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Auf uns wartet eine Sonnenfinsternis

Eine partielle Sonnenfinsternis, am Tag des Frühlingbeginns, am 20. März 2015, wird – sofern die Witterung mitspielt – beobachtbar sein. Sie findet rund zwöf Stunden vor dem Frühlingsanfang, der um 23.45 Uhr beginnt, statt.

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Bevor auf die erw&auml;hnte Finsternis etwas vertiefter eingegangen wird, m&ouml;gen einige Ausz&uuml;ge aus der Vergangenheit die Bedeutung eines solchen Himmelgeschehens gewichtet werden.</p>
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Sonnenfinsternisse beeinflussten einst gar den Gang der Geschichte. Im sechsten Jahrhundert vor Christus soll der griechische Naturphilosoph Thales von Milet eine Sonnenfinsternis vorhergesagt haben, die dann auch tats&auml;chlich eintrat &ndash; mitten in einer Schlacht zwischen Medern und Lydern. Die Kontrahenten werteten das Ereignis der Erz&auml;hlung zufolge als Zeichen der G&ouml;tter, beendeten umgehend ihre Kampfhandlungen und schlossen Frieden.</p>
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Von welthistorischer Bedeutung ist das Datum vom 29. Mai 1453 zu werten. An diesem Datum nahm die t&uuml;rkische Armee Konstantinopel ein. Eine Woche zuvor hatte es eine partielle Mondfinsternis gegeben, welche von den Verteidigern der Stadt als schlechtes Omen gedeutet wurde. Nat&uuml;rlich ist nicht auszuschliessen, dass die Stadt auch ohne vorangegangene Finsternis erobert worden w&auml;re.</p>
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Auch im letzten Jahrhundert &nbsp;trug eine Finsternis zu einem Handstreich bei. Am 4. Juli 1914 nutzte Lawrence von Arabien sein Wissen &uuml;ber eine totale Mondfinsternis. Er nahm auf dem Sinai per Handstreich eine t&uuml;rkische&nbsp; Befestigungsanlage ein. Dabei benutzte er die pl&ouml;tzlich einkehrende Dunkelheit in einer sonst&nbsp; hellen Vollmondnacht.</p>
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Folgendes ereignetes sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Wissend um eine bevorstehende Finsternis konnte einst Kolumbus in Jamaika nach heftigen Streitereien mit den Einheimischen sich vor dem &laquo;Verhungern&raquo; retten. Er verk&uuml;ndete den dortigen Anf&uuml;hrern, dass der christliche Gott ihnen wegen den ausbleibenden Lebensmittellieferungen z&uuml;rne und ihnen in der kommenden Nacht das Mondlicht nehmen w&uuml;rde. Als dies tats&auml;chlich eintrat, waren sie v&ouml;llig geschockt und baten Kolumbus, ein gutes Wort bei Gott anzubringen. Kolumbus bat aber vorerst um Bedenkzeit und erwiderte erst kurz vor Ende der Finsternis, dass Gott den Mond nochmals freigeben w&uuml;rde, worauf Kolumbus und all seine spanischen Begleiter die geforderten Lebensmittel erhielten.</p>
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<strong>Vorboten von Naturkatastrophen und Not</strong></p>
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Noch heute halten abergl&auml;ubische Menschen totale Sonnenfinsternisse f&uuml;r Vorboten von Not und Katastrophen. Dabei handelt es sich um ein nat&uuml;rliches astronomisches Ereignis, zu dessen Zustandekommen allerdings ein unglaublicher Zufall beitr&auml;gt. Bei einer Sonnenfinsternis stehen Erde, Mond und Sonne in einer Linie &ndash; von der Erde aus gesehen schiebt sich der Mond vor die Sonnenscheibe und verdunkelt das Taggestirn. Der Zufall besteht nun darin, dass Mond- und Sonnenscheibe am irdischen Himmel denselben Durchmesser haben.</p>
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Das liegt daran, dass der wahre Durchmesser der Sonne zwar rund 400-mal gr&ouml;sser ist als derjenige des Erdtrabanten, gleichzeitig aber die Sonne auch 400-mal so weit von unserem Planeten entfernt ist wie der Mond. Eine allm&auml;hliche Ver&auml;nderung dieser Entfernungsverh&auml;ltnisse d&uuml;rfte &uuml;brigens dazu f&uuml;hren, dass es in ferner Zukunft keine totalen Sonnenfinsternisse mehr gibt. Denn der Mond bewegt sich durchschnittlich 3,8 Zentimeter pro Jahr von der Erde weg. Das Mondscheibchen wird also nach und nach kleiner, so dass es eines Tages die Sonne nicht mehr vollst&auml;ndig bedecken kann. Bis dahin wird es allerdings noch ein Weilchen dauern &ndash; die Astronomen rechnen mit rund 600 Millionen Jahren.</p>
