Die zwei jungen Bündner Alpinisten Gian Sebregondi und David Hefti gehören dem Expeditionsteam des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) an und sind regelmässig in Fels, Eis und Schnee anzutreffen. Das SAC-Projekt wird im Sommer 2012 mit einer Expedition ins Hochland von Peru abgeschlossen. Gian und David bloggen an dieser Stelle von ihren Erlebnissen während ihren Vorbereitungen auf die Expedition.

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Zurück zur Natur

Ein Schatten huscht flink über die kargen Felsen. Seine Schwingen passen sich jedem noch so feinen Windhauch an. Sein schlanker Kopf senkt sich wie in Zeitlupe. Anmutig und stolz kreist das Raubtier für eine Zeit lang über ein und derselben Stelle. Die Berggipfel tauchen langsam in ein mattes Rot.

Plötzlich durchdringt ein Kreischen die Stille des Waldes. Das Raubtier stürzt sich wie ein Pfeil vom Himmel. Bevor dem Gejagten das Blut in den Adern gefrieren kann, trägt der Jäger seine Beute weit weg von jener Legföhre und landet sanft hinter einem grossen Felsfindling, um dort seine Beute zu zerlegen. Die scharfen Klauen dringen tief in das Gefieder der wehrlosen Beute. Ich sitze nur einige Meter nebenan, still auf einem Stein. Ich, ein Individuum der Moderne – ich, ein Wesen, das von Tag zu Tag abhängiger wird von der Evolution der Technik, abhängiger von Geldwechselkursen, Ölpreisen, Zivilgesetzen, moderner Medizin, potenzsteigernden Mitteln, was auch immer.

Schnell wird mir klar, dass ich mich genau jetzt unendlich weit weg von diesem modernen, abhängigen Geschöpf namens «Mensch» befinde. Genau jetzt meldet sich bei mir die Stimme der Natur: «Ich bin hier!»

Klar tut mir der kleinere Vogel leid, der dem grösseren unterlegen ist und dem Gesetz der Natur weichen muss. Jedoch begreife ich, was mir dieser Moment sagen will, nämlich zeigt er mir, wie wertvoll es ist, dass mich meine Leidenschaft, die Berge, zurück in die Natur führen und ich diesen Prozess realisieren darf.

Einige Tage später finde ich mich inmitten der abweisenden Mönch-Nordwand wieder. Der steile Eisschlauch der Haston-Eistrup-Route zeigt mir, wie kraftvoll diese Natur ist, dass sie auf eine solch eindrückliche Art und Weise jedem Besucher ihre wunderschöne Ausstrahlung zeigt.

Tage später wechselt jene Natur ihr Gewand, der Winter hält Einzug. Es legt sich ein weisser Schleier über die Landschaft. Zeit, die hohen Berge ein wenig ruhen zu lassen. Ich schenke meine Aufmerksamkeit wieder dem täglichen Training. Diesen Monat darf ich ein sogenanntes «rotes Training» halten. Dieses Training bedeutet, dass du hart an deine Grenzen gehst, dafür gibt es anschliessend einen Ruhetag oder ein «grünes Training». Da es einem anfangs allerdings schwierig scheint, diese Grenzen zu erkennen, habe ich mich beim Krafttraining so verausgabt, dass ich danach für etwa drei Tage überall Muskelkater hatte. Für mich ein Grund mehr, wieder in die Natur zu gehen, statt trockene Kraftübungen zu machen.

  • Datum: 14.12.2011, 22:00 UHR
  • Webcode: 1317786
 

 

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Sonja Veronika Ott

16.12.2011 14:44 Uhr

Danke für diesen Artikel! Bin

Danke für diesen Artikel! Bin momentan krank und der Text hat mich wieder an meine eigenen Erlebnisse in der Natur und beim Klettern erinnert, sodass ich meinen Fokus von meiner Unpässlichkeit weg auf das, was ich will, geändert hat.

 

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