Letzte Woche gewährte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen kleinen Einblick in die Gefühle, die sich unweigerlich in mir regen, wenn ich an die Open-Air-Saison und die damit einhergehenden Auftritte, die ich mit Breitbild erleben durfte, denke.
Nun war ich letztes Wochenende Gast am Open Air Frauenfeld, dem offiziell grössten Hip-Hop-Festival Europas. Eine Besucherzahl von knapp 50 000 pro Tag (das Festival dauert von Donnerstag bis Sonntag) kann sich meiner Meinung nach im internationalen Vergleich sicherlich sehen lassen. Mich beeindruckt vor allem die Professionalität, welche ein solches Festival trotz, oder vielleicht eben wegen dieser Grösse, an den Tag legt. Seriöse, rasche Ticketabfertigung, eine (wenn man dieses Jahr ein Drittel des Line-Ups ausblendet) innovative Programmation sowie ein breites Angebot an sogenannten Side-Events erwarten den Besucher auf der grossen Allmend in Frauenfeld. Damit wir uns hier nicht falsch verstehen, ich möchte hier keine Werbung für dieses Festival machen, schliesslich hat es das Open Air Frauenfeld erstens wohl kaum nötig, zweitens wäre der Werbeeffekt in meiner Kolumne wohl ein klein wenig zu unbedeutend.
Doch zurück zum Thema: Was mich dieses Jahr wirklich überraschte, waren die vielen fehlenden, bekannten Gesichter im VIP-Bereich und auf dem Gelände. Und damit meine ich nicht die übliche B- bis Z-Prominenz, welche sich erhofft, dass irgendein provinzieller Medienschaffender mit Aufnahmegerät vorbeihuscht und kurz ein unbedeutendes Statement zum schönen Wetter an diesem Wochenende absahnen möchte. Nein, es geht mir um die Leute, welche wie ich viel Positives aus der Musikszene ziehen konnten und sich auch sogenannte Künstler schimpfen.
Bislang stellte das Open Air Frauenfeld für mich immer einen Ort dar, an welchem sich sozusagen ein Klassentreffen ereignete, an welchem man sich austauschte und einfach mal wieder ein Bier und das eine oder andere Konzert miteinander genoss. Doch dies blieb mir dieses Jahr verwehrt. Nun fragte ich mich dieses Wochenende schlicht und einfach, warum so viele Musiker dem Festival fernblieben. Verhinderung aufgrund eigener Konzerte kann nicht der Grund sein, dazu kenne ich die (Nicht-)Auslastung der Bands zu gut. Ticketpreise? Wohl kaum, verteilt das Open Air doch jährlich grosszügigerweise diverse VIP-Tickets in der Szene. Und als ich da diese Menge von teilweise sehr jungen Menschen auf dem Gelände sah, wurde mir ein gewissermassen trauriger Fakt klar: Vielleicht sind die meisten einfach zu alt für den ganzen Zirkus geworden. Nicht aufgrund ihres Geburtsdatums, nein, weil sie sich vielleicht zu lange für den Jungspund hielten, statt Schritt für Schritt mit der Szene zu reifen, und nun eines Morgens mit dem komischen Gefühl aufwachten, die Phase zwischen pubertären Äusserungen und dem Alltag als Erwachsener völlig ausgeblendet zu haben.
Ich für meinen Teil fühle mich noch lange nicht zu alt. Und hoffe, am Open Air Lumnezia auf einige bekannte Gesichter zu treffen.
30.10.2012 01:04 UHR | 1 KOMMENTARE | 1,773 Leser
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10.07.2012 10:38 Uhr
und am ....
POLENTA JAM!!!!