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Auch in der katholischen Kirche des Mittelalters wurde die Sonnenfinsternis als b&ouml;ses Omen aufgefasst, als g&ouml;ttliche Warnung von Kriegen oder als Vorbote des Weltuntergangs. So f&uuml;rchtete im Jahre 1628 Papst Urban VIII., dass die angek&uuml;ndigte Verfinsterung seinen eigenen Tod ank&uuml;ndigen w&uuml;rde. Trotz der astronomischen Erkl&auml;rung f&uuml;r die Sonnenfinsternis, die sich im 18. Jahrhundert verbreitete, l&ouml;ste das Naturschauspiel auch weiterhin immer wieder Angst und Schrecken aus.</p>
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Wer kennt nicht aus der Schlagerwelt den Hit &laquo;Lady Sunshine and Mister Moon&raquo;.&nbsp; W&auml;hrend in der deutschen Sprache die Sonne mit weiblichem, der Mond mit s&auml;chlichem Artikel aufgef&uuml;hrt wird, werden Sonne und Mond in vielen aussereurop&auml;ischen Volkserz&auml;hlungen als Ehepaar aufgefasst Dabei gilt in der Regel der Mond als Frau und die Sonne als Mann. In den Finsternissen besucht die Sonne den Mond. Die Mondfrau wird schwanger und bringt die Sterne hervor. Allzu abwegig ist diese Vorstellung nicht: Bei einer totalen Sonnenfinsternis sind w&auml;hrend der Verdunkelung tats&auml;chlich Sterne am Himmel zu sehen.</p>
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Da h&ouml;rt sich doch der Bericht des &ouml;sterreichischen Dichters <strong>Adalbert Stifter</strong> (1805-1868) erstaunlich und &laquo;wundersch&ouml;n&raquo; an.</p>
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<strong>Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1844</strong></p>
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&laquo;Es gibt Dinge, die man 50 Jahre weiss, und im 51. erstaunt man &uuml;ber die Schwere und Furchtbarkeit ihres Inhaltes. So ist es mir mit der totalen Sonnenfinsternis ergangen, welche wir in Wien am 8. Juli 1842 in den fr&uuml;hesten Morgenstunden bei dem g&uuml;nstigsten Himmel erlebten. Da ich die Sache recht sch&ouml;n auf dem Papiere durch eine Zeichnung und Rechnung darstellen kann, und da ich wusste, um soundso viel Uhr trete der Mond unter der Sonne weg und die Erde schneide ein St&uuml;ck seines kegelf&ouml;rmigen Schattens ab, welches dann wegen des Fortschreitens des Mondes in seiner Bahn und wegen der Achsendrehung der Erde einen schwarzen Streifen &uuml;ber ihre Kugel ziehe, was man dann an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten in der Art sieht, da&szlig; eine schwarze Scheibe in die Sonne zu r&uuml;cken scheint, von ihr immer mehr und mehr wegnimmt, bis nur eine schmale Sichel &uuml;brigbleibt, und endlich auch die verschwindet &ndash; auf Erden wird es da immer finsterer und finsterer, bis wieder am andern Ende die Sonnensichel erscheint und w&auml;chst, und das Licht auf Erden nach und nach wieder zum vollen Tag anschwillt &ndash; dies alles wusste ich voraus, und zwar so gut, dass ich eine totale Sonnenfinsternis im voraus so treu beschreiben zu k&ouml;nnen vermeinte, als h&auml;tte ich sie bereits gesehen.</p>
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Aber, da sie nun wirklich eintraf, da ich auf einer Warte hoch &uuml;ber der ganzen Stadt stand und die Erscheinung mit eigenen Augen anblickte, da geschahen freilich ganz andere Dinge, an die ich weder wachend noch tr&auml;umend gedacht hatte, an die keiner denkt, der das Wunder nicht gesehen.</p>
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Nie und nie in meinem ganzen Leben war ich so ersch&uuml;ttert, von Schauer und Erhabenheit so ersch&uuml;ttert, wie in diesen zwei Minuten, es war nicht anders, als h&auml;tte Gott auf einmal ein deutliches Wort gesprochen und ich h&auml;tte es verstanden. Ich stieg von der Warte herab, wie vor tausend und tausend Jahren etwa Moses von dem brennenden Berge herabgestiegen sein mochte, verwirrten und bet&auml;ubten Herzens.&raquo;</p>
