Ich habe bereits über diverse illustre Persönlichkeiten geschrieben. Über Jesus, den Vater von Jesus, unseren Stadtpräsidenten, den ein oder anderen Ordnungshüter, ja sogar über ganze Bevölkerungsgruppen.
Doch es gibt eine Person, welcher ich schon lange einen Beitrag widmen wollte. Und zwar handelt es sich um diesen aufgestellten Mann, der mit seinem «Kübelwaga» durch die Churer Innenstadt tourt und täglich seinen Job macht – egal ob es stürmt oder die Sonne vom Himmel brennt (Letzteres traf zumindest diesen Sommer bisher zwar nicht so oft zu).
Ich möchte euch restlichen Müllmänner an dieser Stelle nicht in den Schatten dieses Fischermützen tragenden Mannes stellen. Ich denke, ich spreche für jede und jeden meiner gewogenen Leserinnen und Leser, wenn ich sage, dass euer Job schlicht und einfach ein leider unbeachteter und vor allem selten geschätzter ist, obwohl euch eigentlich ein mehr als grosses Lob zusteht. Ich hatte das Glück, in meinem noch jungen Leben doch schon in ein paar Städten zu Gast gewesen zu sein und kann daher mit gutem Gewissen sagen, dass Chur eine unglaublich saubere und – so komisch dies hier auch klingen mag – appetitliche Stadt ist. Danke, dass ihr Müllmänner dafür sorgt, dass es auch so bleibt, unabhängig davon, wie viele betrunkene Vollidioten im Welschdörfli am Wochenende ihren Mageninhalt auf der Strasse hinterlassen und wie viele faule Kantischüler ihr halbes Mittagessen auf den Parkbänken beim Bündner Kunstmuseum liegen lassen. Ja, ich darf so sprechen, schliesslich bekenne ich mich in beiden Vergehen mehrfach schuldig.
Und in genau solchen Momenten bewundere ich den Herrn mit dem Fischercap und dem Besenwagen. Egal wie dumm sich pubertierende Kids auch benehmen mögen – er macht in Ruhe seinen Job und kontert mit einem Lächeln oder einem Spruch auf kindische Witze bezüglich seines Berufes, als hätte er nur auf eine Provokation gewartet, um seine Routine zeigen zu können.
Hinzu kommt, dass er mit Leidenschaft bei der Sache zu sein scheint und das mag ich ihm gönnen. Es gibt genügend Menschen, die gelangweilt auf dem Bürostuhl sitzen oder beim Wändestreichen fast einschlafen. Einen Beruf zu haben, welchen man mit Passion ausübt, das ist wahrlich ein Luxus – zumindest meines Erachtens. Und ich spreche gerne mit Menschen, die ihren Job lieben. Ich ziehe aus solchen Gesprächen jeweils gute Erkenntnisse.
Lieber Müllmann, sollten Sie also mal in der Nähe sein, kommen Sie vorbei und wir trinken einen Kaffee. Mich würde es freuen, mich mit Ihnen auszutauschen und zu sehen, was Sie bewegt und wie Sie Ihren Job erleben. Die Tür ist jedenfalls offen und ich bin gespannt. Aber ich gebe Ihnen noch einen kleinen Tipp: Ketten Sie den Besenwagen am besten an einen Veloständer oder ähnliches. Ich habe gehört, zweirädrige Fahrzeuge werden in dieser Stadt gerne entwendet – egal wie auffällig sie sind. In diesem Sinne, viel Erfolg auf Ihrem weiteren Weg und vielleicht bis einmal zum Kaffee.
30.10.2012 01:04 UHR | 1 KOMMENTARE | 1,773 Leser
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