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Zeitbestimmung mit Pflanzen: Die Sonne als Promotor, als «Vorwärtsbewegerin»

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studien in Physik und Astronomie prägen unseren Alltag. Für Wochentage wie Sonntag, Montag oder Samstag, in «lunedi, martedi, mercoledi oder in lundi, mardi, oder in  Saturday» usw.   wurden auf Namen unseres Sonnensystems zurückgegriffen. Schon die frühesten  Beobachtungen über den Verlauf der Gestirne mit Sonne, Mond, einzelnen Planeten und weiteren Himmelskörpern führte vor Jahrtausenden die Menschheit zum Zeitgefüge wie Jahre, Jahreszeiten, Monate und Tage.

«Die technologisierte Welt entfremdet den Menschen heutzutage aber immer mehr von seiner angeborenen Verbundenheit zu den Kräften des Universums und des Kosmos. Die Blumenuhr macht eindrücklich vor, was es heisst, im Rhythmus der Natur zu leben.»

Heute liegt der Zeit das internationale Einheitssystem (SI) zu Grunde. Doch  subjektiv   dürfte eine Sekunde nach wie vor etwa einem Herzschlag einer erwachsenen Person in Ruhestellung entsprechen.

Der Weg zur Atomsekunde

Die erste Unterteilung der Stunde in 60 Minuten zu je 60 Sekunden findet man um 1000 n.Chr. in einer Schrift von al-Biruni. Als Secunda von lateinisch pars minuta secunda (‚zweiter verminderter Teil‘) ist sie seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Im Jahre 1585 konstruierte Jost Bürgi erstmals eine Uhr mit Sekundenzeiger.

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Der Toggenburger Jost Bürgi (1552-1632) erfand nicht nur die Sekunde, sondern auch die Logarithmen. Bekannt von ihm ist der Himmelsglobus.

 

Später wurde die Sekunde genauer über den mittleren Sonnentag definiert, ab 1960 als Ephemeriden Sekunde über die Dauer des tropischen Jahres. Damit wurde die Definition der Sekunde nicht mehr auf die tägliche Rotation der Erde um sich selber, sondern auf die gleichmäßigere jährliche Rotation der Erde um die Sonne zurückgeführt.

Seit 1967 ist die Sekunde als das 9 192 631 770-fache der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustands von Atomen des Nuklids Caesium-133 entsprechenden Strahlung festgelegt. Sie wird daher auch Atomsekunde genannt.

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Pflanzen kümmern sich nicht um die Wissenschaft

Mit der Messung der Zeit haben sich nicht nur Physiker und Astronomen auseinandergesetzt. Der schwedische Botaniker Carl von Linné  (17707-1780) legte eine Blumenuhr im Botanischen Garten von Uppsala an, basierend auf das Öffnen und Schliessen der unterschiedlichen Blüten. Eine solche Blumenuhr ist auf der Insel Mainau (Bodensee) zu bestaunen und mit Texten dokumentiert.

Zeitbestimmung mit Pflanzen

«Bei der Beobachtung der Natur hatte Linné die für seine Zeit überraschende Feststellung gemacht, dass bestimmte Pflanzenarten nur zu bestimmten Tageszeiten blühen. Daraufhin intensivierte er seine Forschungen und stellte fest, dass die pflanzlichen Aktivitäten während der gesamten (schwedischen) Wachstumsperiode immer zur gleichen Tages- und Nachtzeit stattfanden. Je nach Stunde pflanzte er entsprechende krautige Pflanzen und Blumen an. Es soll ihm bei der Frage nach der Uhrzeit ein Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers auf seine «Blumenuhr» genügt haben, um die Uhr bis auf fünf Minuten genau abzulesen».

Grundprinzip

Die Hinweistafel auf der Insel Mainau nennt das Grundprinzip. «Verdeutlicht wird durch die Blumenuhr die Koevolution zwischen den Blütenpflanzen und ihren tierischen Bestäubern. Durch die unterschiedlichen Blühzeiten wird gesichert, dass 24 Stunden Nektar und Pollen für die Bestäuber bereitstehen. Wären alle Blüten zur gleichen Zeit geöffnet, müssten auch alle Bestäuber zur gleichen Zeit auf Futtersuche gehen. Das würde zu starker Konkurrenz sowohl unter den zu bestäubenden Pflanzenarten als auch unter den Bestäubern, ferner zu Engpässen im Energiestoffwechsel und in der Reproduktion führen. Durch die verteilten Blühzeiten wird einerseits die Futtersuche für alle bestäubenden Tiere möglich, anderseits die Bestäubung der Blütenpflanzen gesichert.»

Allgemein gilt, dass abends und nachts weniger Blüten blühen als tagsüber. Gerade die Spät- und Frühblüher erschließen sich neue Bestäuber, so kann die Entwicklung der Nachtblüher und Nachtschmetterlinge als Koevolution gesehen werden.»

Beispielpflanzen

Folgende Beispiele aus mitteleuropäischen Breitengraden in Bezug auf MEZ (Öffnung- bis Schliesszeiten der Blüten):          

  • Wiesenbocksbart 3-12 Uhr
  • Klatsch-Mohn 5 bis 18 Uhr                       
  • Wegwarte 5 bis 14 Uhr
  • Distel 6 bis 12 Uhr                                         
  • Graslilie 6 Uhr
  • Zaunwinde 6 bis 16 Uhr                             
  • Huflattich 7 bis 16 Uhr
  • Seerose 7 bis 17 Uhr                                                    
  • Ringelblume 7 bis 14 Uhr
  • Wiesen-Pippau 7 Uhr                                                   
  • Frauenmantel 7 Uhr
  • Sumpfdotterblume 8 bis 21 Uhr           
  • Herbstlöwenzahn 8 Uhr           
  • Margerite 9 Uhr                  
  • Enzian 9 UhrLeinkraut 9 Uhr                   
  • Waldsauerklee 10 bis 16 Uhr
  • Kohl-Gänsedistel 11 Uhr                                
  • Nachtkerze 20 bis 6 Uhr

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Carl von Linné, Botaniker 1708-1778.

