Ein Teil der wohlhabenden Spender, die Präsident Obama 2008 so tatkräftig unterstützt hatten, zeigen ihm diesmal die kalte Schulter. Von Hollywood bis zur Wall Street bleiben die Taschen zu. Auch die Freiberufler geben nicht so wie vor vier Jahren. Die dicken Schecks der Anwälte und Ärzte sind eher selten geworden.
All das erklärt, warum Präsident Obamas Wahlkampfteam hinter dem selbst gesteckten Spendenziel hinterher hinkt. Bis März nahm der Präsident 196 Millionen Dollar ein, verglichen mit 235 Millionen zum gleichen Zeitpunkt vor vier Jahren.
Um die 750 Millionen Dollar Marke zu erreichen, mit der Obama 2008 einen Spendenrekord erstellte, müsste er nun jeden Monat 70 Millionen Dollar einnehmen. Ohne die Gross-Spender, ein nur schwer erreichbares Ziel.
Team Obama versucht die Schwäche herunter zu spielen. Vor vier Jahren habe ein hitziger Vorwahlkampf mit Hillary Clinton die Wahlkampfkassen prall gefüllt. Umgekehrt habe Obama bisher nur halb so viel Geld ausgegeben wie damals.
Mit 130 Millionen Dollar in der Bank muss sich der Präsident im direkten Vergleich keine Sorgen machen. Sein Konkurrent Mitt Romney hängt weit hinterher.
Die große Unbekannte aber bleibt, welche Summen die Super-PACs mobilisieren können. Dabei handelt es sich um Organisationen, die unbegrenzt Geld von Unternehmen und Einzelspendern annehmen und bis zum Wahlkampf einsetzen dürfen.
Karl Rove’s “American Crossroads GPS” plant bis November rund 300 Millionen Dollar von interessierten Kreisen zu mobilisieren. “Americans for Prosperity” hat ein nicht viel bescheideneres Ziel. Die Tea-Party-nahe Gruppe will bei reichen Konservativen 200 Millionen Dollar locker machen. Hinzu kommt Romneys eigenes Super-PAC “Restore our Future”, das bis November rund 150 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eintreiben möchte.
Obama hat diesem unreguliertem Geldstrom interessierter Kreise bisher nichts oder nur wenig entgegen zu setzen. Seine Stärke basiert auf der Bandbreite der Spender, die für seine Wiederwahl in die Tasche greifen. 58 % der gesamten Einnahmen resultieren aus Schecks die kleiner als 200 Dollar sind. Das ist ein deutlich besseres Ergebnis als vor vier Jahren.
All das erklärt, warum der Präsident auf eine Basiskampagne setzt. Unterm Strich gibt das Obama die Möglichkeit, einen Wahlkampf zu führen, der keine Rücksicht auf Sonderinteressen nehmen muss.
Anders als Mitt Romney, der schon jetzt im Verdacht steht, nicht die Interessen normaler Amerikaner im Auge zu haben, sondern die seiner spendier-freudigen Klientel.
Es wäre falsch, Romneys Vorteil bei den Groß-Spendern zur Seite zu wischen. Ohne deren Millionen hätte sich der designierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner bei den Vorwahlen niemals durchsetzen können. Geld spricht eben in der amerikanischen Politik. Und das sehr laut.
09.11.2012 05:41 UHR | 1 KOMMENTARE | 4,939 Leser
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