Seit 1999 berichtet «Südostschweiz»-Korrespondent Thomas J. Spang für deutschsprachige Tageszeitungen über das politische Geschehen in Washington. Dieses Jahr begleitet der USA-Kenner die vierten amerikanischen Präsidentschaftswahlen vor Ort – und dies erstmals auch online mit dem Wahlkampf-Blog «Spang's Spin» auf «suedostschweiz.ch».

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Romney liefert Pizza, Obama ein Nachkriegs-Abkommen

Die Bildsprache konnte nicht kurioser ausfallen. Während US-Präsident Barack Obama sich im Abendfernsehen aus Afghanistan an seine Landsleute wandte, um am Jahrestag der erfolgreichen Kommandoaktion gegen Osama bin Laden ein vorher unterzeichnetes Nachkriegsabkommen zu erläutern, verteilte Mitt Romney in New York Pizza. Zusammen mit seinem langjährigen Erzkontrahenten Rudy Giuliani besuchte er ein Feuerwehrhaus.

 

Um genau welche Botschaft zu vermitteln? Dass er die Feuerwehr schätzt? Oder New York etwas mit Bin-Laden zu tun hat? Vielleicht hoffte Mitt, etwas von Rudys 9-11-Glanz färbe durch physische Nähe auf ihn ab. . So richtig klar wurde jedenfalls nicht, was er in dem Feuerwehrhaus wollte.

Okay es war die Wache vor der Giuliani seine erste Pressekonferenz nach den Anschlägen vom 11. September gab. Doch das gab Romneys Worten nicht mehr Gewicht. Es sah fast ein wenig kleinkariert aus, als er sich für die Medien stellte und trotzig behauptete: “Ich hätte die gleiche Entscheidung wie der Präsident getroffen, ihn (Osama) aus dem Verkehr zu ziehen.”

Ausgerechnet Rudy, dessen Vokabular seit den Anschlägen aus einem Hauptwort einem Verb und 9-11 besteht,  beklagte sich später darüber, das Obama versuche die Kommandoaktion gegen bin-Laden zu politisieren. Einen unglaubwürdigeren Botschafter hätte sich Romney nicht suchen können.

All das ließ Obama noch präsidialer aussehen als er von der Bagram Airforce Base aus zu seinen Landsleuten sprach. Die Überraschungsreise an den Hindukusch machte ihn an der Wahlkampffront zum eindeutigen Punktsieger.

In diesem Fall lässt sich für die Republikaner nur schwer argumentieren, der Präsident überziehe. Immerhin bringt er ein strategisches Nachkriegsabkommen mit nach Hause, über das Diplomaten und Militärs jahrelang verhandelt hatten. Zudem gibt es reichlich Präzedenzfälle für solche unangekündigten Trips in die Kriegsgebiete durch George W. Bush.

Zu Mitts Verteidigung muss man sagen, dass er genauso ahnungslos von Obamas Reiseplänen war wie der der Rest der Nation. Vermutlich hätten seine Berater sich etwas anderes einfallen lassen als Papa Joe’s Pizza an Feuerwehrleute zu verteilen.

  • Datum: 02.05.2012, 04:01 UHR
  • Webcode: 2208234
 

 

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