All die Jahre über, in denen ich meine «Grosse Reise» geplant habe, wollte ich nicht nur fremde Kulturen kennenlernen und viele Länder bereisen, die man nicht mal ebenso auf seiner Ferienliste führt, sondern dabei auch das Abenteuerliche suchen. Der Plan ist darum, ohne weit voraus zu buchen immer wieder aufs Neue meine Transportmittel und Unterkünfte zu organisieren.
Bis vor rund einer Stunde habe ich mich jedoch noch in meiner Komfortzone befunden, der Flug nach Beijing war vor einem Monat gebucht, die ersten Nächte im Hostel ebenfalls. Nun muss ich mich mit meinem Weiterkommen beschäftigen und schon wirds eng, oder: Das Abenteuer beginnt. Als ich im Hostel nach Zug- oder Busfahrten nach Xi'an fragte, beschied man mir, dass ich da einen sehr schlechten Zeitpunkt erwischt hätte. In China endeten gerade die Semesterferien der Unis und alle Studenten seien auf dem Weg an ihre Studienorte. Am Samstag und Sonntag, wahrscheinlich auch am Montag, sei es unmöglich, Tickets zu bekommen. Darauf wollte ich auch gleich meinen Aufenthalt im Hostel um mindestens zwei Nächte verlängern: Ausgebucht. Jetzt gehts also so richtig los. Ich habe noch für eine Nacht ein Bett und dann erstmal nur Ungewissheit wie es weitergehen wird.
Nun bin ich also vor eine völlig neue Situation gestellt: ein fremdes Land, eine Sprache, in der ich gerade mal «Hallo» und «Danke» sagen kann, ohne Gefahr zu laufen, jemanden zu beleidigen und ich muss innert nützlicher Frist ein Bett und eine Reisemöglichkeit auftreiben. Erstaunlicherweise macht mich das so gar nicht nervös. Als erstes setze ich mich hin und bestelle mir ein Frühstück, mit Hunger im Bauch finden sich sowieso keine brauchbaren Lösungen.
Da sitze ich nun mit Kaffee und einer Fruchtschale und stelle erfreut fest, ich bin angekommen, oder besser, ich bin unterwegs, ich reise. Die Situation, mich stets organisieren zu müssen, belastet mich nicht. Im Gegenteil, ich geniesse sie. Das Abenteuer beginnt mir Spass zu machen. Und da im nahe gelegenen Ticketoffice erst am Nachmittag der Mitarbeiter eintrifft, der Englisch versteht, mache ich mich jetzt auf den Weg Richtung Olympiagelände – wie die U-Bahn funktioniert habe ich schon bei meiner Ankunft gelernt, das dürfte ganz entspannt werden.
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