| Autor: | Keller Rudolf |
| Ort: | Azmoos |
| Datum/Zeit: | 20.02.2012 20:43 |
Killerspiele und Völkerball
Nach dem Massaker durch Anders Breivik wurden einmal mehr Killerspiele angeprangert. Die Kritik ist berechtigt. Ich wundere mich bloss, weshalb Völkerball unbehelligt bleibt, obwohl der Spielgedanke übler kaum sein könnte, gilt es doch, das gegnerische Volk restlos ins Jenseits zu befördern, d.h. auszurotten. „An so was denkt doch niemand!“ - Ja, der kriegerische Ursprung ist vergessen. Ein Vorteil? Wird Völkerball harmlos, weil niemand an Völkermord denkt? Oder verhält es sich umgekehrt: Sickert die Ideologie, die hinter dem Spiel steckt, ungefiltert ins Unterbewusstsein, gerade weil nichts dabei gedacht wird? -
Killerspiele am Bildschirm sind freiwillig. Völkerball wird an Pflichtschulen gespielt. Wäre eine öffentliche Debatte über staatlich verordnetes Völkerball nicht noch dringlicher als die Ächtung privater Perversitäten?
(siehe auch: www.blogz.ch/voelkerball)
Rudolf Keller, CH-Azmoos
eidg. dipl. Turn- und Sportlehrer, Autor von Sportlehrmitteln
22.02.2012 15:37 Uhr
Sport ist Mord
Beruf wechseln und man ist nicht mehr damit konfrontiert!
Schon Churchill sagte doch, dass Sport Mord ist!
21.02.2012 13:57 Uhr
kann man
davon ausgehen, dass irgendwann eine "Untersuchung" veröffentlicht wird, die zeigt, wieviele Personen aus welchen Milieus und in welchem Alter und mit welchem Geschlecht und mit welcher Schulbildung wie auf so etwas reagiert haben ?
21.02.2012 12:48 Uhr
-Killerspiele vs. Völkerball-
Ein ziemlich außergewöhnlicher Vergleich, Herr Keller, zumal das erstgenannte ein fiktives und das zweite ein reales Spiel ist. Eine Gegenfrage: Warum vergleichen Sie nicht das reale Spiel "Paintball" mit Völkerball? Nun ja. Beim Paintball wird mit Waffen "gespielt", wenn auch nur mit Farbgeschossen, beim Völkerball mit Gummi- oder vielfach auch mit Schaumstoffbällen.
Irgendwie setzen Sie (un)bewusst Völkerball mit Krieg und Gewalt gleich. Für die Entstehung und Austragung kriegerischer Auseinandersetzungen sind bestimmte Voraussetzungen nötig. Entscheidend ist zum Beispiel, dass die Parteien strikt zwischen Außen und Innen unterscheiden, ferner aber auch, dass sich eine Gruppe als zusammengehöriger Verband versteht, der sich gegen angebliche Feinde, generell gegen Fremde, zusammenschließt. Bis hier hin mag Ihr Vergleich vielleicht im weitesten Sinne noch stimmen. Dieses Schema von der eigenen Gruppe gegen die Gruppe der anderen gilt übrigens auch für Bürger- oder Bandenkriege. Dass aber diese Hintergründe, bei Völkerballspielern, die gegnerischen Spieler zu eliminieren und während einem Spiel ungefiltert, wie Sie es ausdrücken, unbewusst in die Köpfe der Spieler einfließt, bezweifle ich sehr. Ich denke eher dass hier das Fantasievermögen des einzelnen Spielers dazu beiträgt, auf solche Gedanken zu kommen. Aber gefiltert.
Handball- und Eishockeyspiele, um nur zwei zu nennen, die zu den gewaltintensiveren (auch von Schülern gespielt) gehören, könnte man genauso gut mit Ihren Killerspielen vergleichen. Nur werden hier noch zusätzlich Fäuste und andere Gliedmaßen eingesetzt, anstelle eines Schaumstoffballes.
So war zum Beispiel Hannah Arendt davon überzeugt, dass die Gewalt, wenn sie auch niemals legitim sein könne, unter Umständen doch gerechtfertigt sei, und der französische Soziologe Georges Sorel sprach sogar von der kathartischen, reinigenden Funktion der Gewalt, die eine Lebenstatsache sei, auf die man in bestimmten Situationen gar nicht verzichten könne.
Trotzdem war und bleibt Völkerball, auch bei Mädchen, ein beliebtes Ballspiel und soll auch so bleiben.
Gruß E. Spahn