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| Autor: | Bass Giacumin |
| Ort: | Müstair |
| Datum/Zeit: | 12.09.2012 10:50 |
Ich musste diesen heutigen Artikel in der Südostschweiz drei Mal lesen und kann es immer noch nicht glauben, das es sowas gibt!
Im Wortlaut "Greift ein Bär Nutztiere an, kann der Tierhalter bestraft werden-sofern der Tierhalter seine Aufsichtspflicht vernachlässigt hat. Das schreibt die Bündner Regierung in ihrer Antwort zu einer Anfrage von Grossrat Jon Domenic Parolini. Gemäss der eidgenössischen Tierschutzgesetzgebung dürfen Nutztiere nicht vernachlässigt werden. Während der Alpung ist eine angemessene Aufsicht sicherzustellen. Sei die Kontrolle mangelhaft, würden Personen, welche für die Tiere verantwortlich sind, bestraft, so die Regierung."
Ja, wo leben wir den eigentlich! Kann mir jemand sagen, was "eine angemessene Aufsicht" ist? Ich bin gespannt, was da Jon Domenic Parolini dazu sagen wird . . .
12.09.2012 17:47 Uhr
Beim Bahnverkehr käme noch
"Störung des Oeffentlichen Verkehrs" dazu.
Irgendwo hab ich gelesen, dass bei der Sömmerung ein "Schwund" bis 2 % der Tiere "normal" sei (Steinschlag, Wettereinflüsse, Verletzungen und Absturz im Gelände).
Das wären bei den von Brian Bader genannten 250.000 Schafen immerhin rund 5.000 Tiere. Da fallen dann die paar zusätzlich "gerissenen" Tiere rein statistisch kaum ins Gewicht. Das diesbezügliche Tamtam ist also eindeutig überrissen.
12.09.2012 17:30 Uhr
Absolut richtig!
Genauso richtig wie, dass ein Nutztierhalter bestraft wird, wenn er seine Tiere ohne Zaun und unbeaufsichtigt weiden lässt und diese z.B. vom Strassen- oder Schienenverkehr verletzt oder getötet werden - was im Übrigen hundert mal häufiger der Fall ist, als dass sie von Wildtieren gerissen werden.
Nur sind die jeweils ausgeprochenen Bussen leider viel zu niedrig...
12.09.2012 15:18 Uhr
Jedes Jahr gibt der Bund 4.7
Jedes Jahr gibt der Bund 4.7 Millionen Franken für die Sömmerung von Schafen aus. Für die gesamte Schafhaltung sind es 43 Millionen. Für den Herdenschutz hingegen werden nur 830'000 Franken pro Jahr eingesetzt.
http://www.protectiondestroupeaux.ch/kosten-und-finanzierung/
Nun stellt sich hier die Frage, wer für diese Nutztiere auf der Alp verantwortlich ist? In der Regel ist es der Eigentümer, der sicherstellen muss, dass seine Lieblinge optimal vor Raubtieren geschützt werden. Vielfach setzen sich die Herden aber aus Tieren von mehreren Eigentümern zusammen. Dies verhindert wiederum, dass eine einheitliche Herde entsteht, was deren Führung durch die Hirten massiv erschwert. Nun kommen Herdenschutzhunde zum Einsatz. Die kantonale Gesetzgebung (Wallis) verbietet zum Beispiel, Herdenschutzhunde ohne jegliche Aufsicht zu platzieren, schon deshalb weil nach Ansicht erfahrener Hundeverhaltungsexperten dies eine erhebliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit darstelle (Unvermeidliche Konflikte durch Intensiv genutzte Wanderwege).
Wie dieser Artikel zeigt:
http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/regional/graubuenden/348306.her...
Es stellt sich hier tatsächlich die Frage, wie denn eine bestmögliche Aufsicht von Alpvieh aussehen soll? Und, sind 830'000 Franken für den Herdenschutz ausreichend, sofern sie beaufsichtigt werden?
In der Schweiz werden insgesamt 440'000 Schafe gehalten. Davon werden rund 250'000 Schafe – rund die Hälfte davon unbeaufsichtigt – in den Schweizer Bergen gesömmert!
http://www.landwirtschaft.ch/de/aktuell/agronews/detail/article/2009/11/...
WWF Schweiz meint dazu:
"Will die Schweiz diese Probleme lösen, muss sie ihre Nutztierhaltung anpassen. Das ist zu wenig, um einen guten Schutz zu realisieren. Dieser beinhaltet unter anderem eine Behirtung der Tiere in den Alpen, den Einsatz von Herdenschutzhunden und Einzäunungsmöglichkeiten zu Nachtzeiten. Der WWF Schweiz fördert solche Lösungen aktiv. Er schult Freiwillige, die Hirten auf Alpen mit Wolfspräsenz unterstützen. Er unterstützt die Errichtung einer Winterpension für Herdenschutzhunde. Und er hat eine Karte (www.wwf.ch/herdenschutz) publiziert, damit Wanderer und Biker erfahren, wo sich solche von Hunden bewachte Herden befinden."
12.09.2012 13:06 Uhr
Bärenangriff
Sehr geehrter Herr Bass,
Mit dem genannten Wortlaut kann ich ebenfalls nichts anfangen - ein Gummibegriff! Doch was nicht wegzudiskutieren ist, ist, dass sich die Raubtiere - Bär, Wolf, Luchs - den Platz zurückerobern aus dem man sie vor Jahrzehnten vertrieben hat. Tatsache ist auch, dass die Bevölkerung hier gewachsen ist und teilweise den Lebensraum dieser Tiere für sich beanspruchen. Was bleibt, ist, sich mit dieser neuen Situation zu arrangieren mit bestmöglichem Schutz für alle Involvierten. Wie dies geschehen kann? Dazu braucht es sicher die konstruktive Mitarbeit aller Betroffenen, doch am Wenigsten jene der Medien! Würden die Zeitungen nicht jeden Schritt der Raubtiere kommentieren, wären meiner Meinung nach Lösungen leichter zu finden. Doch durch die Presse hat Jede/r das Gefühl, sie müssten ebenfalls mitreden. Auch der Artikel "Wölfe am Calanda" ist nicht eben kunstruktiv: Wann reisst ein Wolf "genügend" Wild um zum Abschuss freigegeben zu werden? Artikel, die sicher nicht förderlich sind für ein Miteinander, genauso wie "Bestrafung bei einem Bärenangriff möglich"...
Ich wünsche für Sie und alle Nutztierbesitzer ein akzeptable Lösung.