw. gesunden durch logische Überlegung, dasselbe gilt natürlich für den Tourismus in ganz Graubünden: Was benötigen Kunden physiologisch und was macht Ihnen "nur" Spass?
Was "müssen" Menschen haben? Beispiel Wasser: Deswegen macht Nestle mit "Pure Life" (heuchlerischer Name, denn Flaschenwasser hat gesetzlich weniger strenges "Reinheitsgebot" als Trinkwasser ("Hahnenburger"), gilt auch für "Passugger", die mit ihren LKWs durch die Gegend dröhnen) mehr als 10 Milliarden Jahresumsatz. Weiteres Beispiel Gesundheit. Das wäre das noch grössere Geschäft, wobei sogar ein Bruchteil genügen würde für erfolgreiche "Bilanzen".
Ausserdem gibts noch den "Nur"-Spassfaktor, wo ich erhebliche Innovationen für machbar halte (selbstverständlich ebenfalls gesunde und nicht so einen Widersinn wie Autorallyes oder Openairs zuhinterst im Bergtal). Okay, bisher ist offenbar noch niemand draufgekommen. Aber das "Wanderungen"-Prinzip (SO 29.3.2016) der Grossräte ist sicher weit besser als was GRF & Co. seit Jahren tun. Imposant ist allerdings die Reaktion der Reaktionäre: Zwei Leserbriefe, von zwei Touristikern, Brigitte Küng (die sich nicht zu erkennen gab als "Insiderin") und Hans-Kaspar Schwarzenbach. Katastrophal! Es reicht denen nicht, dass ihnen seit Jahren nichts wirklich intelligentes einfällt, nein, nun verteidigen sie auch noch mit Vehemenz ihren "Kurs" (you remember Titanic?) oder besser gesagt ihre Pfründen (sie werden touristisch beruflich bezahlt für Ihre "Leistung", oder wie soll man das nennen?) und hacken auf die Kritiker und Innovatoren ein, wobei die, die ich kontraproduktiv finde, "selbstverständlich" gelobt werden, z.B. Stoffel.
Meines Wissens gab Adolf Ogi seinen Input "alle/auch verrückte Ideen sammeln" (aus der Öffentlichkeit) an "Schweiz Tourismus". Aber: vernahmen Sie etwas darüber? Ich nicht. In der Zeitung sah ich nur, wie viele Millionen Subventionen sie kriegen. Schwarzenbach redet das klein, das seien nur "wenige Promille der touristischen Wertschöpfung", aber wenn das solche Peanuts sind, sollen es die Hochhonorar-Touristikbosse doch selbst zahlen, zudem sagt das Budget nichts über die Effizienz (Qualität) der Werbung aus.
Rund 12 Millionen JEDES Jahr allein für GRF. Eine Organisation, die keine Ideen sucht (wie Ogi es empfahl) und offenbar auch keine will (meine Erfahrungen), das ist doch ein schlechter Witz per se, egal um welches Thema es geht: welcher Unternehmer, welche Gemeinschaft, welches Individuum verhält sich denn so? Das teuerste sind wahrscheinlich nicht die Subventionen, sondern der Zeitverlust, das sind alles "verlorene/verpasste Jahre".
5) Und dann gibts noch eine Zusatzidee punkto Demografie: "Outsourcing" von Alters- und Pflegeleistungen (gemäss Zeitungsbericht bisher nach Thailand) in die "potenzialarmen Räume".
Was aber nur Sinn macht, wenn die Dienstleistungs-Mentalität deutlich besser wird. Denn der Alltag zeigt erhebliche Mankos in diesem Sektor, obwohl er für den Kanton so bedeutsam ist. Beispiele dazu demnächst in diesem Theater.

Wolfgang Reuss

Fr 08.04.2016 - 22:40

Die Bündner Woche 6.4.2016 schreibt auf der Titelseite:
"Wie der Zirkus jeder Jahr nach Chur kommt:
Der logistische Aufwand eines Zirkus ist riesig."
Wie hoch ist der "logistische Aufwand" für ein Openair in Vals (1252 Meter Höhe), das 20,4 Kilometer von Ilanz (699 Meter Höhe) entfernt liegt? Distanz Chur - Ilanz 31.2 Kilometer.
Wie viele "Trucks", Materialtonnen und Besucher-Verkehr und wie viel Lärm in einem hintersten Bergtalwinkel "generiert" das, dort, wo ich finde gemäss Vernunft und Logik Natur, Friede, Ruhe, Stille herrschen sollte? Warum nicht z.B. in einer Industriezone oder an einer Autobahn, wo eh Lärm herrscht und der Weg kürzer wäre?
Sind es nur Modeworte: Umweltschutz, Klimaerwärmung, COPD/Asthma, Stress?