«Ratter, puff, päng.» Plötzlich war mein Auto liegen geblieben. Fazit: Motorschaden. Klar verschlang die alte Karre fast mehr Öl als Benzin, jedoch stecken auch viele schöne Erinnerungen dahinter. Ob Sportklettern in Italien, Bergsteigen am Mont Blanc oder Eisklettern im Wallis, unzählige Erlebnisse verbanden uns. Es war durchaus eine Art Nächstenliebe.
Jedoch war genau diese Nächstenliebe der Grund, dass ich meinem Kollegen für unser geplantes Projekt absagen musste. Anstelle auf dem Parkplatz unterhalb meiner Lieblingswand im Rätikon landete das Auto auf dem Schrottplatz.
Nachdem ich vor zwei Wochen von einem fast zweimonatigen Klettertrip durch Amerika zurückgekehrt war, liess mich der Gedanke nicht mehr los, ein gutes Drytooling-Gebiet zu finden. Drytooling bezeichnet das Klettern mit Pickel und Steigeisen am Felsen, also im Prinzip Eisklettern ohne Eis. Ich weiss – man bestellt auch kein Eis am Stiel ohne Eis, jedoch bildet diese Art des Eiskletterns heute eine wichtige Sparte des Alpinismus. Zudem ist dies für mich eine gute Vorbereitung für das nächste Training mit der Eiskletter-Nationalmannschaft.
So kommt es, dass ich heute – mit Pickel und Steigeisen bewaffnet – auch ohne meine «rostige Liebe» zu einer eisfreien Felswand aufbreche. Jene Felswand ist mir schon lange ins Auge gefallen. Bald erreiche ich diese auch schon, der Felsen entpuppt sich als besser als erwartet. Wunderbarster, steiler Kalk. Mein Plan ist es, einen zentralen Stand einzurichten, an dem ich dann zwei bis drei verschiedene Routen, von oben gesichert, klettern kann. Wie aber kann ich die Mitte der Wand erreichen? Von oben her abzuseilen, sieht aufwendig aus, da das Gestein dort sehr brüchig ist. Ich entdecke jedoch einen Riss, der zu einer geeigneten Stelle führt. Ich sichere mich selber und seile mich ab. So gleite ich zehn Meter am Seil runter und erreiche den Punkt, wo ich mein Seil am besten fixieren kann, um daran zu klettern. Rund 25 Meter misst die Kletterei. Die Hauen meiner Pickel beissen sich in feinsten Rissen fest, Unebenheiten dienen als Tritte. Die Kletterei ist abwechslungsreich und äusserst streng.
Bald geht die Sonne unter. Diese Woche kehre ich jedoch noch einige Male zu dieser Stelle zurück, um für mich den Felsen zu geniessen.



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