Die Olympischen Sommerspiele 2012 in London finden vom 27. Juli bis am 12. August statt. Athleten aus der Südostschweiz starten in England nur eine Handvoll. Nicht nur darum bloggt in der Rubrik «London Calling» während dieser Zeit «Südostschweiz»-Sportredaktor Kristian Kapp aus der Kapitale Englands über (fast) alles ausser Sport.
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Minxia Wu – die totale Hingabe für die Medaille

Wie weit geht ein Athlet für eine olympische Medaille? Minxia Wu ging weiter, als sie selbst überhaupt wusste. Die 26-jährige chinesische Wasserspringerin gewann in London vor acht Tagen mit Zi He nach 2004 und 2008 zum dritten Mal hintereinander das Synchronspringen vom 3-Meter-Brett und legte gestern Abend mit Gold im Einzel noch einen drauf.

Wu hat hart gearbeitet für die Triumphe. Ihr Studium sah so aus: Jede Woche drei volle Tage mit acht Stunden Training und vier halbe Tage mit vier Stunden Training. In die Vorlesungen musste, durfte, konnte sie nicht. An den halben Trainingstagen kamen die Professoren in den Schlafsaal zum Privatunterricht. Es sollte keine Minute verschwendet werden. Auch heute trainiert sie immer noch mindestens vier Stunden täglich.

Man fragt sich da, wo die Zeit für Freunde und Familie bleibt. Zu Recht. Denn diese gibt es nicht. Wie Wus Vater Jueming in London dem «Evening Standard» verriet, ist Minxia seit elf Jahren von der Aussenwelt abgeschottet, ihr hartes Trainingcamp wird von der chinesischen Regierung finanziert. «Wir sehen sie kaum und wir sagen ihr nie, was zuhause passiert», so Jueming Wu.

Vor einem Jahr starb Minxia Wus geliebte Grossmutter. Es wurde ihr nicht gesagt, erst nach ihrem ersten Sieg in London vor einer Woche erfuhr sie die traurige Nachricht. «Sie schien etwas zu spüren, denn sie rief uns an, als ihre Grossmutter gestorben war. Wir mussten lügen und sagten ihr, alles sei bestens.» Er habe schon vor Jahren akzeptieren müssen, dass seine Tochter nicht mehr ihm gehöre, sagt Jueming Wu. Die Familie ist nach London gereist, Minxia persönlich zu sehen, war ihr bis zu ihrem ersten Wettkampf verboten. Eine SMS an die Tochter, dass alle gut angekommen seien, war erlaubt. Mehr nicht.

Minxia Wu erfuhr nun nicht nur vom Tod ihrer Grossmutter. Erstmals bekam sie mit, dass ihre Mutter seit acht Jahren an Brustkrebs leidet. Auch das wurde ihr verheimlicht – damit sie nicht ihren Fokus verliert. Minxia Wu opfert nicht bloss alles für ihren Erfolg. Sie opfert mehr, als sie weiss.

  • Datum: 06.08.2012, 13:46 UHR
  • Webcode: 2550841
 

 

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