Die Wut auf der Strasse unterlag in Florida der Übermacht des Geldes und bescherte Mitt Romney seinen ersten echten Sieg bei den Vorwahlen um die republikanische Präsidentschafts-Kandidatur. Mit etwas mehr als 46 Prozent der Stimmen hängte er Newt Gingrich um 14 Punkte ab. Rick Santorum holte 13 Prozent und Ron Paul sieben Prozent.
Der Favorit des Partei-Establishments drehte das Ergebnis von South Carolina um und feierte in Florida sein Comeback als Spitzenreiter im Rennen um die Nominierung. Möglich machten es Rekordausgaben für negative Fernsehwerbung, in denen Romney seinen Gegenspieler als unsteten und unberechenbaren Charakter darstellte. Der Wahlsieger legte für rund 8000 ausgestrahlte Werbespots fast sechzehn Millionen Dollar auf den Tisch. Vier Mal so viel wie Gingrich, der nicht über dieselben Ressourcen verfügt.
«Umkämpfte Vorwahlen teilen und nicht, sondern bereiten uns auf den Herbst vor», versucht der Gewinner von Florida in seiner vom Tele-Prompter abgelesenen Rede über den bitteren Ton dieses Wahlkampfes hinweg zu gehen. Eine Auseinandersetzung, die persönlich und ideologisch tiefere Gräben bei den Republikanern aufgerissen hat als Hillary Clinton und Barack Obama bei den Demokraten vor vier Jahren.

Damit auch bloss niemand seine Intention missversteht, sprach Newt hinter einem Pult vor dem eine Papptafel mit den fetten weissen Lettern «46 states to go» prangte. «Lassen Sie mich Ihnen heute Nacht versichern», machte der Kandidat der Wutbürger seinen Anhängern Mut, «wir werden überall antreten und in Tampa die Nominierung holen.» Florida habe die Primaries zu einem Zwei-Mann-Rennen gemacht, bei dem die Partei die Wahl zwischen einem «Moderaten aus Massachusetts und einem Reagan-Konservativen» habe.
In Florida gab es nicht genügend Tea-Party-Anhänger und christliche Fundamentalisten, um Newt die 50 Delegierten zu geben. Er holte laut Nachwahlumfragenzwar denselben Anteil dieser Gruppe wie in South Carolina (4 von 10), aber das waren im Sonnenstaat bei weitem nicht genug, die wohlhabenden Senioren, die aus dem Norden hierhin zogen und die moderateren Wähler zu überstimmen.
Gingrich hat darüber hinaus ein erhebliches «Frauenproblem». Mit 52 zu 28 Prozent stimmten die Republikanerinnen für Romney. Das der Kandidat seine beiden ersten Frauen verliess als diese an Krebs bzw. MS erkrankt waren, nehmen dem Moralapostel viele übel.
Nüchtern betrachtet hat Gingrich trotz der Schlappe keinen Grund das Rennen zu verlassen. Romney müsste von jetzt an einschliesslich der Wahlen in Kalifornien und mehreren anderen Staaten am 5. Juni 60 Prozent aller Delegierten zum Wahlparteitag gewinnen, um dort die erforderliche Mehrheit zu haben.
Da die Delegierten nun wieder proportional vergeben werden, ist die Aufgabe schwieriger als die Spinmeister des Wahlsiegers glauben machen wollen. Keiner der drei übrigen Kandidaten plant in naher Zukunft auszusteigen. Und solange jemand Gingrich sponsert, wird er genügend Ressourcen haben, eine «Südstaaten»-Strategie zu verfolgen.
Der Ober-Wutbürger muss irgendwie durch den Februar kommen, in dem ein paar kleinere Staaten wählen, die ihm nicht gewogen sind und auch keine Fernsehdebatten anstehen. Die grösste Gefahr für ihn besteht darin, dass ihm in dieser Zeit das Geld ausgeht.
Für Romney gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Vier von zehn Wählern sagen in Florida, sie sähen lieber noch einen anderen Kandidaten in das Rennen um die Nominierung einsteigen. Nicht gerade ein Vertrauenserweis.
Wie auch die Schlammschlacht zwischen den Kandidaten beim Sieger Spuren hinterlassen hat, die ihm bei einer Auseinandersetzung mit Barack Obama im Herbst erheblich schaden dürfte. Die Unabhängigen laufen Romney seit Beginn der heissen Phase der Vorwahlen in Scharen davon. Obama führt bei dieser wahlentscheidenden Gruppejetzt mit 44 zu 36 Prozent.
In Florida war die Sorge vor einem Präsidentschafts-Kandidaten Gingrich grösser als die Begeisterung für Romney. Wozu der bombastische Speaker selber mehr beigetragen hat als jeder andere. In der Wahlnacht gab er eine Kostprobe, die erklärt, warum.
