Die zwei jungen Bündner Alpinisten Gian Sebregondi und David Hefti gehören dem Expeditionsteam des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) an und sind regelmässig in Fels, Eis und Schnee anzutreffen. Das SAC-Projekt wird im Sommer 2012 mit einer Expedition ins Hochland von Peru abgeschlossen. Gian und David bloggen an dieser Stelle von ihren Erlebnissen während ihren Vorbereitungen auf die Expedition.

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Das Leben ist (k)ein Wettkampf

Alles passt zusammen. Meine Motivation, meine Ausrüstung, mein körperliches Befinden, mein Vertrauen in mich selbst. Alles. Ein halbes Jahr habe ich mich auf diese wenigen Minuten und Sekunden vorbereitet. Ich klettere sehr selbstsicher und schnell, da ich weiss, dass ich diesen Schwierigkeiten gewachsen bin. Vielleicht zu sicher?

Ich zögere nicht, bin nicht nervös wie letztes Jahr. Ich stemme mich an einem seitlichen Steingriff wuchtig hoch, um den Beginn eines künstlichen Eiselements zu erreichen. Dabei bin ich jedoch kurz unachtsam und merke nicht, wie sich mein Pickel leicht zur Seite dreht. Päng! Noch bevor ich reagieren kann, stürze ich überraschend ins Sicherungsseil.

Am Abend erhalte ich jedoch noch eine Chance in der Disziplin «Speed» ins Finale zu gelangen – meiner Paradedisziplin. Dabei hat man zwei Versuche, eine rund zwölf Meter hohe Eismauer so schnell wie möglich hoch zu klettern; der bessere der beiden Durchgänge wird gewertet. Meine letzte Enttäuschung vom Nachmittag wandelte sich nun in pure Motivation um. Beim ersten Run klettere ich jedoch zu energisch, was dazu führt, dass meine Pickel ganze vier Mal im Eis hängen bleiben. Zuletzt geschieht dies noch direkt unter dem Top, welches man normalerweise anspringt, um dort den Pickel gegen den Schaltknopf zu schlagen, der die Zeit stoppt. Da mein Pickel jedoch hängen bleibt, springe ich ab und schlage den Knopf kurzentschlossen mit den Händen: 11.10 Sekunden. Ich staune, trotz so vieler Probleme war dies die schnellste schweizerische Zeit im ersten Durchgang.

Beim zweiten Durchgang soll mir nichts mehr im Weg stehen. «Three, Two, One, Go». Adrenalin schiesst durch meine Adern, mein Puls erhöht sich gegen 200 Schläge pro Minute. Schreiend wuchte ich meinen Körper die senkrechte Wand empor, schnell gerät das Top in Sichtbarkeit. Ich springe mit voller Kraft ab, merke jedoch erst während des Sprungs, dass die Distanz riesig ist. Trotzdem durchschiesse ich den letzten Meter und treffe den Buzzer punktgenau. Erst als mich das Sicherungspersonal am Seil zu Boden lässt, kann ich mich drehen, um einen Blick auf die Zeittafel zu werfen. Ich sehe noch kurz eine Zehn vorbeihuschen, dann eine Elf und eine Zwölf. Was war passiert? Wieso hat diese verdammte Uhr nicht gestoppt? Plötzlich spüre ich auch noch einen stechenden Schmerz im rechten Knie. Ich werde zur Kontrolle in die Sanität gebracht. Nur eine Schürfung, nach ordentlichem Kühlen und Verbinden stehe ich wieder auf den Beinen.

Mein Trainer erklärt mir, dass sich mein Sicherungsseil genau vor dem Knopf befand und dieses so das aktivieren des Knopfes verhinderte. Eine Nullwertung. Enttäuscht muss ich einsehen, dass bei mir also der erste Lauf gewertet wurde, bei dem so viel schief ging. Wäre ich 0.31 Sekunden schneller gewesen, wäre ich immerhin landesweit auf Platz 3 und international auch besser rangiert als auf Platz 22. Ich denke an den letzten internationalen Wettkampf zurück, bei dem ich in der Gesamtwertung auf Platz 11 erreichte, landesweit Platz 4. Jedoch denke ich auch an den Spruch: Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär ich schon längst Millionär. Vor allem in einer Randsportart wie beim Eisklettern ist sind das Entscheidende der Spass und die Erlebnisse mit guten Freunden. Trotz so einem unglücklichen Saisonstart und meiner Unzufriedenheit über meine eigene Leistung verliere ich nicht den Mut, bereits nächste Woche am Worldcup in Frankreich alles zu geben.

  • Date: 28.01.2012, 22:00 hours
  • Webcode: 1346305
 

 

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