Graubünden ist das «Land der 150 Täler», hat aber nur wenig global bekannte Marken von touristischer Relevanz. St. Moritz, Davos, Glacier-Express, Heidi, Giacometti sind heute auf allen Kontinenten bekannt, werden in Australien oder Argentinien aber eher mit der Schweiz assoziiert als mit Graubünden, dessen Bekanntheit sich aus verschiedenen Gründen auf den deutschsprachigen Raum beschränkt.
Globales Potenzial hat sicher auch der Name Bernina, doch muss er gezielter gefördert und mit strategischen Allianzen gestärkt werden.
Fünf bis sechs Weltmarken für den grössten Schweizer Kanton tönt bescheiden, ist aber ein gewaltiges Portfolio, wenn Sie bedenken, wie wertvoll solche Namen heute sind und wie viel Zeit und Geld es bräuchte, sie auf den heutigen Stand aufzubauen. Für die Bündner Wirtschaft sind sie deshalb so wichtig, weil sie die wirksamsten Speerspitzen darstellen, mit denen die «neuen» Fernmärkte, von denen plötzlich alle sprechen, erobert werden können.
Während die globalen Ferienmarken von den Touristikern über Jahrzehnte hinweg mit viel Einsatz und wenig Mitteln aufgebaut wurden, sind Heidi und Giacometti gewissermassen «geschenkt» und müssen nur noch «touristisch aufbereitet» werden. Sie sollten für ihre Zielgruppen begehrlich und erlebbar gemacht werden, ohne dadurch auf Dauer Schaden zu nehmen. Sowohl bei Giacometti als auch bei Heidi wurden – zufällig – in der letzten Aprilwoche 2012 dazu wichtige Weichen gestellt.
Giacometti
Das Bergell hat dem Projekt Centro Giacometti in einer gut besuchten Gemeindeversammlung klar zugestimmt. Damit kann Graubünden – bei erfolgreicher Finanzierung – innert weniger Jahre in die «Champions League der Kunst» aufsteigen und den bisherigen Giacometti-Zentren Paris und Zürich ein drittes, authentisches Zentrum am originalen Standort beistellen. Alberto Giacometti steht heute auf Augenhöhe mit Picasso – seine Werke stehen in den wichtigsten Kunstmuseen der Welt.
Heidi
In Maienfeld trafen sich die Präsidenten und Direktoren der drei Aktiengesellschaften Heididorf, Heidiland Tourismus und Bergbahnen Grüsch-Danusa zu einem Podiumsgespräch. Anlass dazu war die Absicht der Bergbahnen, einen Erlebnispark zum Thema Heidi für Berg und Tal zu realisieren. Das Gespräch endete in einer Harmonie, die noch vor wenigen Jahren undenkbar war. Die Bereitschaft zur gegenseitigen Absprache, Koordination und Zusammenarbeit der drei erwähnten, erfolgreichen Betriebe wurde allseits bestätigt. Synergien sollen geschaffen, die Marke Heidi gestärkt, das Sommergeschäft gemeinsam angekurbelt werden, über Rhein-, Kantons- und Destinationsgrenzen hinweg, ganz wie Markt und Nachfrage es wollen und erwarten. Beispiele wie die Jungfraubahnen (und deren Allianz mit dem Europapark Rust) wurden genannt, engere Zusammenarbeit mit der Autobahnraststätte Heidiland, sich ergänzende Angebotspaletten etc. Heidi ist als Marke in der Tat stärker, bekannter und populärer als die Jungfrau. Sie eignet sich perfekt für Familien und kann ihre Fans praktisch dreimal «abholen»: als Kind, als Eltern mit Kindern, als Grosseltern mit Kindern. Was die Jungfrau-Leute – zusätzlich zur epochalen Bahn – bisher ungleich besser gemacht haben als die Bündner, sind Marketing, Markenpflege, exzellente Marktbearbeitung nah (z.B. Rust) und fern (gut 40 Prozent Gäste aus Asien).