Nachdem er seine weitere Strategie ausgebreitet hatte, fing Newt an, in seiner selbstgefälligen Art über seine ersten Stunden im Weissen Haus zu fantasieren. In diesem Moment wirkte er so entrückt wie vor knapp einer Woche als er den Bewohnern der Weltraumküste versprach, zum Ende seiner «zweiten Amtszeit» eine Kolonie auf dem Mond zu errichten. Beides wird nicht passieren.
16.05.2012 05:50 UHR | 0 KOMMENTARE | 73 Leser
15.05.2012 05:00 UHR | 0 KOMMENTARE | 150 Leser
14.05.2012 05:30 UHR | 0 KOMMENTARE | 142 Leser
13.05.2012 00:40 UHR | 0 KOMMENTARE | 133 Leser
11.05.2012 06:40 UHR | 0 KOMMENTARE | 211 Leser
10.05.2012 06:50 UHR | 0 KOMMENTARE | 157 Leser
09.05.2012 03:30 UHR | 0 KOMMENTARE | 274 Leser
08.05.2012 06:00 UHR | 0 KOMMENTARE | 255 Leser
07.05.2012 05:00 UHR | 0 KOMMENTARE | 181 Leser
06.05.2012 07:50 UHR | 0 KOMMENTARE | 250 Leser
04.05.2012 06:30 UHR | 0 KOMMENTARE | 657 Leser
03.05.2012 04:50 UHR | 0 KOMMENTARE | 581 Leser
02.05.2012 04:01 UHR | 0 KOMMENTARE | 500 Leser
01.05.2012 02:30 UHR | 0 KOMMENTARE | 555 Leser
30.04.2012 03:40 UHR | 0 KOMMENTARE | 378 Leser
29.04.2012 01:51 UHR | 0 KOMMENTARE | 398 Leser
27.04.2012 16:20 UHR | 0 KOMMENTARE | 349 Leser
26.04.2012 13:50 UHR | 0 KOMMENTARE | 370 Leser
25.04.2012 06:20 UHR | 0 KOMMENTARE | 445 Leser
24.04.2012 03:00 UHR | 0 KOMMENTARE | 401 Leser
08.02.2012 16:21 Uhr
Chancen von Paul intakt
Herr Spang, ich bin Schreiber im besagten Ron Paul-Blog und komme aus Graubünden. Deshalb lese ich die SO regelmässig und ging heute mal auf den Spang's Spin. Schön, dass jemand auch nach Paul gefragt hat, da Sie diesen in Ihrer Berichterstattung völlig aussen vor lassen. Ansonsten ist an Ihren Artikeln nichts auszusetzen. Ihr Urteil über Paul hier erscheint mir ein bisschen hart. Die Chancen sind weiterhin intakt, v.a. nach gestrigem Ergebnis. Und gemäss einer US-weiten Umfrage ist Paul nun mit 21 % an zweiter Position hinter Romney (=29 %). Paul's Zahlen sind steigend. Wie wir bei den gestrigen Staaten gesehen haben ist das Feld fragil und das Rennen weit offen. Ich stimme mit Ihnen überein, dass es für Paul interessanter werden könnte wenn Romney am Parteitag keine Mehrheit hat. Und es deutet vieles darauf hin, dass es nach Langem wieder zu einer Brokered Convention kommen könnte. Und da hat Ron Paul ausserordentlich gute Chancen (siehe Artikel im Blog). Third Party denke ich persönlich nicht, denn dies würde seinem Sohn Rand (erfolgreicher republikanischer Senator und evtl. Kadnidat 2016) zu sehr schaden.
05.02.2012 19:56 Uhr
Völlig chancenlos
Wie sie an dem Schweizer Ron Paul Blog sehen, gibt es einen harten Kern begeisterter Paul-Anhänger. Er ist sicher der intellektuell aufrichtigste Kandidat im Feld, aber völlig chancenlos. In der GOP kommt er wegen seiner Außen- und Drogenpolitik nicht an, bei den Demokraten wegen seiner libertären Einstellung zum Staat. Seine Anhänger folgen ihm oft von Staat zu Staat. Ich war bei Veranstaltungen, wo ich mindestens so viele Teilnehmer von außerhalb des Bundesstaates mit Wahlen getroffen habe, wie Wahlbürger. Professionell betrachtet ist Paul eine Side-Show, die interessanter werden könnte, wenn Romney für den Parteitag keine Mehrheit bekommt oder Paul als Unabhängiger im November antritt.
Herzliche Grüße aus Washington
Thomas Spang
01.02.2012 15:57 Uhr
Was halten Sie von Ron Paul?
Mich würde interessieren wie Sie die Chancen von Ron Paul einschätzen. Es gibt ja in der CH eine breite Unterstützergruppe für Paul. Dieser Blog beschreibt die Chancen für in als weiterhin intakt. Was meinen Sie dazu?
http://switzerland4paul.blogspot.com/