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In der Fortsetzung h&auml;lt Adalbert Stifter unter anderem fest: &laquo;Es kamen, wie auf einmal, jene Worte des heiligen Buches in meinen Sinn, die Worte bei dem Tode Christi: &sbquo;Die Sonne verfinsterte sich, die Erde bebte, die Toten standen aus den Gr&auml;bern auf, und der Vorhang des Tempels zerriss von oben bis unten.&rsquo;&raquo; (Auszug aus: &laquo;Die Sonnenfinsternis&raquo; von Adalbert Stifter).</p>
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Da mag man unwillk&uuml;rlich auch an Lord Byron denken, der ein Gedicht &uuml;ber die Finsternis (darkness) schrieb und in den ersten Zeilen Folgendes festhielt:</p>
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&laquo;Mir ward&rsquo; ein Traum, der v&ouml;llig Traum nicht war: 
Erloschen war der Sonne Schein; die Sterne 
Bewegten tr&uuml;b sich durch den ew&#39;gen Raum, 
Strahllos und pfadlos; und die eis&#39;ge Erde 
Trieb blind und schwarz durch mondesleere Luft. Der Morgen kam und ging, doch ward&#39;s nicht Tag; 
Der Mensch vergass die Leidenschaft aus Angst vor der Ver&ouml;dung rings, und alle Herzen Erstarrten in dem heissen Flehn um Licht.&raquo;</p>
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(Anmerkung: Lord Byron lebte zwischen Mai und Oktober 1816 in Cologny am Genfersee).</p>
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<img alt="" src="http://www.suedostschweiz.ch/sites/default/files/users/shared/0064247.j…; style="width: 620px; height: 415px;" /></p>
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<em>Eine totale Sonnenfinsternis &uuml;ber S&uuml;dafrika im Jahr 2002. (Bild Keystone)</em></p>
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<strong>Sonnenfinsternis am 20. M&auml;rz 2015 </strong></p>
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(Auszug aus der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft/SAG)</p>
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&laquo;Europa erlebt am Tag des Astronomischen Fr&uuml;hlingsbeginns am 20. M&auml;rz 2015 eine grosse partielle Sonnenfinsternis, die in einem breiten Streifen zwischen Island und Norwegen f&uuml;r zwei Minuten und 47 Sekunden total verl&auml;uft. In der Schweiz beginnt sich der Neumond zwischen 09.22 Uhr MEZ (Genf) und 09.27 Uhr MEZ&nbsp; (Ostschweiz) vor die Sonne zu schieben. Maximal werden zwischen 10.30 Uhr MEZ und 10:36 Uhr MEZ fast 75 Prozent des scheinbaren Sonnendurchmessers vom Mond bedeckt, was einer fl&auml;chenmassigen Abdeckung von etwa 70 Prozent entspricht. Um diese Zeit wird man die Sonnenfinsternis auch in der Lichtver&auml;nderung bemerken. Auch die Temperatur kann ein paar grade zur&uuml;ckgehen. Zwischen 11:41 Uhr MEZ und 11:48 Uhr MEZ hat der Mond die Sonne wieder freigegeben.&raquo;</p>
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An dieser Stelle sei erinnert, dass ohne Schutz niemals beobachtet werden darf.</p>
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SAG: &laquo;Augen sch&uuml;tzen. Schauen Sie niemals direkt in die grelle Sonne, schon gar nicht mit einem Fernglas oder Teleskop. Das geb&uuml;ndelte Sonnenlicht kann innert Sekunden Ihre Augen f&uuml;r immer sch&auml;digen.&raquo;</p>
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Interessierte finden unter <a href="http://www.sofi2015.de">hier interessante Animationen</a>.</p>
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Die bei uns beobachtbare partielle Sonnenfinsternis l&auml;sst sich auf den F&auml;r&ouml;ern und auf Svalbard als totale Finsternis beobachten. Hier sei der Hinweis angebracht, dass die Sternwarte Mirasteilas in Falera offene T&uuml;ren f&uuml;r Beobachtungen haben wird. Setzen Sie sich bitte mit dem Leiter des Observatoriums Falera, Jos&eacute; de Queiroz, Tel. 081 921 25 55 oder 081 921 65 65 in Verbindung. Aktuelles finden Sie auch auf der <a href="http://www.sternwarte-mirasteilas.ch">Homepage der Sternwarte</a>.</p>
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F&uuml;rs intensivere Studium der Sonnenfinsternis sei auf die Arbeit von Robert Nufer unter dem Titel &laquo;Die Totale Sonnenfinsternis am 20. M&auml;rz 2015&raquo; hingewiesen, <a href="http://www.robertnufer.ch/02_finsternisse/2015svalbard/sofi">hier lesbar</a>.</p>

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