Rap-Musiker Gimma be- und durchleuchtet in seinem Blog mit bekannt spitzer Feder die EM 2012 von der Couch aus, die Alternativ-WM in Kurdistan vor Ort und den Fussball allgemein. Als Präsident der Unabhängigen Rätischen Amateur-Fussballauswahl (FA Rätia), aber erfolgloser Kicker kennt er die Höhen und Tiefen des magischen Sports. Er weilt vom 3. bis 11. Juni in Kurdistan, freut sich danach aber über jede Einladung zu privaten Fussballabenden!

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Mein Fussballmonat ist vorbei … oder?

Wow. Spanien wurde so Fussball-Europameister, wie ein Panzer einen Stapel A4-Papier-Ordner locht. So, wie Kurdistan Wochen zuvor bei uns Weltmeister wurde, so wie Sepp Blatter Stimmen gewinnt.

Mein Monat Fussball ist vorbei. Ich weine ein bisschen. Viele Leute lesen diese Worte und denken im Hinterkopf an Gimma, den verschrobenen Rapper mit der Kneipe, der auch noch ein wenig über Fussball schreibt, weil er jemanden bei der Zeitung kennt. Dass stimmt so nicht ganz.

Fussball ist – und ich hoffe, das hat durchgeschimmert – eine Philosophie für mich. Mein Verständnis der Identität und Selbstwertung basiert zu einem grossen Teil auf diesem Spiel und sticht des Öfteren Politik aus, weil der reine Sport so direkt ist und meist unbefangen.

Vor drei Jahren bin ich in diese Sportart gerutscht, unvorstellbar wie eine Tolkien-Figur. Mein guter Freund Yacine hat mit mir ein paar Ideen geteilt und gelandet sind wir mit 24 anderen Leuten in Kurdistan als die Bündner Vertretung eines weltweiten Wettbewerbs. Und das, obwohl meine persönliche Bestleitung bis vor Jahren ein Tor gegen Laax war – in einem D-Junioren-Spiel.

Fussball ist für mich, was für viele Kids heutzutage DSDS und Konsorten sind: die Möglichkeit, aus dem nichts kommend viel zu erreichen, wenn man Talent hat und Fleiss zeigt. The American Dream.

Als ich 2006 auf einem Balkon stehend an der Schinkenstrasse auf Mallorca erfuhr, dass ich die Top 20 der Schweizer Hitparade geknackt hatte, war das ein Gefühl, das ich so nie wieder hatte. Ein Rapper aus Graubünden war damals nicht unbedingt das, was man in der Öffentlichkeit als relevanten Künstler anerkannte.

Genauso war die Nacht nach dem 1:0-Sieg unserer FA Raetia gegen die tamilische Auswahl im Nordirak: Ich wusste, dass ich Teil eines grossen Ereignisses war, das es ohne mich nie gegeben hätte – und dass es gleichzeitig unmöglich werden würde, dieses Ereignis zu erklären.

Auch die EM danach barg für mich einige Momente, in denen ich mich besser fühlte, als mit Logik zu erklären ist. England bereitete mir Freude. Cristiano Ronaldo bewies mir mehrfach, dass ein Arschloch Held sein kann. Die Italiener traten in deutsche Eier und Torres konnte ein Tor erzielen, welches ihm bewies, dass er als Joker und Notlösung eben doch der Beste ist. Diese Momente haben mir viel gebracht, ich habe sie gespeichert.

Alternativ-WM und EM sind vorbei. Ich trete in eine Phase der Ruhe von Lederbällen. Mein Blog wurde oft gelesen und ich denke, gerade nach diesem Monat wird sich noch der eine oder andere darauf verirren. Eigentlich würde ich ihn gerne weiterführen. Im August geht es wieder los … Wir spielen gegen Monaco und andere, die Klubs laufen wieder auf, der Ligabetrieb zieht in den Bann – vielleicht gibt es einen Platz, um diesen Blog weiterzuführen. Aber jetzt genehmige ich mir ein gutes Bier, wische mir das Wasser aus der Fresse und bin ein wenig stolz auf diese unglaubliche Zeit.

Danke fürs Lesen. Danke David Sieber fürs Vertrauen, danke Mario Engi fürs Helfen und danke FA Raetia, besonders ein Dank an Yacine Azzouz und Gubert Luck für die abartige Arbeit. Danke.

  • Datum: 02.07.2012, 10:37 UHR
  • Webcode: 2413749
 

 

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