Seit 1999 berichtet «Südostschweiz»-Korrespondent Thomas J. Spang für deutschsprachige Tageszeitungen über das politische Geschehen in Washington. Dieses Jahr begleitet der USA-Kenner die vierten amerikanischen Präsidentschaftswahlen vor Ort – und dies erstmals auch online mit dem Wahlkampf-Blog «Spang's Spin» auf «suedostschweiz.ch».

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Der “Rosen”-Krieg

Die Verzweiflung im Romney-Lager muss groß sein. Voller Empörung stürzt sich der designierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner auf eine CNN-Analystin, die den Demokraten nahe steht.

Hillary Rosen hatte auf der Mattscheibe die Ansicht geäußert, Mitt Romneys Frau Ann sei keine gute Ratgeberin in Fragen des Berufslebens, weil sie “keinen Tag in ihrem Leben gearbeitet hat”.

Ohne Zweifel eine dümmliche Polemik, die bei aller Kritik an dem Spitzenreiter der Republikaner nichts in der Öffentlichkeit zu suchen hat. Zumal die Erziehung von fünf Kindern bei jedem, der nur eines hat, als “Arbeit” durchgeht.

Rosen entschuldigte sich umgehend bei Ann Romney und allen Müttern, die sich angegriffen fühlten. “Als Kommentatorin hätte ich wissen sollen, das meine Worte ärmlich gewählt waren.”

Präsident Obama, Ehefrau Michelle und Team Obama distanzierten sich von Rosen, die in keinerlei Verbindung zum Weißen Haus oder dem Wahlkampfteam steht. Tatsächlich war Rosen 2008 eine lautstarke Unterstützen Hillary Clintons.

Ungeachtet dessen sah Romney in den unbedachten Äußerungen der Kommentatorin eine willkommene Gelegenheit, von den eigenen Frauen-Problemen abzulenken. In mehreren Umfragen liegt Mitt bei den Wählerinnen fast 20 Punkte hinter Obama zurück. Romney muss diesen Abstand verkleinern, wenn er im Herbst eine Chance haben will.

Der Kandidat machte aus Rosen fälschlicherweise eine “Obama-Vertraute” und empörte sich dann scheinheilig über Obamas angebliche Geringschätzung von Müttern, die zuhause bleiben. Ehefrau Ann erregte sich auf FOX über die Bemerkungen. “Meine Karrie-Entscheidung war, eine Mutter zu werden”.

Für einen Nachrichten-Zyklus hat Romney Oberwasser. Danach dürfte dem letzten klar sein, dass die ganze Aufregung fabriziert ist. Während der republikanische Präsidentschaftskandidat persönlich im Vorwahlkampf frauenfeindliche  Positionen formulierte, versucht er Obama mit jemanden zu assoziieren, der nichts mit dem Präsidenten zu tun hat.

Wenn sich der Sturm im Wasserglas gelegt hat, dürfte etwas anderes zum Vorschein kommen: Ann Romney konnte eine “Karriere als Mutter” wählen, wie sie sagt, weil Mitt Millionen mit nach Hause brachte. Die meisten Amerikanerinnen haben diese Wahl nicht. Sie müssen arbeiten, ob sie wollen oder nicht.

Ganz nebenbei: Frauen, die sich keine Kinderfrau oder Au-Pair leisten können, müssen ganz selbstverständlich zwei Jobs arbeiten. Den einen, den Ann Romney exklusiv zuhause hat. Und den anderen in der Arbeitswelt. Dabei kann die Frau des Multimillionärs tatsächlich nicht mitreden.

  • Date: 13.04.2012, 06:20 hours
  • Webcode: 1996909
 

 

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