Dem Bündner Tourismus geht es zurzeit schlecht. Der Franken ist zu teuer, das Wetter launisch, die Wirtschaft lahmt. Die Deutschen gehen nach Österreich, die Italiener nach Alta Badia, viele Schweizer auch. Und die Asiaten wollen auf den Titlis, die Jungfrau und zum Matterhorn. Ein Ende der Misere ist nicht in Sicht. Ideen sind gefragt.
Langfristig könnten es die Olympischen Winterspiele 2022 (OWS) richten. Namhafte Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), inklusive Präsident Rogge haben signalisiert, dass «weisse Spiele» bei einer Kandidatur Schweiz durchaus Chancen hätten. Und Graubünden hat in einer Evaluation von Bern locker den Zuschlag erhalten. Diesen November soll das Bündner Stimmvolk über eine Kandidatur befinden. Und das dürfte die Haupthürde des Olympiatraums sein.
In meinen drei Jahrzehnten als Kurdirektor habe ich manche Bündner- und Schweizer Olympia-Kandidaturen erlebt, und alle sind gescheitert. Die wenigsten am IOC oder in Bern, die meisten an der Bevölkerung. So sehr unser Tourismus heute Schub und Werbung von «weissen Spielen» brauchen könnte, so schwierig ist es, die Bündner Bevölkerung davon zu überzeugen, dass ein solcher Mega-Anlass mehr bringt, als er kaputt macht.
Trotz Skepsis finde ich, dass Graubünden diesmal die Chance packen und das Feld nicht einfach den Bernern oder Wallisern überlassen sollte. Schon eine Kandidatur bringt der Region viel Geld, Publizität und Winterwerbung. Die Frage ist, wie die grosse „Kiste“ konzipiert werden kann, dass sie für Graubünden Sinn macht und politisch mehrheitsfähig wird. Und die Abstimmung fällt zwischen zwei nationale Urnengänge zu Bau- und Umwelt-Themen, die die Bevölkerung dafür zusätzlich sensibilisieren (Franz Weber und Pro Natura).
Die einzige Erfolgs-Chance sehe ich in einem Konzept, das den Begriff „weisse Spiele“ wörtlich nimmt und tatsächlich nur jene Disziplinen in den Bergen durchführt, die draussen in der Natur stattfinden. Damit kann sich Graubünden optimal präsentieren und – zusammen mit der Schweiz – auf Jahre hinaus als führende Winterferien-Region profilieren. Alle Hallen-Disziplinen – und das ist gut die Hälfte der Wettkämpfe – können irgendwo zwischen Domat/Ems und Zürich stattfinden, ebenfalls die zahlreichen Kongresse und andere Indoor-Veranstaltungen, die im Umfeld von OWS stattfinden. Hier merkt der TV-Zuschauer wenig von Graubünden, mit Ausnahme etwa von der Eishalle Davos, die sicher ausgelastet wird.
Auf diese Weise sind „weisse Spiele“ wirklich weiss und damit glaubwürdig – hoffentlich auch für den Stimmbürger. Das ist gerade in Graubünden, dem Land der Jäger, Fischer und Natursensiblen matchentscheidend. Je mehr Last und grosse Zahlen im Unterland gelassen werden können, umso leichter fällt es, an der Urne, Ja zu stimmen.
Zürich ist mit Davos und St. Moritz mit schnellen Nationalstrassen und komfortablen Eisenbahnen verbunden, was innerhalb der OWS rasche und dichte Mobilität gewährleistet. Das war 2010 in Kanada auch so, nur hiessen die Spiele dort Vancouver und nicht Whistler. Wenn die Bündnerinnen und Bündner im November für wirklich «weisse Spiele» votieren, können diese durchaus St. Moritz heissen…
Es war ja vor etwa 100 Jahren, als in Kreisen von Sportlern und (französischen) Adligen die Idee Olympischer Winterspiele diskutiert wurde, als Ergänzung jener im Sommer, die Baron de Coubertin 1896 nach altgriechischem Vorbild wieder ins Leben gerufen hatte. 1924 fand in Chamonix eine Art Probe-Anlass statt, dem später auf Wunsch der Grande Nation rückwirkend olympischer Status zuerkannt wurde. Die ersten offiziellen Olympischen Winterspiele fanden 1928 in St. Moritz statt. Dort, wo Johannes Badrutt gut 60 Jahre vorher die Wintersaison in den Bergen und den alpinen Wintersport zusammen mit Britischen Gästen erfunden und entwickelt hatte (1864 – 1886).
Nach den gigantischen Spielen von Vancouver und denen, die sich 2014 in Sotschi am Schwarzen Meer und 2018 in Süd-Korea abzeichnen, stünde es der Olympischen Idee gut an, an ihren Ursprung in den Alpen zurückzukehren und sich mit wirklich «weissen Spielen» in vernünftigem Rahmen auf ihre Wurzeln zu besinnen. Graubünden ist dafür von der Geschichte, Landschaft und Natur her der richtige Ort.
18.06.2013 00:00 UHR | 0 KOMMENTARE | 212 Leser
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16.02.2012 14:38 Uhr
Eine exzellente Idee. Die von
Eine exzellente Idee. Die von niemandem anderen als von Hanspeter Danuser kommen musste. Konzept, Begründungen und Fakten sind durchwegs realisierbar. Bravo!