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Die Angst vor türkischen Spitzeln reicht bis ins Glarnerland

Kaum einer der Türken, die im Kanton Glarus leben, will sich zur aktuellen Situation in seiner Heimat äussern. Zu gross scheint die Unsicherheit, zu gross die Angst vor negativen Folgen beim nächsten Türkei-Besuch. Eine ernüchternde, aber am Ende doch aufschlussreiche Spurensuche.

Sogar im Glarnerland fürchtet man ihn: Recep Tayyip Erdogan. Bild Keystone

Auslandtürken haben es im Moment schwer», seufzt Osman Özöztürk, Präsident des türkischen Vereins Glarus beim Treffen im Netstaler Vereinslokal. Täglich wird der Aussendienstler auf die Situation in seinem Heimatland angesprochen und stellt dabei fest: «Das Image der Türkei wird zunehmend schlechter.» 

Kaum einer will offiziell reden

Und so schnell werden die Diskussionen auch im Glarnerland nicht aufhören. Vor allem unter den Menschen, die aus der Türkei stammen oder dort Familie haben. Fragt man sie nach ihrer Meinung, erhält man zwar eine ausführliche und gut begründete Antwort. Nur leider nicht offiziell. Auf längere Gespräche folgt fast ausschliesslich der Satz: «Das dürfen Sie aber nicht in der Zeitung schreiben. Auf keinen Fall mit Namen und Wohnort».

Ein kurdischer Türke will dann doch erzählen. Das Vorgespräch klingt vielversprechend und spannend. Am Tag darauf macht er dann aber wieder einen Rückzieher. Die Begründung: Er habe mit seiner Familie gesprochen, und die habe Angst. Vor allem der Vater reise mehrmals im Jahr vom Glarnerland in die Türkei und befürchte dort negative Folgen. «Man weiss ja nie, welche Informationen aus Glarus am Ende bis nach Ankara gelangen.»

Etwas von den Schweizern gelernt

Osman Özöztürk hat dagegen absolut nicht das Gefühl, dass im Glarnerland Bespitzelungen stattfinden. «Man kann sich hier als Türke politisch äussern, wie man möchte», ist er überzeugt. Auch in seinem Verein sei das kein Problem. Dass Leute Angst haben, beim nächsten Türkei-Aufenthalt Probleme zu bekommen, hält er für Blödsinn. «Man sollte sich natürlich in einem gewissen Rahmen über politische Themen unterhalten. Ohne Provokationen und in demokratischer Art und Weise.» Wenn er selbst Bedarf hätte, würde er sich jederzeit politisch äussern – egal ob unter Türken oder Schweizern.

Mindestens bis zum Referendum rechnet Özöztürk weiterhin damit, täglich von Kunden, Bekannten oder Freunden auf die Lage in seiner Heimat angesprochen zu werden. Seine Reaktion bleibe dabei aber die gleiche wie zuvor. «Ich habe da in den vielen Jahren hier etwas sehr Praktisches von den Schweizern gelernt», sagt er schmunzelnd er. «Ich bleibe neutral». (dus)

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