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Abbildung einer Blumenuhr, wie sie 1745 von Carl von Linné entwickelt wurde (Foto Wikipedia). Eine solche Uhr existiert nach dem Vorbild des Orginals von Linné auf der Insel Mainau.

Blumenuhren, Zeitgedächtnis und Zeitvergessen

Im Zusammenhang mit Blumenuhren sei das Buch «Blumenuhren, Zeitgedächtnis und Zeitvergessen» von Wolfgang Engelmann, Institut für Botanik der Universität Tübingen, 2004 erwähnt. Von Mitte Februar bis März könnte die Forsythie zu Beobachtungen anregen. Engelmann führt auf, wie die Bewegung einer Forsythienblüte stattfindet. 

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Er gibt auch Anleitungen zur Beobachtung preis. So möge man in zehnminütigen Intervallen  zwischen 9 und 11 Uhr die Abstände zwischen zwei Zipfeln einer Blüte messen. Die Erklärung der Bewegung  (wie und warum)  ist im 127 -seitigen Buch mit CD aufgeführt.

Ohne Blicke auf den Kalender, ohne Betätigung im wissenschaftlichen Bereich, wir alle erfreuen uns an den Forsythien, denn  sie , auf lateinisch (Forsythia x intermedia) läuten mit ihrem üppigen, leuchtend gelben Blütenflor jedes Jahr den Frühling ein. Die sommergrünen etwa zwei bis drei Meter hohen Sträucher legen ihre Blütenknospen schon im Vorjahr an den einjährigen Trieben sowie an den kurzen Seitenzweigen der zwei bis dreijährigen Triebe an.

Die Königin der Nacht

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Selenicereus ist eine Pflanzengattung aus der Ordnung der Nelkenaartigen, resp. der Familie der Kakteengewächse zugeordnet.

Die Königin der Nacht gehört zu den Kakteen. Ihre grossen weissen Blüten öffnen sich nur nachts, um von Fledermäusen bestäubt zu werden. Sie duften stark nach Vanille. Blütezeit von 19 bis 24 Uhr.

Linné legte ein kreisförmiges Beet an. In das Feld, das bei 9 Uhr liegt, pflanzte Blumen an, deren Blüten sich um 9 Uhr öffnen. In das Feld, das bei 10 Uhr liegt, setzte er Blumen, die sich um 10 Uhr öffnen. So fuhr er dort fort für alle Blumen.

Für einige Stunden fand er keine Blumen, deren Blüten sich zu den passenden Zeiten öffnen. Dafür nahm er solche, die sich zu den entsprechenden Zeiten schlossen. Diese sitzen im zweiten Ring von aussen.

Für die Zeiten zwischen 13 und 24 Uhr legte Linné einen zweiten Doppelring an. Auch hier stehen im äusseren Ring die Blumen, die sich um die jeweilige Zeit öffnen und im inneren Ring die Blumen, die sich zur jeweiligen Zeit schliessen.

Beispiel: Auf der Position von 1 Uhr sind die Kreissegmente von aussen nach innen: Blüten, die sich um 1 Uh nachts öffnen; Blüten, die sich um 1 Uhr nachts schliessen; Blüten, die sich um 13 Uhr öffnen und schliesslich Blüten, die sich um 13 Uhr schliessen.

Die Natur ist wohl unser bester Lehrmeister. Die Behauptung ist  wohl nicht abwegig, dass alle Wissenschaften  ihre Grundlagen  aus der Natur schöpfen.

Blumenuhr in Genf

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Die Blumenuhr im Jardin Anglais in Genf kann schon seit über 50 Jahren bestaunt werden. Es ist eine Blumenuhr, funktioniert aber nicht auf den Beobachtungen des Botanikers , sondern ist ein Präzisionswerk, basierend auf der schweizerischen Uhrmacherkunst.

Ob Blumenuhren, ob Sonnenuhren, Basis ist die Natur.

Und wo ist die genaueste Sonnenuhr der Welt?

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«Sine sole sileo»: die genaueste Sonnenuhr der Welt.

Auf Muottas Muragl (2‘456 m. ü. M.) befindet sich etwas erhöht hinter dem Romantik-Hotel «Muottas Muragl» mit «SINE SOLE SILEO» die genaueste Sonnenuhr der Welt! Im Sommer funktioniert sie als Sonnenuhr, im Winter als beinahe ebenso genaue Monduhr. Ihre Konstruktion ist völlig neuartig. Dies ermöglicht, dass an «SINE SOLE SILEO» die Zeit auf unglaubliche 10 Sekunden genau abgelesen werden kann.

So oder so, allesamt sind Meisterwerke und erfreuen jede Person. Da dürfte  Heinz Knieriemen, wie in der Einleitung erwähnt, nicht unrecht haben, wenn er in «Natürlich» (4/2011), einem Magazin für ganzheitliches Leben, behauptet: «Die technologisierte Welt entfremdet den Menschen immer mehr von seiner angeborenen Verbundenheit zu den Kräften des Universums und des Kosmos. Die Blumenuhr macht eindrücklich vor, was es heisst, im Rhythmus der Natur zu leben.»

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