Wer sich ernsthaft mit der Natur beschäftigt, gerät immer wieder ins Spannungsfeld Natur–Mensch. Ist der Mensch ein Teil der Natur oder hat er sich mit seiner Kultur und Technik bereits aus ihr verabschiedet? Diese Fragen beschäftigen Jürg Paul Müller als Biologe seit Jahr und Tag. Im Blog nimmt er Sie in seine Gedankenwelt mit. 

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Das christliche Osterfest, der Osterhase und die Ostereier

Herzige Osterhasen und bunte Ostereier sind die beliebten Symbole für Ostern. Als Zoologe möchte ich gerne verstehen, was die Eier mit einem Hasen und schliesslich mit der Auferstehung Christi zu tun haben.

Eine Gemeinsamkeit ist deutlich: Hasen und Eier sind Symbole für die Fruchtbarkeit. Unser Feldhase bringt pro Jahr bis zu vier Würfe mit je drei bis vier Jungen zur Welt, das sind insgesamt mehr als ein gutes Dutzend Nachkommen. Das ist viel für ein Säugetier dieser Grösse. Mit Eiern pflanzen sich fast alle Tiere fort, von den Schnecken über die Insekten bis hin zu den Vögeln. Nur die Säugetiere – und damit auch der Hase - sind fast ausnahmslos lebendgebärend. Und da im Frühling Ostara, ein heidnisches Fest der Fruchtbarkeit gefeiert wurde, boten sich Hasen und Eier als Oster-Symbolik auch noch an als mit der Christianiserung das Ostarafest zu Ostern wurde. Es ist ja immer ungeschickt, den Menschen ein Fest wegzunehmen. Mag sein, dass es so war, genau lässt sich das nicht mehr nachverfolgen.

Und wie geht es den Ostersymbolen? Dem Feldhasen nützt seine Fruchtbarkeit nicht mehr viel. In weiten Teilen Europas ist die Kulturlandschaft zu einer  landwirtschaftlichen Produktionswüste geworden, in welcher der Feldhase ums Überleben kämpft.  Die Ostereier sind in der Regel  Produkte von Hochleistungshühnern, die in vielen Ländern Europas unter unwürdigen Bedingungen leben und in ihrem „Arbeitsjahr“ mehr als 300 Eier legen müssen. Eigentlich haben die Ostersymbole etwas Besseres verdient. 

  • Datum: 14.04.2011, 10:28 UHR
  • Webcode: 1175824
 

 

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