Wer sich ernsthaft mit der Natur beschäftigt, gerät immer wieder ins Spannungsfeld Natur–Mensch. Ist der Mensch ein Teil der Natur oder hat er sich mit seiner Kultur und Technik bereits aus ihr verabschiedet? Diese Fragen beschäftigen Jürg Paul Müller als Biologe seit Jahr und Tag. Im Blog nimmt er Sie in seine Gedankenwelt mit. 

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Bauer und Ökologie

Die aktuelle Diskussion um die Agrarpolitik 2014 bis 2017 wirft viele grundlegende Fragen auf. Wieder einmal geht es um Ökologie und Ökonomie. Klar, die Bauern wollen etwas produzieren und nicht nur Landschaftsgärtner sein oder vom Lama-Trekking leben.

Aber den Agrarfreihandel wollen sie auch nicht und auf eine finanzielle Unterstützung durch den Staat können sie unter den heutigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen nicht verzichten. In dieser Situation sind neben ökonomischen unbedingt auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen.

Die Hauptaufgabe des Bauern besteht darin, über seine Pflanzen und Tiere Sonnenenergie einzufangen und der Gesellschaft als Nahrung zur Verfügung zu stellen. Am Anfang jeder Nahrungsmittelproduktion steht die Photosynthese, jener Vorgang, bei dem die grünen Pflanzen mit Hilfe der Sonnenenergie die energiearmen Stoffe Wasser und Kohlendioxid in energiehaltigen Zucker und Sauerstoff umwandeln. Bei der Produktion von Getreide, Obst und Gemüse erfolgt die Nutzung dieses von der Sonne getriebenen Prozesses unmittelbar. Bei der Fleischproduktion müssen die Photosyntheseprodukte wie Gras und Getreide zuerst an die Tiere verfüttert werden. Landwirtschaftliche Produktion macht keinen Sinn, wenn der Energieaufwand im Vergleich zur tatsächlichen Energieproduktion in Form von Lebensmitteln in einem schlechten Verhältnis steht. Wenn man zur Milchproduktion Futter verwendet, das mit energiefressenden Maschinen produziert wird, oder wenn man gar Futtermittel wie Soja aus fernen Ländern importiert, so wird die Energiebilanz schlecht. Wenn dann als Folge dieser Wirtschaftsweise sogar noch grosse Gebiete auf Jahre hinaus überdüngt werden und man die Milch gar nicht markgerecht verkaufen kann, so stimmt etwas nicht. Mehr Ökologie in der Landwirtschaft ist nicht nur eine Forderung von einigen verträumten Naturliebhabern, die gerne durch Blumenwiesen wandern, sondern eine fachlich fundierte Forderung.

Ich verstehe, dass ein Bauer gerne produzieren möchte. Bei unseren Standortnachteilen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist es nicht möglich, mit unseren Produkten hinsichtlich der Preise international konkurrenzfähig zu sein. Eine finanzielle Unterstützung der Landwirtschaft durch den Staat ist unabdingbar. Sie hilft mit, einen gewissen Selbstversorgungsgrad zu erreichen und die Landwirtschaft auch für die Zukunft zu erhalten, in der die Produktion von Nahrungsmitteln möglicherweise wieder einen höheren Stellenwert erhält. Die staatliche Unterstützung darf aber nicht zu ökologischen Schäden wie Überdüngung oder erhöhter Kohlendioxid – und Methanproduktion führen. Damit sind die Leitplanken für mehr Ökologie in der Landwirtschaft gegeben. Wenn die Landwirtschaft auf dieser Grundlage eine naturnahe Kulturlandschaft schafft und unterhält, so ist dies eine wertvolle Leistung. Denn diese Landschaft ist viel mehr als eine Kulisse. Sie bildet eine gesunde Umwelt für uns alle und wird in einem Tourismuskanton erst noch von den Gästen sehr geschätzt.

  • Datum: 15.08.2012, 00:00 UHR
  • Webcode: 2581764
 

 

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Markus Lanfranchi

16.08.2012 11:11 Uhr

Bauer und Ökologie

Die Begriffe im obengenannten Titel bilden eine Einheit, deren Trennung verheerende Folgen hat.
Bauer sollte per se der oberste Ökologe sein, der Land-Wirt, der den Boden bewirtet und behütet, diesen füttert, dessen Frucht erntet und ihn auf die nächsten Nutzniesser vorbereitet.
Jürg-Paul Müller schreibt dass ein Bauer produzieren wolle. Dies tut jeder Bauer ohnehin. Die Frage ist jedoch wieviel ein Bauer an Energie investiert und wieviel er erntet. Dieses Verhältnis verschlechtert sich mit der Zunahme an betriebenem Aufwand (Maschinen, Hilfsstoffe, Energieinput). Mit steigendem Aufwand sinkt auch der ökologische Mehrwert, den der Bauer natürlicherweise leisten müsste.
Wir werden in allernächsten Zukunft nicht mehr mit einem solch verrückten Aufwand Essen herstellen können (von welchem notabene kaum ein Drittel überhaupt je unsere Mägen erreicht, zwei Drittel gehen auf dem Weg vom Feld zum Teller verloren). Mit sinkendem Einkommen werden wir Bauern wieder gezwungen sein mit massiv weniger Aufwand etwas weniger zu produzieren - mit massiven Verbesserungen der ökologischen Leistungen!
Ansätze dazu: Möschberg Erklärung, www.bioforumschweiz.ch

 

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