Liebes Volk, vor allem Frauen, auch Männer, aber doch eher Frauen, die sind grundsätzlich interessanter. Männer sind zwar wettbewerbstechnisch spannender. Was labere ich hier eigentlich? Ah ja, genau …
Nach reiflicher Überlegung und in mich gekehrt, bin ich zum Entschluss gekommen, dass die Welt verbessert werden kann. Evaluationen haben ergeben, dass nicht alles verloren ist, Hoffnung bestünde, sogar optional ohne beten und mit Eigenverantwortung, Brimborium trallala und ab die Post: Ich werde He-Man-Baby! Ich habe reelle Aussenseiterchancen. In allem, was es überhaupt gibt.
Regeln wir aber vorab meine Bedingungen. Das muss man vorher, denn nachher wird man immer beschissen – habe ich kürzlich gelernt beim Kulturgeld. Ich konzentriere mich deshalb auf die Einkünfte, denn Fronarbeit und freiwillige Sozialstunden sind nicht essbar. Ausserdem will ich einen Anzug – Comme des Garçons –, weil dies todschick ist.
Ein Büro ist zwingend. Mit einem Foto von mir, wie ich ein Robbenbaby aus den Fängen eines wütenden japanischen Jägers reisse. Ich voller Blut, unten steht in gelb/schwarz «Fuk-u-Schimma!».
Und Bilder will ich. Da würde ich einen Anker neben einen Basquiat hängen, damit Atomrechte und trendy Sozio-Hippies gleichzeitig abkotzen. Eine Scherpe will ich. Da steht dann drauf: «Gian-Marco, er ist so hot right now!» Ist zwar zu lang, aber könnte man hinkriegen. Sonst klingt «Gian-Marco, er ist» nach einem grossen Philosophen.
Ein Krönchen habe ich ebenfalls angedacht, aber das wird ein Fall für die First Lady! Mir schwebt ein Import vor, first round draftpick von der Uni, der sexy Lüderlein: eher Stripperin als Wetterfee, aber dann auch wieder eher minim Nobelpreis als Wetterfee (Notiz an mich: Cecile Bähler von Liste streichen und Leila Grolimund perverse E-Mail schreiben und Notiz hier anschliessend löschen).
Haben wir die Rahmenbedingungen. Normal würde ich das nun Folgende nicht erwägen, aber da wir hier durchgreifen fürs Volk, muss ich alle Register ziehen: Ich bin Promi. Huch, jetzt ist es raus. Jetzt geht es mir schon viel besser.
Nein, quatsch, aber das kann ein Vorteil werden. Zumindest wenn ich nicht Paul Accola bin, der Menzi-Muck-Flüsterer. Werde ich zum Beispiel – ja, ja Beispiel, ha ha – für ein lokales, politisches Amt kandidieren, explodiert umgehend der Absatz an Deos. Da würden einige Leute einschwitzen wie Verbandsschwinger beim Gedanken an ihre Sponsoring-Abgaben. Und zwar nur schon, weil ich de facto prominent bin. Angstschweiss: Der Typ ist elend!
Und dann kommt da noch der Faktor Prinzipien: Leute, die meine Musik scheisse finden, merken dank dieser Kolumne endgültig, dass ich welche habe. Das meiste kritisiere ich ja nicht für mein Missen-penetrierendes Ego. Für das Ego habe ich ja die Missen! Gradlinig sein, so dass Parteien Gschenkli schicken aus Angst, ich könnte zur Konkurrenz gehen oder zu ihnen kommen. Ausser die Grünen, die lassen einen wurmstichigen Bioapfel von einer unter fairen Bedingungen aufgezogenen, roten, gehbehinderten Kosovo-IV-Taube namens «Che-trim» einfliegen. Ich würde doch so gerne einer Partei angehören. Radikale Mitte, so siehts aus. Punktuell zu radikal, gesamthaft Superschwiizer. Oh, ganz vergessen, dieses Wort habe ja auch ich erfunden – rieche ich da Achseln?
Okay, es ist offensichtlich: Ich wäre zwar genau so ein Heuchler wie all die anderen politischen Blender und würde nur egoistische Ziele verfolgen, unfair. Aber im Gegensatz zu denen habe ich wenigstens vorher angekündigt, warum ich geil auf Macht bin und habe nicht auf Apostel gemacht – als Judas. Abgesehen davon ist Politik für mich kein Fame-Faktor, ich war ja schon wesentlich bekannter.
Lassen wir also die Katze aus dem Sack: Ich kandidiere. Gemeinderat Chur, Gemeindepräsident Haldenstein, … Wo genau, sehe ich dann noch, je nach Lust und Laune, wem ich dann helfen will. Eventuell zwar auch als Sekretärin für den Riesenhasenverein Felsberg. Mir doch wurst. Ich will einfach die Grolimund und diese Scherpe. Weil: Ich bin.
PS: Falls die politischen Brüalis unter Ihnen müde lächeln und denken, ich hätte keinen Plan von Lokalpolitik, habe ich einen Tipp: Konsultieren Sie die Abstimmungsresultate der Gemeinderatswahlen Chur 2004. Suchen Sie auf Liste 2 nach mir und denken Sie daran: Ich war damals alles andere als Kolumnist und Promi. Und dann gehen Sie bitte ein Deo kaufen.
29.08.2011 19:01 UHR | 1 KOMMENTARE | 1,850 Leser
22.08.2011 17:36 UHR | 0 KOMMENTARE | 1,290 Leser
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11.04.2011 18:00 UHR | 0 KOMMENTARE | 3,985 Leser
12.07.2011 15:54 Uhr
Satire auf ...?
Zitat: "Lassen wir also die Katze aus dem Sack: Ich kandidiere. Gemeinderat Chur, Gemeindepräsident Haldenstein, … Wo genau, sehe ich dann noch, je nach Lust und Laune, wem ich dann helfen will. Eventuell zwar auch als Sekretärin für den Riesenhasenverein Felsberg. Mir doch wurst. Ich will einfach die Grolimund und diese Scherpe. Weil: Ich bin."
War diese Kolumne als Satire auf die Stadtrats-Kandidatur des Bierhallenfürsten gedacht, oder fällt das in die Rubrik "unfreiwilliger Humor"?