Mitt Romney versucht sich nach seinen scharfen Tönen in der Einwanderungspolitik während der republikanischen Vorwahlen einmal mehr um Schadenbegrenzung. In einer Rede vor Mandats-Trägern mit Latino-Hintergrund in Florida bemühte sich der Präsidentschaftskandidat darum, weniger kämpferisch zu klingen.
“Einwanderungsreform ist nicht nur ein moralisches Gebot, sondern eine ökonomische Notwendigkeit”, erklärte Romney vor der Konferenz. “Wir können hier gemeinsamen Boden finden und wir müssen es.”
Der Kandidat schlug vor, ausländischen Studenten die “Green Card” zu geben, wenn sie an amerikanischen Universitäten einen weiterführenden Abschluss gemacht haben. Ausserdem will er sich dafür einsetzen, illegalen Einwanderern, die im US-Militär gedient haben, einen Weg in die Legalität zu öffnen.
Letzterer Vorschlag zeigt die ganze Absurdität der amerikanischen Einwanderungsdebatte. Das Militär hat nicht das geringste Problem damit, junge Latinos in seine Reihen aufzunehmen und in den Krieg zu schicken. Ob ihr Status legal oder illegal ist. Wenn sie von der Front zurück nach Hause kommen, droht ihnen bisher im Zweifel die Abschiebung. Ausserdem bleibt Ihnen der Zugang zu Bildungseinrichtungen versperrt.
Romney äusserte sich abermals nicht zu dem Thema der Deportation von Latinos, die als Kinder in die USA kamen und keinen legalen Status haben. Präsident Obama hatte für diese Gruppe gerade erst ein Abschiebe-Verbot erlassen. Keine Zugeständnisse machte der Kandidat auch beim so genannten DREAM-Act, der begabten Latino-Kindern den Weg zur Universität öffnen soll.
“Einige Leute haben gefragt, ob ich die Exekutiv-Entscheidung des Präsidenten beibehalten werde”, tippte der Kandidat an das Abschiebe-Verbot. “Ich werde meine eigene langfristige Lösung implementieren, die die temporäre Massnahme des Präsidenten ersetzt.” Und das bedeutet genau was?
Team Obama wertete die Rede als “Versuch, die spaltende Rhetorik und drakonische Politik vergessen zu machen, die er über Jahre bei der Einwanderung vertreten hat.” Die “geleckte Rede” könne die Fakten nicht vergessen machen.
Romney steht vor der Aufgabe, den gewaltigen Vorsprung Obamas bei dieser Wählergruppe abzubauen. Latinos könnten in wichtigen Wechselwähler-Staaten wie Colorado, New Mexiko und Florida das Zünglein an der Waage sein. Mit Ausnahme der Kubaner hat der Republikaner während der Vorwahlen so ziemlich jeder anderen Latino-Wählergruppe vor den Kopf gestossen.
09.11.2012 05:41 UHR | 1 KOMMENTARE | 4,939 Leser
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