Wer verstehen möchte, was Romney fehlt, ein wirklich guter Kandidat zu sein, braucht sich nur die trostlosen Bilder aus dem Ford Field in Detroit anzuschauen. Die Ikonographie spricht Bände.
Auf der Bühne spricht der einsame Mitt zu ein paar hundert Geschäftsleuten in Anzug und Krawatte, die auf Klappstühlen an der 30-Meter-Football-Linie Platz genommen haben. Dahinter deutlich sichtbar die gähnend leeren Ränge der Sport-Arnea, in der bei ausverkauftem Haus locker 80.000 Fans Platz finden.
Der Kandidat redet in der arg gebeutelten Autostadt sprichwörtlich vor leeren Rängen. Was Sinn macht. Hatte er doch 2008 einen Meinungsbeitrag für die New York Times mit dem Satz “Lasst Detroit bankrott gehen” überschrieben. In dem Artikel warnte er vor Regierungshilfe für General Motors, Ford und Chrysler. “Sie können die amerikanische Automobilindustrie dann vergessen”, prognostiziert Romney und rührt dann die Trommel für einen Bankrott.
So kann man sich vertun. Die Restrukturierung General Motors durch die Regierung und der Verkauf Chryslers an Fiat mit Staatshilfe erweist sich heute als enorm erfolgreich. Eine der größten Errungenschaften Präsident Barack Obamas. Dank einer sensiblen Industriepolitik GM ist keine vier Jahre später wieder der größte Autobauer der Welt.
Damit steht Romney in Michigan auf ziemlich verlorenen Posten. So verloren wie auf dem Ford Field.
Der Multimillionär, der nach eigenem Zeugnis die Möglichkeit haben möchte, Leute zu feuern, sollte eigentlich sein ganzes Wahlkampfteam für dieses PR-Desaster rausschmeißen. Jeder Erstsemester der Publizistik weiß, wie vernichtend die Bildsprache dieser Veranstaltung ist, in der Romney eigentlich eine rauschende Rückkehr in seine Heimat feiern wollte. Mit einer Grundsatzrede vor dem Detroit Economic Club.
Inhaltlich hatte der Kandidat enttäuschend wenig Neues zu bieten. Nur einmal wich der hölzerne Technokrat von seinem Redetext ab, als er als Beispiel seiner Liebe für amerikanische Autos meinte, seine Frau Ann fahre auch “ein paar Cadillacs”. Romney kann es wirklich nicht lassen, seinen Zuhörern permanent unter die Nase zu reiben, wie reich er ist. Und das ausgerechnet in einer bettelarmen Staat wie Detroit, in einem Bundesland, das von der Rezession besonders hart getroffen wurde.
Doch es kommt noch besser. Hemmungslos wiederholte Romney die eigenwillige Liebeserklärung an seine Heimat Michigan, die Millionen Amerikaner auf You Tube zum Lachen gebracht hat . “Die Bäume haben die richtige Höhe. Die Straßen sind genau richtig.”
Nach 23 Minuten ist das traurige Schauspiel vorüber. Wer bis hierhin noch nicht wusste, was an Mitt verkehrt ist, weiß es jetzt gewiss.
09.11.2012 05:41 UHR | 1 KOMMENTARE | 4,881 Leser
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