Neues «Schwyzer Heft» über die Haggenegg

Der 1414 Meter hohe Übergang vom Alptal in den Talkessel war einst ein bedeutender Teil des Wegnetzes. Heute ist er bei Wanderern und Pilgern beliebt. Im neuen «Schwyzer Heft» beschreiben und erläutern neun Autoren spannende Hintergründe rund um die Haggenegg.

Die Haggenegg ist ein Herzstück der Schwyzer Geschichte.

Bild: Amt für Kultur

Schwyz. - Einstmals, so berichtete der frühere Urner Spitalpfarrer Josef Müller, habe eine Hexe das Dorf Schwyz bedroht. Sie wollte mit einem Erdrutsch den ganzen Haggen zu Tale stossen. Doch die Schwyzer hätten die geplante Untat frühzeitig bemerkt, seien sofort zur Pfarrkirche geeilt und hätten mit der grossen und allen anderen Glocke zu läuten begonnen. Darauf habe man die Hexe vom Haggen her rufen hören: «Los! Die alt Suu mid irne sibe Junge!» - und sogleich sei der Erdschlipf stillgestanden.

Diese und andere sagenhafte Geschichten erzählt Hans Steinegger im neuen «Schwyzer Heft», das eben erschienen ist. Ein anderer Autor, Viktor Weibel, wandert von Alpthal nach Schwyz, erläutert quasi nebenher die Flurnamen und eröffnet damit einen neuen Blick auf diesen traditionsreichen Passübergang.

Berühmte Menschen schritten einst über die Anhöhe unter den Mythen. Der Mailänder Kardinal Karl Borromäus inspizierte im 16. Jahrhundert im Auftrag des Papstes das Land Schwyz. Sein Bericht gibt Einblick in die Lebensart der damaligen Bevölkerung. Später folgten ihm Goethe und Mendelssohn-Bartholdy.

Im etwas mehr als 100 Seiten umfassenden Heft wird auch die Besatzung von Einsiedeln durch die Franzosen beleuchtet, als der Haggen als Aufmarschgebiet der Schwyzer und als Versteck für das Einsiedler Gnadenbild diente. In neuester Zeit lieferte die Restaurierung der Pilgerkapelle Stoff für politische Auseinandersetzungen. Es waren mehrere Anläufe notwendig, bis die Restaurierung gelang.

Inhaltlich spannt sich der Bogen der Schrift von lokalen Ereignissen bis zur Darstellung des Passübergangs als Teil des Jakobswegs ins spanische Santiago de Compostela, dieses für Westeuropa identitätsstiftenden Beziehungsnetzes. (amtl)

Paul J. Brändli, Christine Doerfel, Otto Dudle, P. Othmar Lustenberger OSB, Franz Steinegger (verantwortlicher Redaktor), Hans Steinegger, Michael Tomaschett, Viktor Weibel, Peter Witschi: Die Haggenegg - «Ein historisch bedeutsamer Passübergang zwischen Einsiedeln und Schwyz», Schwyzer Heft Nr. 98, 112 Seiten, reich bebildert, 20 Franken. Im Buchhandel erhältlich oder beim Verlag Schwyzer Hefte, E-Mail: kulturfoerderung [dot] afk [at] sz [dot] ch

  • Quelle: Bote der Urschweiz
  • Datum: 18.06.2012, 16:41 Uhr
  • Webcode: 2361959
 

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