Bevor ich mich auf den Rückweg von South Carolina nach Washington machte, liess sich kaum mehr übersehen, wie sich eine politische Lawine für Newt Gingrich aufbaute. Zweifel über eine Stimme für den ehemaligen Speaker wich in Gesprächen mit Wählern der Gewissheit. Während der Nimbus des Spitzenreiters verschwand, der unvermeidliche Kandidat der «Grand Old Party» zu sein.
Inzwischen gibt es dazu harte Zahlen. «Die Dinge kollabieren ganz eindeutig», wertet der politische Direktor des renommierten Meinungsforschungsinstituts Gallup, Frank Newport, den freien Fall Mitt Romneys in den Umfragen. Im Schnitt der letzten Erhebungen liegt Gingrich laut «Real Clear Politics» mit 32,4 Prozent um zwei Prozent-Punkte vor Romney. Santorum und Paul folgen deutlich abgeschlagen mit nicht einmal halb so viel Stimmen.

Zu Wochenbeginn führte Romney zweistellig und verbreitete die Aura des Unschlagbaren. Wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale an diesem Samstag stapelt der Country-Club-Kandidat nun tief. Er wäre froh zu gewinnen, aber habe von Anfang an gesagt, dass «South Carolina für einen Kerl aus Massachusetts ein Kampf gegen den Berg ist».
Die Wende kam mit der Präsidentschaftsdebatte am Montag, als Newt mit seinen Ausfällen gegen Juan Williams bei Minderheiten und Armen den inneren Wutbürger von der Kette liess.
Die weit nach rechts gerückte Partei sah da endlich einen, der mit Leidenschaft gegen Washington wetterte. Der «König von Bain», wie Newt den Spitzenreiter für seine skrupellosen Geschäfte an der Spitze des Investmenthauses geisselte, wirkte den vielen Tea-Party-Anhängern im Süden nicht nur «out of touch», sondern unecht. Einer, der alles sagt, um gewählt zu werden.

Die Debatte am Donnerstag verstärkte das Image vom rechten Wutbürger Newt, der seine moralische Scheinheiligkeit hinter einem Frontalangriff auf die «linken Medien» vergessen machte. Die Anschuldigungen seiner zweiten Frau Marianne, die dem Moralapostel vorhält, er hätte ihr damals eine «offene Ehe» vorgeschlagen, die Platz für seine Affäre mit der nun dritten Ehefrau Callista liesse, perlen an Gingrich ab.
Die Chancen stehen recht gut, dass er Romney morgen die Schau stiehlt. Dessen Traum vom schnellen Ende der Nominierungsschlacht dürfte in jedem Fall ausgeträumt sein. Der Multimillionär hat zwar das Geld für eine lange Schlacht, erzeugt aber keine Leidenschaft. Seine Krönung muss er fürs erste verschieben. Jetzt muss er aufpassen, dass ihm nicht ein anderer den grossen Preis wegschnappt.
09.11.2012 05:41 UHR | 1 KOMMENTARE | 4,895 Leser
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