Seit 1999 berichtet «Südostschweiz»-Korrespondent Thomas J. Spang für deutschsprachige Tageszeitungen über das politische Geschehen in Washington. Dieses Jahr begleitet der USA-Kenner die vierten amerikanischen Präsidentschaftswahlen vor Ort – und dies erstmals auch online mit dem Wahlkampf-Blog «Spang's Spin» auf «suedostschweiz.ch».

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Romney vermasselt es sich mit den Frauen

Der Geschäftsmann Mitt Romney kann zweifelsohne rechnen. Wenn er sich die Umfragen anschaut weiß er, dass er mit einem Rückstand von 19 Prozent bei den Frauen nicht gegen Präsident Barack Obama gewinnen kann.

Selbst wenn er bei den Männern mit acht Punkten führt.

Dass er am ersten Tag nachdem er sich die Nominierung der Republikaner sicherte versucht, ein Signal Richtung dem weiblichen Amerika zu senden, macht deshalb nur Sinn. Leider weiß der steife Mitt nicht wie. Stattdessen verschlimmbesserte er seine Lage.

Erst in Connecticut, wo er sich mit drei Dutzend Unternehmerinnen traf. Triumphierend wedelt er mit einem Hochglanz-Faltblatt durch die Luft auf dem die Zahl 92,3 Prozent steht. Genau so groß sei der Anteil der Frauen an den während Obamas Amtszeit verlorenen Jobs. Ergo sei der Präsident der wahre Feind der Amerikanerinnen. Nicht die Konservativen, sondern Obama führe am Arbeitsmarkt einen “Krieg gegen die Frauen”.

Die Zahl sieht nicht nur auf den ersten Blick absurd aus, sie hält auch dem zweiten Blick der Pulitzer-Preis gekrönten Fakten-Prüfer von “PolitiFact” nicht stand. “Überwiegend falsch” qualifiziert die unabhängige Tatsacheninstanz die Behauptung Romneys, der willkürlich mit der Statistik gespielt hat. Tatsächlich machten Frauen während der Rezession, die 2007 unter George W. Bush begann, insgesamt 39,7 Prozent aller verlorenen Arbeitsplätze aus. Autsch.

Nicht minder peinlich die Telefonkonferenz mit Reportern zum Thema. Auf die Frage eines Kollegen, wie Romney zu dem “Lilly Ledbetter Fair Pay Act” stehe, mit dem Präsident Obama am ersten Tag seiner Amtszeit die volle Gleichberechtigung von Frauen in der Arbeitswelt garantierte, schwiegen seine Berater für mehrere Sekunden. Dann meldete sich eine Frau zu Wort. “Wir melden uns dazu später zurück”.

Die nachgereichte Antwort verärgerte dann die Konservativen in der Partei. Romney schlage “keine Änderungen” vor teilte sein Wahlkampfteam mit. Und präsentierte drei Politikerinnen als Kronzeuginnen für seine angebliche “frauenfreundliche” Agenda. Wie sich später herausstellt, stimmten zwei von ihnen im Kongress gegen den “Lilly Ledbetter Fair Pay Act”.

Statt sich bei den Frauen nach den absurden Debatten über Abtreibung und Pille in ein besseres Licht zu rücken, schadete sich Romney damit einmal mehr. Lilly Ledbetter, nach der das Gesetz benannt ist, meldete sich zu Wort und warnte vor explizit von Romney und dem Programm seiner Partei.

Romney muss sich etwas anderes einfallen lassen. Sonst wird sein Frauenproblem größer statt kleiner.

  • Date: 12.04.2012, 05:20 hours
  • Webcode: 1980990
 

 

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