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Tango auf Packeis – ein volles Leben!

In meinen 30 Jahren als Kurdirektor hatte ich viel mit Medien, Journalisten und «Airlinern» zu tun. Einer, der all diese Sparten in (s)einer Person verkörpert, ist Urs von Schroeder (*1943). Der Titel seiner Biografie ist Programm: «Tango auf Packeis. Unterwegs mit meinem Hermes-Baby». Seine Lebensreise ist prall und bringt ihn als Journalist, Redaktor, PR-Manager der Swissair und Buchautor in alle Winkel der Welt. 

Der Globetrotter war schon während der Kulturrevolution in China, begleitete Bundesräte, schrieb Generalsreden, interviewte Sophia Loren, erlebte Flugkatastrophen, Krieg und rauschende Affären.

Urs von Schroeder steht für eine Generation, die wie keine andere fundamentale Wandel in sämtlichen Lebensbereichen erlebt hat: Jene der Babyboomer, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgewachsen ist. Er steht für den Aufbruch aus einer Zeit, in der wir in den Ferien höchstens in den Tessin gefahren sind, in eine Epoche grenzenloser Mobilität und Kommunikation: die atemraubende technische Entwicklung und den Vorstoss ins Weltall, den Wechsel vom mechanisch/analogen ins digitale Zeitalter; vom Kalten Krieg über die «Wende» in eine neue Welt mit boomendem Asien, China – kurz: in eine Epoche, auch mit tiefgreifend gesellschaftlichem Wandel.

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Urs von Schroeder ist ein reisender Schreiber – und schreibender Reisender, ein Archetyp der vergangenen Jahrzehnte, dessen Wege ich oft gekreuzt habe, leider stets nur flüchtig, da unser gemeinsamer Engpass immer die Zeit war. Beide schrieben wir ein Buch über weibliche Cabin Attendants: ich 1974 meine Dissertation über «Berufsbild und Ausbildung der Airhostess» an der Uni Zürich (Auflage 500 Exemplare), er 1984 den Bestseller «Heute Hongkong morgen New York» (Auflage 50 000 Exemplare). Ich war in erster Ehe, er ist in zweiter Ehe mit einer Airhostess verheiratet.

In den Neunzigerjahren erlebten wir auf dem Berninapass zusammen eine klassische «Kurvereins-Situation»: Urs und sein Kollege Jean Claude Donzel begleiteten eine Gruppe wichtiger Reisejournalisten durch die Schweiz, die ich am Lago Bianco mit Alphorn und zwei Fahnenschwingern empfangen sollte. Da Letztere nicht rechtzeitig eintrafen, stülpte ich den beiden Swissair-Managern je ein Älplerkutteli über, übergab ihnen kurzerhand zwei vorbereitete Flaggenstäbe, und fertig waren die Fahnenschwinger … (S. 376). Einige Jahre später erkundeten wir zusammen mit einer anderen VIP-Gruppe auf einem Schlauchboot das Unterengadin, diesmal ohne Alphorn und Flaggen.

Urs lebt heute mit seiner Frau in Schaffhausen im üblichen Unruhestand, in dem es auch «Ü70» nie langweilig ist. Sein Buch ist ein faszinierendes Zeitdokument über einen Menschen, der seit frühester Kindheit offen und neugierig war, aus jeder Situation das Beste machte und Rückschläge dank positiver Grundhaltung wegstecken konnte. «Tun» ist nach Goethe das wichtigste Wort der deutschen Sprache, und Urs von Schroeder hat auf seinem bewegten Weg in jeder Phase aktiv etwas getan für sein Glück und Überleben. Er hat nie darauf gewartet – und schon gar nicht gejammert, wenns mal nicht geklappt hat. Ganz im Sinne Dantes: «Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt.»

Gute Lektüre!

PS: Weitere lesenswerte Bücher von ehemaligen Swissair-Kader und «Zugewandten»:

Walter Vollenreiter: Business Class. Faszinations Auslandserfahren. Karriere zwischen den Kontinenten. Gellius Verlag

Greta Gantenbein: Die Zweite von links. Mein Leben mit und ohne Swissair. Wörterseh Verlag.

Hans Peter Danuser: St. Moritz einfach. Erinnerungen ans Champagner-Klima, Somedia Buchverlag.