Fazit
Nutzen wir unsere Marken – nicht nur die global bekannten – und lernen wir von unseren Mitbewerbern, wie wir sie wirksam in den richtigen Märkten einsetzen! Eines ist sicher: Mit der bisherigen "Stellvertreter-Promotion", mit Inserate-, Plakate- und TV-Kampagnen ist wenig zu bewegen. Die Chefs müssen selber an die Front und dort persönlich Kontakte und Vertrauen aufbauen. Was in anderen Branchen völlig normal ist, ist im Menschengeschäft Tourismus gar besonders wichtig.
18.06.2013 00:00 UHR | 0 KOMMENTARE | 182 Leser
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15.05.2012 21:56 Uhr
Die Krux: Chefs als Markenbotschafter
Herr Danuser, bereits in Ihrem Blogbeitrag von Februar 2012 (Fehlende Gäste: Das grosse Jammern) wie auch im aktuellen Beitrag streichen Sie die Wichtigkeit heraus, dass Marken von den „Chefs“ persönlich an der Front und im Markt präsentiert werden, um es mal so auszudrücken. Nun, da stimme ich Ihnen zu 101% zu, absolut richtig und aus Marketingsicht natürlich auf den Punkt gebracht. Aus meiner Sicht kommt in Ihrer Analyse und Handlungsempfehlung jedoch ein (wichtiger) Aspekt etwas zu kurz, welchen ich in folgenden vier Thesen ergänzend einbringen möchte:
These 1
Marken werden von Menschen gemacht. Noch konkreter: Marken werden von Persönlichkeiten gemacht. Starke Marken haben ein klares Profil. Starke Marken können nur von starken, charismatischen Persönlichkeiten gemacht, präsentiert und erfolgreich vermarktet werden. Dies gilt natürlich für das gesamte Marketing Wobei der Begriff „Vermarktung“ viele Facetten beinhaltet
These 2
Marken persönlich „auf dem Markt präsentieren“, in welcher Form auch immer, heisst nicht, eine Marke zu zeigen/vorzustellen oder eine Marketingkampagne vorzustellen, sondern die Marke durch seine eigene Persönlichkeit „leben“ und sie dadurch authentisch mit den Markenwerten „erlebbar“ zu machen
These 3
Solche „Persönlichkeiten“, mit einem klaren Profil, klaren Vorstellungen sowie auch mit Ecken und Kanten, sind nicht wie Sand am Meer zu finden. Oder noch klarer ausgedrückt. Solche Persönlichkeiten werden in Unternehmen, Organisationen usw. auch nicht immer nur mit „Freude“ gesehen, um es mal etwas salopp zu formulieren
These 4
Sie, Herr Danuser, gehören zu diesen charismatischen Persönlichkeiten, welche die Marke St. Moritz absolut authentisch gelebt und exzellent „vermarktet“ hat, in allen (Marketing)Facetten und überall, wo Sie aufgetreten sind. Spontan kann man in diesem Zusammenhang auch weitere Persönlichkeiten wie Reto Gurtner oder auch Kurt H. Illi(†) aus dem Tourismus erwähnen. Aber auch grosse Marken/Unternehmen werden von einzelnen Persönlichkeiten sehr stark geprägt, wie z.Bsp. Nicolas Hayek(†), Steve Jobs(†) oder auch Richard Brandson, um nur einige zu erwähnen. Alle diese „Markenbotschafter“ haben etwas gemeinsam: Eine starke Persönlichkeit und ein klares Profil
Mein Fazit zu Chefs an die Marktfront: Ihre berechtige „Forderung“, Empfehlung oder wie man es auch immer nennen will, ist absolut richtig, keine Frage. Nur, Chefs/CEO’s sind nicht (immer) gleich begnadete Markenbotschafter. Und Markenbotschafter, eben charismatische Persönlichkeiten mit Profil, sind nicht so einfach zu finden.
Und noch zum Schluss. Es wäre sicherlich ein Gewinn für die Tourismusmarke Graubünden, wenn Sie der neue Präsident von Graubünden Ferien würden. Meine Stimme haben Sie auf jeden Fall, obwohl ich nicht „wählen kann“
15.05.2012 06:50 Uhr
Giacometti...
ist keine Marke, sondern ein verstorbener Mensch und Künstler.