«Unglaublich spannend und sehr aufregend» findet Michael Brunner das Auspacken der Kunstwerke für seine Ausstellung in der städtischen Galerie «Fauler Pelz» von Überlingen am Bodensee. Auch heuer gelingt ihm mit sensationellen Exponaten eine Ausstellung, die an Bedeutung und Wirkung weit über Süddeutschland hinausreicht.
Es geht um die faszinierende Geschichte des Mosaiks, die diesen Sommer mit fast 100 wertvollen Originalen aus Rom, Florenz, London, Berlin und Köln zelebriert wird: europäische Mosaikkunst vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.
Dabei springen unterschiedliche Techniken ins Auge: das klassische, seit der Antike übliche Mosaik aus rechteckigen Steinchen; das Ende des 18. Jahrhundert in Rom entwickelte Mikro-Mosaik aus geschnittenen, farbigen Glasfäden; das Florentiner Mosaik aus passgenau geschnitten und fugenlos versetzten, natürlichen Gesteinen (pietra dura).
Die Ausstellung im Überlinger Stadtmuseum zeigt Meisterwerke aus dem Weltkulturerbe Vatikan und Petersdom, die Rom bislang noch nie verlassen haben, wie etwa das spätantike Mosaikbildnis des Heiligen Petrus aus den vatikanischen Grotten, gestiftet von Papst Leo dem Grossen um 450 nach Christus. Es leuchtet und strahlt heute, als ob der Künstler es erst gestern vollendet hätte. Diese frische, unmittelbare Wirkung der Bilder – auch nach 1500 Jahren – ist typisch und einzigartig für Mosaikwerke. Sie prägen sich dem Besucher stark ein. Mir unvergesslich ist die Mosaikdarstellung von Alexander dem Grossen in der Schlacht bei Issos, die in den Ruinen von Pompeji gefunden wurde und heute im Nationalmuseum in Neapel ausgestellt ist.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab Papst Julius II. den Neubau für St. Peter in Auftrag, der die Basilika Alt St. Peter ersetzen sollte. Die grösste Kirche der Christenheit wurde unter Papst Gregor XII. mit prachtvollen Mosaiken ausgestattet, so dass nach und nach alle grossen Altargemälde des Petersdoms durch Mosaikkopien ersetzt wurden. Die Arbeiten zogen sich über Jahrhunderte hin und führten 1727 zur Gründung des «Studio del Mosaico Vaticano» als ständige Einrichtung, die bis heute die Mosaiken des Petersdoms pflegt und Auftragswerke für Kirchen in aller Welt ausführt. Papst Benedikt XVI. überreicht vatikanische Mosaiken als Gastgeschenke auf seinen Reisen, wie 2006 an den Grossmufti von Istanbul, dem er die «Tauben des Plinius» mitbrachte.
Aber nicht nur die Päpste haben die Mosaike geschätzt und in Auftrag gegeben. Als Napoleon 1806 in Mailand «Das letzte Abendmahl» von Leonardo da Vinci sah, war er derart angetan, dass er anordnete, die Darstellung in Mosaik zu reproduzieren, um die farbige Ausstrahlungskraft des Wandgemäldes für spätere Generationen zu erhalten. Infolge wechselnden Kriegsglücks kam das Mosaik dann nach Wien statt, wie vorgesehen, nach Paris.
Dieser kostbaren Gattung der europäischen Malerei, dem Mosaik, widmet sich die Sommerausstellung 2011 der städtischen Galerie Überlingen – in enger Zusammenarbeit mit dem Studio del Mosaico Vaticano der Dombauhütte des Peterdoms in Rom. Sie zeigt Hauptwerke der Mosaikkunst aus den Uffizien, Palazzo Pitti, Villa Borghese u. a. Es ist ein Augenschmaus erster Güte und in jedem Fall eine Reise an den Bodensee wert!
Die Ausstellung läuft bis 9. Oktober 2011, Informationen finden Sie hier.
18.06.2013 00:00 UHR | 0 KOMMENTARE | 182 Leser
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