Sie lassen immer wieder aufhorchen, die Funde von Vor- und Frühmenschen aus Afrika. Kürzlich haben die Forscher aufgrund von Fossilfunden in Südafrika wieder eine neue Vormenschenart beschrieben, nämlich Australopithecus sediba. Mit Peter Schmid vom Anthropologischen Institut der Universität Zürich ist sogar ein Schweizer an den hochinteressanten Ausgrabungen und Veröffentlichungen beteiligt.
Gelebt hat Australopithecus sediba vor etwa zwei Millionen Jahren. Erstaunlicherweise hatte die nur 1,2 Meter hohe Vormenschenart die Fähigkeit, aufrecht zu gehen. Die Arme waren kräftig genug, um sich wie ein Menschenaffe hangelnd durch die Bäume zu bewegen. Der Daumen war schon sehr ähnlich ausgebildet wie bei uns heutigen Menschen und erlaubte es, Dinge zu greifen und vielleicht sogar Werkzeuge zu benutzen.
Sehr schwierig ist es, die neue Art in den Stammbaum einzugliedern. Sie ist nicht die einzige mit halb affenähnlichen und halb menschlichen Merkmalen. Von den Vormenschen der Gattung Australopithecus gibt es verschiedene Arten, darunter auch Australopithecus afarensis mit der berühmten Lucy aus Äthiopien. Insgesamt sind die Funde noch zu lückenhaft, um einen klaren Stammbaum von den Ur-Menschenaffen über die Vormenschen zu den Frühmenschen der Gattung Homo zu zeichnen, die regelmässig Werkzeuge benutzten.
Aus diesen Frühmenschen entstanden der Neanderthaler (Homo neanderthalensis) und der heutige Mensch (Homo sapiens). Dieser entwickelte sich in Afrika und wanderte von dort vor rund 100 000 Jahren nach Eurasien aus. Der Neanderthaler ist übrigens nicht der Vorfahre des heutigen Menschen, sondern so etwas wie dessen Cousin. Da es gelang, aus einem Oberarmknochen eines Neanderthalers etwas Erbsubstanz zu isolieren, ist dieses überraschende Ergebnis gut gesichert. Wir können davon ausgehen, dass der heutige Mensch und der Neanderthaler sich sogar begegnet sind. Auch aus der Schweiz sind beide Menschenarten gleichzeitig nachgewiesen worden. Die letzten Funde des Neanderthalers liegen 30 000 bis 40 000 Jahre zurück und stammen aus dem Jura und den Alpen. Ob und wie der heutige Mensch zum Aussterben des Neanderthalers beitrug, ist nicht bekannt.
Die Forscher liefern immer wieder spannende Beiträge zur Frühgeschichte des Menschen. Im ökonomischen Sinn erbringen ihre Entdeckungen keinen unmittelbaren Nutzen. Sie versuchen aber eine Antwort auf die Frage zu geben, woher wir kommen. Wir erleben das Entstehen und die rasante Entwicklung des wohl erfolgreichsten Säugetiers, das die Erde eroberte und bis an die Grenzen ihrer Kapazität ausnutzt.
11.04.2013 00:00 UHR | 0 KOMMENTARE | 1,147 Leser
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